Letztes Update am Do, 08.03.2018 15:12

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Skispringen

Wenn Geld die Leidenschaft zum Skispringen nicht zerstört

Norwegens Skisprung-Cheftrainer Alexander Stöckl begrüßt das hohe Preisgeld bei der Raw Air. Der Tiroler mahnt aber vor zu hoher Absicherung.

© gepaNorwegens Skisprung-Trainer Alexander Stöckl arbeitet mit teils berufstätigen Sportlern zusammen.



Von Susann Frank

Innsbruck — Die Schere zwischen Aufmerksamkeit und Preisgeld ist beim Skispringen groß: Während der Sieger beim TV-Einschaltquoten-Hit Vierschanzentournee gerade einmal einen Scheck über 20.000 Euro erhält, reist der Gewinner der am Freitag beginnenden Raw Air in Norwegen mit 60.000 Euro heim. Bei der Premiere der zehntägigen Serie 2017 freute sich der ÖSV-Adler Stefan Kraft über das höchste im Skisprung-Weltcup ausbezahlte Preisgeld. Und im Gegensatz zur Tournee bekommen auch der Zweit- und Drittplatzierte einen Scheck. 30.000 Euro erhielt Kamil Stoch (2./2017). Beim Auftakt am Freitag in Osl­o (Qualifikation/19.30 Uhr) gilt der Weltcup-Führende aus Polen als Favorit.

Dass gerade Norwegen ein­e finanziell so hochdotierte Serie geschaffen hat, freut vor allem Österreichs Exportschlager im Land der Wikinger Alex Stöckl. Der Cheftrainer fordert schon länger höhere Preisgelder. „International schauen über den Winter verteilt die meisten Leute Skispringen. Diese Zahlen gibt der Internationale Ski-Verband FIS raus. Deswegen ist es schwer, den Athleten zu vermitteln, dass es andere Sportarten mit mehr Preisgeldern oder größeren Sponsorenverträgen gibt", erklärte der St. Johanner.

61.500 Euro für 30 Skispringer

71.800 Schweizer Franken (ca. 61.500 Euro) werden bei einem Weltcupbewerb auf 30 Skispringer verteilt. Zum Vergleich: Beim Hahnenkammrennen sind Abfahrt und Slalom mit je 200.000 Euro dotiert. „Im Vergleich zu anderen Sportarten — wie den Alpinen — sind wir schon noch amateurhaft", monierte der 44-Jährige. Bei FIS-Renndirektor Walter Hofer stößt Stöckl dabei auf offene Ohren. Der Kärntner hatte vor drei Jahren beim FIS-Vorstand um eine Erhöhung angesucht, diese wurde aber abgelehnt. Hofer gab jedoch zu bedenken: „Es gibt neun Abfahrten pro Saison und wir haben 35 Wettkämpfe."

Warum ausgerechnet Olympia-Teambewerb-Goldschmied Stöckl bei einem längeren Gespräch das Thema aufs Tableau brachte? Weil von seinen Erfolgs-Adlern Tande, Forfang, Stjernen und Johansson alle schon einmal neben dem Training arbeiten gegangen sind. Bei Norwegens Adlern gibt es keine Kopfsponsorverträge als Einkommensquelle, keine Absicherung wie als Heeressportler in Österreich. „Wenn ein Athlet in Norwegen kein Preisgeld ,einspringt', verdient er eigentlich null. Er bekommt sein Stipendium vom Verband, aber das ist auch für einen Topspringer zwischen 8000 und 10.000 Euro im Jahr", beschrieb Stöckl die Lage. Damit kann sich in dem Land mit den sehr hohen Lebenshaltungskosten keiner erfolgreich in der Luft halten.

Stöckl zählte einen weiteren Unterschied zu seiner Heimat auf: „Außerhalb des Nationalteams müssen die Athleten einen Selbstkostenbeitrag von bis zu 6000 Euro zahlen." Allerdings resultiert für Stöckl daraus auch ein Vorteil: „Als Skispringer in Norwegen musst du auf eigenen Füßen stehen, denn es ist keiner da, der sich darum kümmert. Sie haben eine gewisse Bescheidenheit, einen anderen Zugang, weil das Geld die Leidenschaft nicht zerstört", betonte er. Bei zu großem Verdienst rücke das Monetäre in den Vordergrund und „die eigentliche Leidenschaft für den Sport wird vergessen, weil große Sponsorverträge oder irgendein Getränkehersteller wichtiger sind".

Raw Air Serie - Zahlen, Daten, Fakten

Programm:
Oslo (Großschanze):
Freitag, 9. März, 19.30 Uhr - Qualifikation
Samstag, 10. März, 17.00 - Teambewerb
Sonntag, 11. März, 14.30 - Einzelbewerb
Lillehammer (Großschanze):
Montag, 12. März, 17.30 - Qualifikation Einzelbewerb
Dienstag, 13. März, 17.00 - Einzelbewerb
Trondheim (Großschanze):
Mittwoch, 14. März, 17.30 - Qualifikation
Donnerstag, 15. März, 17.00 - Einzelbewerb
Vikersund (Flugschanze):
Freitag, 16. März, 17.30 - Qualifikation
Samstag, 17. März, 16.15 - Teambewerb
Sonntag, 18. März, 16.30 - Einzelbewerb

ÖSV-Aufgebot: Clemens Aigner, Philipp Aschenwald, Michael Hayböck, Daniel Huber, Stefan Kraft, Gregor Schlierenzauer

Preisgeld Gesamtwertung 2018: 1. 60.000 Euro - 2. 30.000 - 3. 10.000

Endstand Gesamtwertung 2017: 1. Stefan Kraft (AUT) 2.298,1 Punkte - 2. Kamil Stoch (POL) 2.272,6 - 3. Andreas Wellinger (GER) 2.251,3.
Weiter: 12. Michael Hayböck (AUT) 1.985,2 - 17. Manuel Fettner 1.801,8 - 28. Gregor Schlierenzauer (alle AUT) 1175,7