Letztes Update am Mi, 06.12.2017 11:22

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Wintersport

Zwei Damen stehen neben der Piste ihren Mann

Der Trainerberuf im Österreichischen Ski-Verband ist eine Männerdomäne. Katherina Milazzi (29) und Corina Stocker (30) durchbrechen diese Phalanx. Heute betreuen sie Läuferinnen im Welt- bzw. Europacup.

© MilazziÜber Männer-Witze kann Katherina Milazzi nur lachen. Sie trainiert die besten Langlauf-Damen im ÖSV und weiß um ihre Stärken.



Von Susann Frank

Innsbruck – Dass Katherina Milazzi es in der Männerdomäne des Österreichischen Ski-Verbandes nicht einfach habe, gestand ein Mann. Und zwar Markus Gandler. Der Sportliche Leiter holte die Kärntnerin 2016 in seinen Langlauf-Trainerstab. Seit vergangenem Sommer betreut die erst 29-Jährige das Damenteam als Hauptverantwortliche. „Dass ich es nicht einfach habe, sehe ich nicht negativ. Ich will ja zeigen, was ich kann“, sagt Milazzi.

Für sie geht mit diesem Beruf der Traum in Erfüllung, ihr Wissen weiterzugeben und mehr Menschen zum Langlaufen zu bewegen. Ein Sport, den sie von Kindesbeinen wettkampfmäßig ausübte: bis zum Continentalcup (zweite Liga). „2011 habe ich meine Karriere, wenn man es denn so nennen mag, beendet.“

Damals studierte sie seit drei Jahren Italienisch in Innsbruck. Zum Geldverdienen unterrichtete sie in der Skischule des Ex-Langläufers Martin Tauber in Seefeld und nebenher legte sie die Trainerprüfungen ab.

Mit Studiumsende bat sie der Landesskiverband Kärnten, die Langlaufsparte zu übernehmen. „Und nur zwei Jahre später hat Markus Gandle­r mich gefragt, ob ich zum ÖSV komme.“ Eine Entscheidung, mit der nicht jeder in ihrem neuen Umfeld einverstanden sei. Aber mit Gandler und Langlauf-Koordinator Trond Nystad hätte sie zwei Unterstützer, die ihr junges Denken befürworten würden. Auch von Österreichs Aushängeschild Teres­a Stadl­ober (nur fünf Jahre jünger als Milazzi) erhält sie Rücken­deckung: „Wir haben viel miteinander gesprochen und sind auf einen grünen Zweig gekommen.“ Stadlober fährt im Sommer mit auf die von ihre geleiteten Trainingskurse, im Winter gehen beide getrennte Wege.

Da Stadlober die einzige Weltcupstarterin ist, betreut Milazzi die fünf Continentalcupstarterinnen. Dass sie unter einem erhöhten Druck aufgrund ihrer Ausnahmestellung stehe, verneinte Milazzi: „Aber ich selbst würde nicht mehr Trainerin sein wollen, wenn ich kein gutes Feedback hätte.“ Und die verbalen Rückmeldungen seien positiv. „Die Athletinnen suchen das Gespräch mit mir, auch wenn es um persönliche Geschichten geht“, betont sie. Dinge, die sie mit Männern nie besprechen würden: „Und das ist wichtig.“

Negative Erlebnisse bezüglich schlüpfriger Angebote, von denen zuletzt im Sport immer wieder zu lesen war, habe sie nie gemacht. Und mit scherzhaften Sprüchen könne sie umgehen. Ebenso wie mit der Tatsache, es nicht immer leicht zu haben.

Mitten im Jubel: Corina Stocker strahlte als Trainerin über die Erfolge bei der Junioren-Ski-WM heuer in Are.
- ÖSV

Von Sabine Hochschwarzer

Innsbruck – „Warum es so wenige Frauen unter den Skitrainern gibt, habe ich mich selbst schon gefragt“, sagt Corina Stocker. Die 30-Jährige ist die einzige Trainerin im alpinen ÖSV-Lager. „Klar, es ist nicht immer leicht“, denkt die Steirerin etwa an Kälte oder schweres Gepäck. „Aber es ist mein Traumjob.“

Am Anfang stand ein anderer Traum. Stocker fuhr selbst Skirennen in der FIS-Kategorie (unter Europacup). Nach einer Verletzung schaffte sie den Anschluss nicht mehr und hörte 2006 auf: „Wir hatten mit Anna Veith oder Eva-Maria Brem auch brutal starke Jahrgänge.“ Skihütte und Bauernhof daheim im Ennstal reizten weniger, das Diplom-Sportlehrerstudium in Wien mehr. Bei Skitests kam sie wieder in Kontakt mit alten Bekannten.

„Es war cool, wieder dabei zu sein. Ich habe gemerkt, wie sehr mir dieser Zirkus gefällt. Noch dazu habe ich Christoph wieder kennengelernt“, erzählt die staatlich geprüfte C-Trainerin. Seit einem Jahr ist Stocker mit dem ehemaligen Tiroler ÖSV-Rennläufer Christoph Nösig verheiratet. „Da habe ich ein brutales Glück“, schwärmt sie. Er könne nämlich verstehen, wenn sie dem Saisonstart oder einem Camp in Neuseeland entgegen­fiebere. „Das ist nicht alltäglich“, weiß die Technik-Trainerin. Zwei Wohnorte – einer im Ennstal, einer in Obsteig – würden den Alltag für beide praktisch machen. Heute ist sie rund 250 Tage im Jahr unterwegs, mit der Trainingsgruppe „Technik 2 Back to Rac­e“, vornehmlich im Europa­cup. Angefangen hatte ihre Karriere so wie bei vielen in Stams. Ein Angebot im Jahr 2010 vom Schigymnasium begeisterte sie sofort. Vor allem, weil sie als Ex-Skihandelsschülerin in Schladming Ähnliches durchlaufen hatte. In ihrer ersten Gruppe betreute sie damals Stephanie Brunner oder Rosina Schneeberger. Beide fahren heute im Weltcup, der sie auch reizen würde. „Das wäre eine tolle Sache“, so Stocker, die seit 2016 nur noch für den ÖSV arbeitet.

Dass im Alpinbereich abgesehen von Physiotherapeutinnen ausschließlich Männer als Betreuer arbeiten, sei für sie nie ein Problem gewesen: „Wir reden alle auf Augen­höhe. Klar gibt es mal Scherze, aber beleidigt bin ich noch nie worden.“

Vor- oder Nachteile als Frau habe sie auch nie erlebt. Selbst als Trainerin nicht: „Nur weil ich eine Frau bin, kommen die Mädchen nicht deswegen automatisch zu mir, um zu jammern.“ Sie habe aber stets ein offenes Ohr für alle, sagt sie und ergänzt schmunzelnd: „Und natürlich reden wir auch mal über Schuhe.“