Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 15.01.2018


Kunstbahnrodeln

Kampf um Olympia-Ticket mutiert zu einem Krimi

Das Rennen um die Startplätze im österreichischen Kunstbahnrodel-Team bei den Winterspielen in Pyeongchang könnte spannender nicht sein.

Sieht schlimmer aus, als es war: Reinhard Egger stürzt im Ziel nach seinem Jubel über Rang vier.

© dpaSieht schlimmer aus, als es war: Reinhard Egger stürzt im Ziel nach seinem Jubel über Rang vier.



Von Günter Almberger

Oberhof – Vier Athleten, zwei offene Olympia-Startplätze, ein Weltcup-Bewerb. Die Zutaten für einen guten Rodel-Krimi hätten besser nicht sein können. Und das gestrige Rennen in Oberhof (GER) hielt aus österreichischer Sicht, was es davor versprochen hat: Nervenkitzel pur!

Am coolsten blieb Reinhard Egger, der mit Platz vier die ÖRV-Norm erfüllte und sich das zweite Herren-Ticket nach Wolfgang Kindl (9.) schnappte. „Der Druck war enorm, die Erleichterung dafür umso größer. Ich leide aber tausendfach mit jenen, die es nicht schaffen“, erklärte Egger.

Für Nico Gleirscher (8.), Armin Frauscher (11.) und David Gleirscher (12.) heißt es weiter zittern, denn die Entscheidung um den dritten Olympia-Starter wurde von den ÖRV-Verantwortlichen auf das kommende Weltcup-Wochenende vertagt. „Wer der Schnellste in Lillehammer (NOR) ist, qualifiziert sich. Schafft es keiner in die Top sechs, kommt es zu einem Trainerentscheid“, gab Cheftrainer Rene Friedl bekannt.

Wie sehr es schmerzt, bei einem Großereignis zuschauen zu müssen, weiß Egger aus eigener Erfahrung. Bei der Heim-Weltmeisterschaft im vergangenen Jahr in Igls blieb dem 28-Jährigen nur die Rolle des Vorläufers. „Das hat brutal weh getan. Ich habe lange mit mir gerungen, ob ich meine Karriere beenden soll oder nicht. Aber ich habe mir gedacht, dass man ein Jahr vor Olympia nicht aufgibt. Die erfolgreiche Qualifikation ist jetzt Balsam für meine Seele“, gestand Egger. Bei den Spielen in Korea will er mehr als nur „dabei sein“. „In Sotschi belegte ich den achten Rang. Da gibt es also noch was zu toppen. Weiter will ich mich nicht aus dem Fenster lehnen, ich staple lieber tief“, betonte der Langkampfener.

Gestern Abend ging es für das ÖRV-Team mit dem Bus noch von Ostdeutschland nach München, wo heute das Flugzeug nach Lillehammer abhebt. Für den Wegproviant der Mannschaft musste Egger aufkommen. „Getränke und Jause lasse ich gerne springen. Das Olympia-Ticket löst man schließlich nicht jeden Tag“, zeigte sich der Unterländer spendierfreudig.

Bei den ÖRV-Damen fiel gestern die Entscheidung. Bei den Spielen dabei sind Hannah Prock, Birgit Platzer und Madeleine Egle. Nicht nominiert wurde nach einem verpatzten Rennen in Oberhof Miriam Kastlunger.