Letztes Update am Mi, 14.02.2018 08:11

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Olympia 2018

Für Herzog steht der Kilometer ihres Lebens an

Die Tiroler Eisschnellläuferin Vanessa Herzog (22) peilt heute (11 Uhr) eine Olympia-Medaille über 1000 m an.

© gepaMit der Olympia-Bahn in Gangneung hat sich Vanessa Herzog bereits angefreundet, ...



Von Florian Madl

Pyeongchang – Sie heißen Nao Kodaira (JPN) oder Lee Sang-hwa (KOR) und genießen in ihren Ländern Kultstatus wie hierzulande Marcel Hirscher. Nur sind sie Eisschnellläuferinnen, was in Österreich unmittelbar vor der Ära Vaness­a Herzog bisweilen exotisch anmutete.

... auch das Leben im Olympischen Dorf behagt ihr.
- Herzog

Doch sich sportlich auf Augenhöhe mit den beiden asiatischen Leichtgewichten zu befinden (61 bzw. 62 kg), bedeutet der athletisch veranlagten Tirolerin (69,5 kg) einiges: Mit 37,48 Sekunden pulverisierte die 22-Jährige kürzlich im letzten Olympia-Test ihre 500-m-Bestzeit auf Meeresniveau, sogar schneller als bei ihrem EM-Titel war sie. Vergessen die Grippe zwei Wochen vor den Olympischen Spielen; und bis auf eine Narbe auch vergessen der schwere Mountainbike-Unfall, als ein Lkw-Anhänger über ihren Oberschenkel rollte.

Und heute (11 Uhr MEZ) wartet in der mit 8500 Zuschauern ausverkauften Gangneung Ice Arena ausgerechnet jenes Rennen, das die Synthese aus Sprint und Ausdauer darstellt, das einer groß gewachsenen Athletin wie ihr auf den Leib geschneidert scheint: der bislang wichtigste Kilometer im Leben der Vanessa Herzog. „Ich kann es kaum erwarten und träume jede Nacht von meinem perfekten 1000er“, ließ die Wahl-Kärntnerin gestern wissen. Ihr Trainer-Gatte Thomas wusste, welch nachhaltige Wirkung die Leistungen seiner Holden im Vorfeld der olympischen Wettkämpfe hinterlassen haben müssen: „Die Trainings waren mehr als beeindruckend – auch für die Konkurrenz. Wenn die Starts passen, ist viel möglich.“ Konkret: „Zwischen Platz eins und sechs ist eigentlich alles möglich.“ Mit Weltrekordlerin Kodaira bildet sie heute im vorletzten Lauf ein Paar.

24 Jahre nach Emese Hunyad­y könnte Herzog damit als legitime Nachfolgerin auftreten, die gebürtige Ungarin bejubelte bei den Winterspielen 1994 in Lillehammer (NOR) Gold (1500 m) und Silber (3000 m). Ein wenig schließt Vanessa Herzog auch an die Tiroler Eisschnelllauf-Tradition an, unweigerlich fällt der Name Michael Had­schieff. Der Innsbrucker stürmte 1988 in Calgary zu Olympia-Silber (10.000 m) und -Bronze (1500 m).

Von der Verletzung im April 2017 zeugt noch eine Narbe.
- Herzog