Letztes Update am Mi, 07.02.2018 11:16

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Olympia 2018

Venier sorgt für Premiere: Vom Rangger Köpfl nach Korea

Zum ersten Mal fährt mit Skirennläuferin Stephanie Venier eine Oberperferin zu den Olympischen Spielen. Ein „Public Viewing“ ist trotz Euphorie aber nicht geplant – nur aufgrund der Zeitverschiebung nicht.

© Thomas BöhmEine Gondel hat Stephanie Venier schon, ...



Von Sabine Hochschwarzer

Innsbruck – Olympia und Oberperfuss – mehr als ein gemeinsamer Anfangsbuchstabe: Mit Stephanie Venier fährt erstmals eine Sportlerin aus der Tiroler Gemeinde nahe Innsbruck zu den Spielen. Den bislang berühmtesten Oberperfer, den Kartographen Peter Anich, dürfte die 24-Jährige damit zwar nicht ablösen, Venier steht dennoch stellvertretend für einen alpinen Aufschwung unter den rund 3000 Einwohnern am Fuße des Rangger Köpfls.

„Es liegt nicht allein an der Bergluft hier oben bei uns“, beschreibt Skiklub-Obmann Manuel Hujara. Immer wieder scheinen auf rund 800 m Seehöhe aufgewachsene Oberperfer im Skiweltcup auf: Kathrin Triendl einst, Ex-Rennläuferin und Freundin von Weltmeister Beat Feuz, oder ÖSV-Trainer Benjamin Prantner und Servicemann Sebastian Triendl. Den Hauptgrund dafür glaubt Venier zu kennen: „Der Lift steht bei uns sozusagen vor der Haustüre – da liegt das sehr nahe.“ Die Abfahrtsvizeweltmeisterin wohnt selbst keine hundert Meter entfernt von der Peter-Anich-Bahn, die schon seit 50 Jahren auf den Hausberg führt und im Sommer noch erweitert wurde.

Bislang tragen zwar weder Lift, Straße noch Gemeindehäuser Veniers Namen, allerdings bereits eine Gondel. Bekannt ist die ÖSV-Dame etwa in der Bäckerei aber nicht nur deswegen. „Jeder kennt jeden. Da ist klar, dass man angesprochen wird und das ist auch schön“, erzählt Venier. Etwas Besonderes war es dennoch, als sie vor Kurzem als Patin der Aktion „Oberperfuss fährt Ski“ in der eigenen Volksschule Fragen beantwortete. „Der Andrang war so groß, dass ich noch einmal wegmusste, um weitere Autogrammkarten zu holen“, beschreibt Skiklub-Chef Hujara.

Würden die Olympischen Spiele nicht ausgerechnet in Asien stattfinden, steckte man also bereits in den Planungen für ein „Public Viewing“. Hujara: „Leider geht das aufgrund der Zeitverschiebung nicht. Um drei Uhr Früh, wenn Steffis Abfahrt stattfindet, ist es schwierig.“ Ein Thema im Dorf bleibe Olympia aber allemal. Nicht zuletzt aufgrund der Vereinskollegen von Venier: Rund 150 Mitglieder zählt der aktive Skiklub, rund fünf Prozent der Einwohner, rechnet Hujara, Schwiegersohn des Ex-FIS-Renndirektors Günter, vor.

... Nachfolgerinnen aus Oberperfuss auch längst: Schwester Bianca Venier (M.) und Bernadette Lorenz (r.) träumen beim Kaffee mit „Steffi“ vom Weltcup.
- Thomas Böhm

Hinter Venier wachsen längst die nächsten Oberperfer Rennläufer heran. Zwei von ihnen klopfen bereits im Weltcup an, scheinen in den ÖSV-Kaderlisten auf: Veniers Schwester Bianca in den Speedbewerben und Technikerin Bernadette Lorenz. Noch heißt ihr Alltag Europacup und FIS-Rennen. Nicht mehr lange, wenn es nach den Vorstellungen der beiden läuft. Das Einzige, was zuletzt zu bremsen vermochte, waren schwere Verletzungen: eine Luxationsfraktur am rechten Knöchel sowie eine Ellbogensubluxation mit Bänder- und Sehnenriss bei Lorenz, bei Venier hingegen ein Riss des vorderen Kreuzbandes sowie des Außenmeniskus.

Schicksale, die selten an Rennläufern vorübergehen. „Es ist eine Comeback-Saison. Da darf ich mir nicht zu viel erhoffen, auch wenn es schwerfällt“, relativiert die jüngere Venier mit Rang acht bei einer Europacup-Abfahrt als heuer bestem Ergebnis. Lorenz kämpft indes um die Qualifikation für zweite Durchgänge: „Man braucht schon Ausdauer, um dranzubleiben und in der Startliste vorzurücken.“ Zusätzliche Motivation brachte der Start bei der Junioren-WM trotz Ausfalls im Slalom: „Das kann immer passieren, aber es war ein cooles Erlebnis.“

Aufschwung gibt beiden auch der „Oberperfer“ Olympiastart. Um zu sehen, was möglich ist. Geht es nach Skiklubchef Hujara, ist viel drin, angefangen bei einem Teilnehmerrekord beim KidsRace by Rossignol (Montag), der im Vorjahr 180 Starter zählte. Und für den Besten im Sport gibt es ohnehin längst ein eigenes Dialektwort: In Oberperfuss hieße ein Olympiasieger „Hougmoar“.

In Garmisch-Partenkirchen präsentierte sich Venier zuletzt in Olympia-Form, verpasste nur knapp das Stockerl.
- REUTERS