Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 12.10.2017


Ski Alpin

Herr Dopfer, wo drückt der Schuh?

Vor fast einem Jahr bestritt Deutschlands Ski-Ass Fritz Dopfer in Sölden sein letztes Riesentorlauf-Rennen. Nach seinem Beinbruch kämpft der 30-jährige Wahl-Leutascher weiter mit Schmerzen – und gibt nicht auf.

Fritz Dopfer.

© Rudy De MoorFritz Dopfer.



Von Roman Stelzl

Seefeld – Die Frage „Wo drückt der Schuh?“ ist für gewöhnlich eine rein metaphorische, auf die kaum einer so präzise Antworten geben kann wie Fritz Dopfer. „Am Schuhrand“, sagt der 30-jährige deutsch-österreichische Skirennläufer und blickt kurz nach unten. Seine Antwort ist so präzise wie schmerzhaft. Oder besser gesagt ist sie präzise, weil so schmerzhaft. Denn dieser Schuhrand und das, was sich darunter abspielte, ist der Grund, wieso der WM-Zweite von 2015 seit fast einem Jahr an seinem Comeback tüftelt. Und noch immer nicht genau weiß, wie es weitergeht.

Am 20. November 2016 brach sich Dopfer im Training das Schien- und Wadenbein. Die Saison nahm damit ein abruptes Ende, wenige Tage später sollte ihm Tirols Ski-Star Eva-Maria Brem, die kurz zuvor dieselbe Verletzung erlitten hatte, eine nicht ganz ernst gemeinte SMS schrei­ben: „Jetzt habe ich drei Wochen Vorsprung.“ Es war ein Moment, um Kontakt aufzunehmen. Denn um beide war zuvor viel Wirbel gemacht worden. Und um beide wurde es jetzt ganz still.

„Eva hat mich ziemlich aufgebaut. Sie hatte diese Verletzung schon 2006 und hatte es zurückgeschafft. Das hat mir noch mehr Hoffnung gemacht“, sagt Dopfer. Der in Innsbruck Geborene und im bayerischen Schongau Aufgewachsene schlendert bei diesen Worten am Wildsee von Seefeld entlang. Die goldbraunen Blätter gleiten im Herbstwind von den Bäumen. Ruhe ist eingekehrt. Fast schon zu viel Ruhe. Zur Zeit seines fatalen Trainingssturzes war Dopfer auf der Jagd nach seinem ersten Weltcup-Sieg, wollte wieder ganz vorne Fuß fassen.

Dann kam aber der große Einschnitt. Eine lange Pause folgte, erst im April kehrte der früher für den ÖSV startende Technikspezialist ins Team zurück. Heute sagt Dopfer: „Es behindert mich nach wie vor. Ich habe noch Schmerzen.“ Die Ärzte raten, dem Zeit zu geben – der Weltcup-Auftakt in Sölden (29.10.), ein Jahr nach dem letzten Riesentorlauf, ist weiter fraglich.

Zeit zum Abschalten: Am Wildsee in Seefeld sammelt das deutsche Ski-Ass Fritz Dopfer Kraft für kommende Aufgaben.
Zeit zum Abschalten: Am Wildsee in Seefeld sammelt das deutsche Ski-Ass Fritz Dopfer Kraft für kommende Aufgaben.
- Rudy De Moor

Wenn die nahen Ziele noch fraglich sind – wie sieht es dann mit den fernen aus? Olympia 2018 oder gar die Ski-Karriere? „Ich habe mir Gedanken gemacht, wie es weitergeht“, gesteht Dopfer. Im Sommer schloss er in Linz seine Ausbildung im Immobilienmanagement ab. „Ein zweites Standbein“, nennt es Dopfer und ergänzt nach dem nächsten Atemzug: „Es gibt viele, die es geschafft haben. Das sind meine Vorbilder.“

Und hinter dieser Hoffnung steht auch das gesamte deutsche Ski-Team. Denn die Spitze droht bei den Herren dünn zu werden. Felix Neureuther gehört zur Weltklasse, aber ist bereits 33 Jahre alt, zudem wird er bald Vater. Stefan Luitz oder Linus Straßer (beide 25) sind den Talenteschuhen entwachsen und müssen liefern.

Bleibt also nur die Zuversicht, dass Dopfer mit den neuen Riesentorlauf-Skiern („Auf denen habe ich meinen Durchbruch geschafft“) wieder zu alter Form kommt. Ob das klappt, ist ungewiss. Sicher ist aber: Seine Motivation ist ungebrochen. „Ich habe meine Möglichkeiten noch längst nicht ausgeschöpft“, sagt Dopfer. Und lächelt.

Im Oktober 2016 bestritt der Wahl-Leutascher Fritz Dopfer beim Weltcup in Sölden seinen letzten Riesentorlauf.
Im Oktober 2016 bestritt der Wahl-Leutascher Fritz Dopfer beim Weltcup in Sölden seinen letzten Riesentorlauf.
- gepa