Letztes Update am Do, 15.02.2018 01:23

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Olympia 2018

Mit 37 Jahren feiert Reichelt in der Abfahrt seine Olympia-Premiere

Alpiner Super-Donnerstag in Pyeongchang: Die Herren-Abfahrt (3.30 Uhr) krönt als Höhepunkt den Damen-Riesentorlauf (2.00/5.45 Uhr).

© REUTERSMit 37 Jahren bestreitet Österreichs Speed-Ass Hannes Reichelt seine erste Olympia-Abfahrt.



Jeongseon, Yongpyong – Lange hat Österreichs Speed-Ass Hannes Reichelt warten müssen – im übertragenen wie im echten Wortsinn. Der spätberufene Abfahrer war erstmals 2010 in Vancouver im Speed-Bereich aufgestellt, wo er aber nur den Super-G (Rang zehn) bestritten hat, nicht aber die Abfahrt. 2014 verhinderte ein Bandscheibenvorfall samt Operation das Antreten in Sotschi. Und jetzt, vier Jahre später, steht Reichelt Donnerstag (3 Uhr, live TT.com und ORF eins) tatsächlich vor seiner olympischen Abfahrtspremiere – und muss doch erst wieder warten.

Bereits am letzten Sonntag hätte die Abfahrt in Jeongseon steigen sollen, doch starker Wind verhinderte dies und führte gleich zu einer langfristigen Verschiebung: Erst am Donnerstag (11 Uhr Ortszeit) – und damit vier Tage nach dem ursprünglichen Termin – steigt die Abfahrt. So erlebt Hannes Reichelt auch mit 37 Jahren noch eine Premiere auf Ski.

„Ansonsten wären wir arg im Nachteil“

Für den Super-G-Weltmeister ist das Warten kein Problem, eher die Situation rund um die Strecke. „Die hat sich durch einen scharfen Wind der letzten Tage grundsätzlich verändert. Es ist glatter geworden“, meinte Reichelt, das würde sich auch auf das Tempo und die Sprünge auswirken. Daher hat Reichelt bei FIS-Renndirektor Markus Waldner auf ein zusätzliches Training gedrängt, „ansonsten wären wir arg im Nachteil zu den Fahrern, die die Kombi-­Abfahrt bestritten haben“. Hinter den Kombinierern quasi noch als Training nachzufahren, sei offenbar aus Zeitgründen vor dem Slalom jedoch keine Option mehr gewesen.

Die Abfahrt ist für Reichelt die erste von zwei großen Chancen, die zweite steigt am Freitag im Super-G (3 Uhr MEZ, TT.com und ORF eins). Für Insider hat Reichelt im Super-G deutlich bessere Chancen als in der Abfahrt, er selbst würde das nicht so sehen. „Im Super-G waren die Ergebnisse besser, das Gefühl ist aber auch in der Abfahrt da.“ Zumal es in der Abfahrt noch mehr auf die Detailabstimmung ankomme. Die hat der Radstädter im Griff. „Das Set-up steht und passt. Jetzt kommt es noch darauf an, dass die äußeren Bedingungen stimmen.“ Damit meint er den Wind, der hier zum großen Thema wird.

Matthias Mayer verletzte sich bei seinem Sturz im Kombi-Slalom an der Hüfte.
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Der Abfahrtsteil der Kombination sah übrigens Thomas Dreßen voran, 13 Hundertstelsekunden dahinter Matthias Mayer. „Ich wäre lieber ganz vorne gelegen, aber es war ein guter Test“, sagte der Kärntner, der mit einem spektakulär hohen Sprung aufgefallen ist. „Das war an sich kein Problem, das passiert, wenn man an der Kante vor dem Sprung zu viel Druck gibt.“ Mit im Team sind noch Vincent Kriechmayr und Max Franz. Dreßen meinte: „Ich nehme viel Selbstvertrauen mit und freue mich schon.“

Mayer erlitt Bluterguss an der Hüfte

Mayer kam Dienstag im Kombi-­Slalom schmerzhaft zu Sturz, der Kärntner Abfahrts-Olympiasieger räumte dabei eine Person am Pistenrand ab. Er erlitt einen Bluterguss an der Hüfte, der von Physiotherapeut Mario Schlattinger behandelt wurde.

Kriechmayr hat so wie Reichelt keine Lust, eine verkürzte und entschärfte Abfahrt in Angriff zu nehmen. „Die Kurssetzung kann man nicht hernehmen, wir sind ja heute ein ganz anderes Rennen gefahren. Das hat mit einer Abfahrt nicht mehr viel zu tun gehabt. Ein Sprung gehört schon hinein“, sagte der Oberösterreicher. „Ich weiß, wer die Favoriten sind. Die werde ich im Video analysieren und versuchen zu kopieren. Beat Feuz und Aksel Lund Svindal.“ Er schaue sich viel an und studiere Athleten. „Jeder hat ein anderes Rezept.“ (SN, APA)

Brunner nimmt das Podest ins Visier

Am Donnerstag erfolgt als „Klammer“ zur Herrenabfahrt der zweite Versuch, den wegen Wind abgesagten Riesentorlauf der Damen bei Olympia über die Bühne zu bekommen. Neun Riesentorlauf-Medaillen hat es für sie bei Olympia schon gegeben, Gold war noch nie dabei. So viel Edelmetall in einer Disziplin ohne Gold, das findet im Skisport keinen Vergleich. Im ÖSV-Lager sind die Aussichten auf Riesentorlauf-Gold nicht hoch. Stephanie Brunner wäre eine potenzielle Kandidatin für das Podium, ist bisher aber über jeweils drei 4. und 5. Plätze nicht hinausgekommen. „Man muss sich nur oft genug einreden, dass man das selbst auch kann, dann kann das funktionieren“, glaubt Brunner. Neben der Zillertalerin für den ÖSV am Start: Bernadette Schild, Anna Veith und Ricarda Haaser.