Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 10.10.2017


Skispringen

Die Wiege der Tiroler Weltmeister wird langsam morsch

Der erfolgreiche Skisprungverein SV Innsbruck-Bergisel harrt der Schanzen-Sanierung in Natters. 205.000 Euro sind dafür aufzubringen.

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© Poppinger



Von Florian Madl

Innsbruck, Natters – Es überkam Toni Innauer gestern im Rahmen einer Pressekonferenz zum Thema Olympia. Da war von Nachhaltigkeit die Rede und davon, wie Vereine von möglichen Winterspielen 2026 in Tirol profitieren könnten. „Es wird wohl manchen verwundern, mit wie wenig Aufwand in Natters große Erfolge erzielt werden können“, meinte der Skisprung-Olympiasieger von 1980 und Ehrenobmann des SV Innsbruck-Bergisel. Den erfolgreichsten Adler-Horst der vergangenen Jahre, Heimschanze von Gregor Schlierenzauer, Manuel Fettner, Manuel Poppinger oder David Pommer, kennzeichnen eine hohe Erfolgsquote, eine hohe Frequenz von Jung-Adlern, allerdings auch eine ebenso hohe Baufälligkeit.

„Seit 25, 30 Jahren liegt dem Schanzenunterbau das gleiche Holz aus dem Schwarzwald zugrunde. Das muss dringend ausgetauscht werden, wir haben bereits Mulden im Aufsprungbereich“, erklärt Obmann Norbert Poppinger zur augenblicklich prekären Situation. Zu Trainingszwecken sei die Schanze im Sommer geöffnet, Wettkämpfe führe man nicht mehr durch. „Die Gefahr wäre zu groß!“

Zumindest im Winter blieben dem Verein durch die pickelharte Kunstschnee-Auflage Probleme erspart. Doch der nächste Sommer kommt, das schwierige Thema Finanzierung schwebt weiter über dem Verein. Das Jahresbudget für den Wettkampfbetrieb und das Voranbringen der gut 20 Springer wird mit einem fünfstelligen Betrag veranschlagt – die Sanierung erfordert ein Mehrfaches: Von 205.000 Euro spricht der Obmann, wobei der SV Innsbruck-Bergisel dank seiner Mitglieder für Nebenleistungen in Höhe von 70.000 Euro selbst aufkommt.

Reinhard Eberl, Leiter des Landessportamts, verspricht Unterstützung: „Wir versuchen, mit der Stadt Innsbruck und dem Tourismusverband eine Drittel-Lösung herbeizuführen.“ Über den Sommer seien bereits geologische Gutachten eingeholt und Angebote geprüft worden. Eberl ist zuversichtlich: „Aus unserer Sicht steht einer Renovierung nicht mehr viel im Weg.“

Auch des Pachtvertrags will sich Obmann Poppinger annehmen, 2500 Euro/Jahr brächten den Verein an die Grenzen. Den Zuspruch von Ehrenobmann Innauer hat er: „Viele Leute können sich nicht vorstellen, was für großartige Arbeit in kleinen Strukturen geleistet wird.“