Letztes Update am Di, 13.02.2018 13:07

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Olympia 2018

Marcel Hirscher hat sein Olympia-Gold: „Bin saustolz auf mich“

Österreichs Ski-Superstar Marcel Hirscher hat den letzten weißen Fleck auf seiner ohnehin schon so umfangreichen Erfolgsliste ausgelöscht. Im ersten Alpin-Bewerb in Pyeongchang holte sich der Salzburger am Dienstag mit dem Titel in der Kombination sein erstes Olympia-Gold.

© gepaSki-Superstar Marcel Hirscher hat seine erste olympische Goldmedaille.



Pyeongchang - Ski-Superstar Marcel Hirscher hat am Dienstag seine erste Olympia-Goldmedaille erhalten. Bei der Siegerehrung für seinen Erfolg Stunden davor in der alpinen Kombination der Winterspiele von Pyeongchang wurde ihm das begehrte Stück auf der Medal Plaza im Olympischen Park von Willi Kaltschmitt Lujan, Mitglied des IOC-Exekutivkomitees aus Guatemala, überreicht.

Ebenso bei der Feier offiziell dabei war ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel als Mitglied des FIS-Councils und beobachte damit aus nächster Nähe einen lächelnden, gelösten Hirscher. Mit einem noch kräftigeren Luftsprung als zwei Tage davor der Tiroler Rodel-Olympiasieger David Gleirscher sprang der 28-Jährige auf das Siegespodest, mit dazu passender Jubelpose. „Saucool, dass das jetzt funktioniert hat. Gleich bei der ersten Chance. Unbeschreiblich“, sagte Hirscher in seinem ersten Interview nach der Zeremonie.

Marcel Hirscher bei der Siegerehrung für die Kombination.
- APA

Bei den wenigen Zuschauern im Zielraum und beim Rennen sei man sich des Ganzen gar nicht so bewusst. „Man kann das gar nicht so realisieren, dass das Olympia ist“, erklärte der Annaberger. Bei der Siegerehrung entdeckte er unter den Zuschauern immerhin eine Flagge abseits der Kollegen aus dem ÖOC-Team. Und der jeweils sechsfache Weltmeister und Gesamtweltcupsieger wusste das auch zu schätzen: „Toll, wenn man soweit von zu Hause das auf sich nimmt und hierherkommt.“

Noch einmal betonte Hirscher, dass er besonders mit seiner Abfahrtsleistung zufrieden sei. „Da war auch viel von Überwinden und unbedingten Wollen dabei. Von dem her ist es eine ideale G‘schicht.“ Die Medaille hatte sich Hirscher noch auf dem Siegespodest kurz angesehen. „Sie ist gar nicht so leicht, ein halbes Kilo wird es schon haben. Der ideelle Wert ist natürlich unermesslich hoch.“

Hirscher meinte, er wäre gerne mit einer Lederhose zur Siegerehrung einmarschiert, habe aber keine dabei. „Das ist das einzige, das nicht aufgegangen ist.“ Sollte sie ihm aber noch nachgeschickt werden, würde er sie bei einer eventuellen weiteren Teilnahme an einer Siegerehrung in Pyeongchang anziehen.

Nachgefragt bei Olympiasieger Marcel Hirscher

Als Sie ins Ziel kamen, haben Sie die Arme gehoben und leicht gejubelt. Wie fühlt es sich an, Olympiasieger zu sein?

Hirscher: „Nicht anders. Und ich dachte, ich muss das machen, wenn nicht, schaut es auch blöd aus. Ich war eigentlich ziemlich heiß in dem Moment. Ich dachte, wollt ihr mich verarschen? Es war wegen des Windes richtig schwer zu fahren. Ich dachte mir, jetzt cool bleiben, cool bleiben, cool bleiben. Lass die Ski einfach tun, was sie immer tun, und zieh ja nicht zurück. Es war schon schwierig.“

Und wie erging es Ihnen bei der Warterei im Zielraum?

Hirscher: „Ich habe nicht geglaubt, dass es das schon war. Aber so bin ich halt. Ich glaube, so würde jeder in dieser Situation reagieren. Also nicht zu früh über etwas freuen, denn dann tut es doppelt weh, wenn es nicht hingehaut hätte.“

Haben Sie erwartet, dass es sich anders anfühlen wird, Olympiasieger zu sein?

Hirscher: „Nein.“

Aber es ist alles komplett jetzt.

Hirscher: „Ja. Das ist super. Die Frage nach dem fehlenden Gold ist jetzt weg, das ist das Positive daran. Die Karriere war für mich jetzt auch schon komplett. Meine Karriere war schon nach dem ersten Gesamtweltcupsieg perfekt. Das ist schon viel mehr, als ich mir jemals zugetraut hätte. Dass das heute hier funktioniert, ist natürlich eine Draufgabe. Es ist nicht in Worte zu fassen. Aber für mich hat das nicht so viel Wert, wie in Schladming vor 40.000, 50.000 Leuten zu gewinnen. Daheim, bei meinem Heimrennen, meiner Heim-WM. Wir sind hier irgendwo, es sind keine Leute und fahren halt ein Rennen. Klar, der ideelle Wert ist natürlich unbeschreiblich groß und viel größer ist er in der Außenwirkung auch noch. Aber heute bin ich einfach saustolz auf mich, was mein Skifahren betrifft. Vor allem die Abfahrt, nie hätte ich mir das gedacht.“

Sie haben gesagt, eigentlich könnten Sie jetzt zusammenpacken und heimfahren. Aber Ihre Spezialdisziplinen kommen ja noch ...

Hirscher: „Keine Sorge, ich fahre nicht heim. Aber das große Ziel, warum ich hierhergekommen bin, das habe ich definitiv für mich erreicht. Ich bin super, super happy, es kommt sehr überraschend. Klar möchte ich in den nächsten beiden Bewerben unbedingt vorne mitfahren, keine Frage, aber es ist einmal das Schlimmste verhindert. Das Schlimmste wäre gewesen, ich wäre heimgekommen, und eine perfekte Saison würde niedergemacht werden oder unter einem schlechten Stern stehen, weil halt das Gold fehlt.“

War das ein typisches Olympiarennen, wo man sagt, die Umstände waren komplett verrückt?

Hirscher: „Ja, es ist verrückt. Bei all meinen anderen Kombinationen habe ich, glaube ich, mehr Glück auf meiner Seite gebraucht als heute. Aber natürlich bin ich auch froh, dass wir die Abfahrt um zwanzig Sekunden beschnitten haben. Ich glaube zwar nicht, dass der Ausgang viel anders gewesen wäre, aber ich hätte mir sicher schwerer getan, an die Zeit ranzukommen. Der schwere Slalom ist sportlich auf einem sehr hohen Niveau gewesen. Schwer zu fahren, bist du wahnsinnig! Auch für die Slalomfahrer war es nicht leicht, die richtige Linie zu finden.“

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