Letztes Update am Fr, 24.11.2017 10:37

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Doping

Russisches Doping-Beben sorgt für Riesenwirbel im Eiskanal

Neben Olympiasieger Alexander Tretjakow wurden auch dessen Teamkollegen Jelena Nikitina sowie Maria Orlowa und Olga Ptylyzina lebenslang gesperrt.

2014 in Sotschi holte Tretjakow Gold. Die Medaille wurde dem Skeleton-Piloten aberkannt.

© gepa2014 in Sotschi holte Tretjakow Gold. Die Medaille wurde dem Skeleton-Piloten aberkannt.



Von Günter Almberger

Whistler – Hinter vorgehaltener Hand wurde in der Skeleton-Szene schon lange gemunkelt, seit vorgestern ist es amtlich: Vier russische Athleten sind lebenslang für alle Olympia-Wettbewerbe gesperrt worden. Grund: Dopingverstöße bei den Spielen 2014. Zu den gesperrten zählen Olympiasieger Alexander Tretjakow, dem sein Titel nun aberkannt wird, und Jelena Nikitina (Bronze).

„Diese Meldung hat einen Riesenwirbel ausgelöst“, berichtet Matthias Guggenberger aus Whistler (CAN). Dort steht ab morgen das dritte Weltcup-Wochenende auf dem Programm. „Wir versuchen, uns davon nicht anstecken zu lassen“, betont der Innsbrucker.

Der Internationale Bob- und Skeletonverband (IBSF) hat sich zu der Causa noch nicht geäußert. Dementsprechend ist das russische Quartett im Weltcup noch startberechtigt. Fakt ist, dass die Gesperrten nicht positiv getestet wurden. Allerdings konnten die Ermittler mit einer neuen forensischen Methode hieb- und stichfest klären, dass die Dopingproben widerrechtlich geöffnet wurden.

Guggenberger ist zwiegespalten, für ihn gilt es, das WADA-System (internationale Doping-Agentur) zu hinterfragen: „Wir müssen jede Stunde genau dokumentieren, wo wir uns aufhalten. Es könnte ja jederzeit eine Kontrolle stattfinden. Die russische Agentur Rusada hat ganz andere Richtlinien.“

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Auch für seine Lebensgefährtin Janine Flock, die in der bereinigten Olympia-Wertung von Sotschi nun Sechste ist, spielt das IOC-Urteil keine große Rolle: „Ich kann an der Situation nichts ändern. Wir werden jetzt nicht mit dem Finger auf die Russen zeigen.“ Eines sei für Guggenberger klar: „Ehrlichkeit währt am längsten. Vielleicht befinden wir uns doch am richtigen Weg.“ Zu den finanziellen Problemen des heimischen Verbandes (ÖBSV), der die eigenen Athleten beim Heim-Weltcup nicht nennen will, geben sich beide zurückhaltend: „Die Diskussion kostet Kraft. Wir sind gespannt, was uns nach der Rückkehr zu Hause erwartet.“