Letztes Update am Mi, 06.12.2017 18:47

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Tirol

Biathlon-Weltcup in Hochfilzen: Landertinger übt sich in Geduld

Beim Biathlon-Weltcup am Wochenende in Hochfilzen ist Lokalmatador Dominik Landertinger nur Zuschauer. Der 29-Jährige übt sich in der für ihn wohl schwierigsten Disziplin: Geduld.

© TT/Rudy De MoorZuhause in St. Ulrich am Pillersee kann Dominik Landertinger die Ruhe vor dem Olympia-Sturm genießen. Nach einer Verletzung arbeitet der 29-Jährige am Comeback.



Von Florian Madl

Innsbruck – Eigentlich sollte Dominik Landertinger mit seinen Kollegen vom österreichischen Biathlon-Nationalteam in Hochfilzen sein, wo am Freitag das Weltcup-Wochenende eröffnet wird. Aber „Landi“ weilt in Obertilliach und reist nur als Zuschauer zu den Rennen ins Pillerseetal. Schneller schreiten Heilungsprozesse eben nicht voran, das weiß der Tiroler.

Seine Rückkehr in den Biathlon-Weltcup vergleicht Dominik Landertinger mit der Chronologie eines Hausbaus: „Da fängst du ja auch nicht mit dem Dachstuhl an.“ Also lässt sich der 29-Jährige Zeit, was für einen Unbremsbaren wie ihn durchaus ungewöhnlich ist. Vor seiner Bandscheibenoperation im September wusste der Hochfilzner nicht einmal, ob er Olympia 2018 nicht vergessen kann: „Da konnte ich mir an manchen Tagen nicht einmal mehr die Schuhe binden.“

Trainingseinheiten am Ergometer sind endlich wieder möglich, eine Bandscheibenoperation im September war zuvor unausweichlich.
- TT/Rudy De Moor

Diesmal begann „Landi“ seinen Neuaufbau langsam, wälzte sich auf der Couch zuhause in St. Ulrich, konsumierte seichte TV-Kost, um nach zwei Wochen mit dem Nordic Walking zu beginnen. Acht Wochen Trainingspause hatte es geheißen. Wirklich? Für einen, der in der vergangenen Saison mit einem unwiderstehlichen Antritt am letzten Anstieg die Weltelite hinter sich ließ und Bronze für die österreichische Staffel holte, unvorstellbar.

Die Entdeckung der Langsamkeit, hieß es in der Folge. Denn nur langsam tastete sich der Weltmeister von 2009 heran, sprach in Interviews nach besagter Operation vorsichtig vom Weltcup-Einstieg Anfang Jänner in Oberhof (GER) oder in Ruhpolding (GER) eine Woche später. Und jetzt?

„Hochfilzen geht sich nicht aus. Vor ein paar Jahren, als mir die Routine noch fehlte, wäre ich wohl gestartet.“ Der Dominik Landertinger von 2017 ist ein gereifter Athlet, der nach sportlichen Tief- und privaten Schicksalsschlägen eine neue Philosophie vertritt: Langsam, aber dann richtig, könnte diese wohl heißen.

Unweigerlich kommt sie auf, die Frage nach den Olympischen Winterspielen im Februar in Pyeongchang. Jener Ort, wo der Heeressportler 2009 im südkoreanischen Sulzschnee Gold im Massenstart holte. Will Landertinger dort eine Medaille holen? „Ich will mich jetzt nicht rauslehnen, ich nehme das locker!“ Eine neue Strategie. Und vielleicht eine, die den so fokussierten Loipenjäger ans Ziel bringt.

In Hochfilzen wird er am Samstag und Sonntag als Zuschauer dabei sein. Und während des Rennens wird er sich in Anlehnung an den Häuslbauer-Vergleich denken: Der Keller ist fertig, die Wände stehen, der Dachstuhl ist drauf. Wann könnte der Termin zum Einzug sein?

Hochfilzen in Zahlen

Biathlon-Weltcup in Hochfilzen, das Rennprogramm: Freitag: Sprint der Herren (11.30 Uhr), Sprint der Damen (14.15 Uhr). Samstag: Verfolgung der Herren (12.15 Uhr), Verfolgung der Damen (14.45 Uhr). Sonntag: Staffel der Herren (11.30 Uhr), Staffel der Damen (14.10 Uhr).

Daten und Fakten:

309 Sportler/34 Nationen; 380 Volunteers, 300 Medienvertreter.

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