Letztes Update am Do, 02.08.2018 08:15

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


TT-Interview

Penz/Fischler in Rodel-Pension: „Wir hatten den gleichen Traum“

Nach 15 Jahren im Eiskanal beenden der Telfer Peter Penz (34) und der Absamer Georg Fischler (33) ihre Kunstbahnrodel-Doppelsitzerkarriere. Die TT bat das Erfolgsduo zum Abschiedsinterview.

© Rudy De MoorGeorg Fischler (l.) und Peter Penz hängen ihre Rodel an den Nagel.



Fast ein halbes Jahr nach dem Gewinn von Silber und Bronze (Teamstaffel) bei Olympia in Pyeongchang beenden Sie Ihre sportliche Laufbahn. Warum hat die Entscheidungsfindung so lange gedauert?

Peter Penz: Es war keine einfache Entscheidung, einfach „Pfiat di!“ zu sagen. Wir sind jetzt fast 25 Jahre lang gerodelt. Besonders im Sport den richtigen Zeitpunkt zu finden, ist einfach schwierig.

Georg Fischler: Für mich war es nach Olympia schon klar, davor war die Überlegung schwer. Der Erfolg hat die Sache erleichtert.

Die Rodel-Pension beginnt, wie sieht die berufliche Zukunft aus?

Penz: Nach der Saison gab es Gespräche mit dem Rodel-Verband (ÖRV). Es war dann ziemlich rasch klar, dass der Verband auf meine Fähigkeiten setzt. Ich bin im Athletiktraining involviert, will auch an der Bahn und im Materialsektor mein Wissen weitergeben. Ich bin aber kein Wunderwuzzi als Trainer, muss selbst noch vieles lernen.

Fischler: Ich strebe eine Ausbildung bei der Polizei an. Noch steht aber die Aufnahmeprüfung an. Dem Rodelsport will ich auch als Trainer erhalten bleiben.

Kann man nach 15 Jahren Partnerschaft einfach so getrennte Wege gehen?

Fischler: Nein, wir werden auch keine getrennte Wege gehen, auch wenn wir sportlich im „Guten“ auseinandergehen.

Penz: Es ist eine Männerfreundschaft entstanden, es ist ja auch keine Scheidung. Wir haben beide den gleichen Traum gehabt – das Herzblut für den Rodelsport. Wir haben auch ein sehr gutes persönliches Verhältnis, das weiter bestehen bleibt. Er kennt mich wahrscheinlich gleich gut wie meine Frau.

Der Valentinstag 2018 wird Ihnen ewig in Erinnerung bleiben ...

Penz: Meiner Frau nicht, weil sie keine Blumen bekommen hat. (lacht)

Fischler: Das habe ich mir auch sagen lassen müssen. (lacht)

Penz: Das war der Tag unserer Fahrt zu Olympia-Silber. Da ist für uns ein sportlicher Lebenstraum in Erfüllung gegangen. Wir haben immer hart gekämpft. Es hat viele Auf und Ab gegeben. In einer Sportart wie Rodeln ist eine Olympiamedaille das Größte, ein erhebendes Gefühl.

Fischler: Im Nachhinein ist mir das noch einmal bewusster geworden. Wir können ohne Wehmut aufhören.

Vier Jahre zuvor bei den Olympischen Spielen in Sotschi waren Sie auf dem Weg zu einer Medaille, als ein schwerer Fahrfehler den Traum von Edelmetall platzen ließ. Kann man dieses Trauma jemals verarbeiten?

Penz: Ich möchte nicht darüber nachdenken, wenn es in Pyeongchang anders ausgegangen wäre. Wir haben daraus die richtigen Lehren gezogen. Aber das ist das, was Sport ausmacht.

Im Ziel angelangt: Penz/Fischler verabschieden sich in die Sportpension.
- Rudy De Moor

Fischler: Richtig verarbeitet hat man es erst, wenn man sich vier Jahre später die Medaille abholt. Jetzt können wir sagen, dass wir alles richtig gemacht haben, den besten Weg eingeschlagen haben. Im Olympiazentrum und vom Bundesheer haben wir perfekte Unterstützung erhalten.

Gab’s nach Sotschi gegenseitige Vorwürfe?

Fischler: Das haben wir nie getan!

Penz: Die ersten zehn Minuten danach hat jeder an sich selbst gezweifelt. In diesem Augenblick hat jeder Zeit für sich gebraucht, um das zu bewältigen. In der Umkleide war Georg sehr ruhig, ich habe geplärrt wie ein Kind, dem man den Lutscher weggenommen hat. Danach war uns unterbewusst klar, dass wir noch einmal vier Jahre für eine Olympiamedaille fahren. Der leichteste Weg ist nicht immer der beste. Wir haben Einschnitte gebraucht, um aus unseren Fehlern zu lernen.

Was hat Sie am anderen am meisten genervt, was haben Sie dagegen am meisten geschätzt?

Penz: Wenn man dem Georg eine Frage gestellt hat, habe ich nicht immer gleich eine Antwort bekommen. Auf manche Antworten warte ich heute noch (lacht). Geschätzt habe ich, dass er mir die Zeit gegeben hat, mir die Zeit zu nehmen. Ich wollte oft alles zerreißen, er hat mich beruhigt. Wenn was von ihm kam, hatte es aber Hand und Fuß.

Fischler: Ich habe mich mit dem anderen Extrem schwergetan. Immerzu schnell, schnell. Wobei das sehr oft die richtige Entscheidung war. Mit seinem Riesen-Ehrgeiz, speziell beim Material, hatte ich größte Achtung vor ihm.

Wenn Sie die Zeit zurückdrehen könnten, was würden Sie heute anders machen?

Penz: Mehr Medaillen gewinnen. Ab und zu auf sich selbst fokussieren, mehr auf sich selbst vertrauen, dann wären wir vielleicht noch erfolgreicher gewesen. Erfolg ist gut und wichtig – sowohl finanziell als auch sportlich. Menschlich will ich auch die Rückschläge nicht missen.

Wie war es zu Beginn Ihrer Karriere, wie haben Sie zueinandergefunden?

Fischler: In der Saison 2002 hat sich vor der Junioren-Heim-WM mein damaliger Partner verletzt. Dann haben wir es zusammen probiert.

Penz: 2004 hat unser damaliger Coach Robert Manzenreiter Weitsicht bewiesen und gemeint, dass wir jetzt fix ein Doppel bilden. Ich glaube nicht, dass uns unsere Trainer diesen Erfolg zugetraut hätten.

Sportlich und in der öffentlichen Wahrnehmung sind Sie lange im Schatten der Linger-Brüder gestanden. War das für euch ein Fluch oder Segen?

Fischler: Ohne sie wären wir nicht so weit gekommen. Wir konnten uns mit ihnen messen.

Penz: Es war aber auch fein, als sie mal weg waren. Dann waren wir die Nummer eins, haben uns so gefühlt. Es war ein fließender Übergang.

Was wollen Sie dem jeweils anderen mit auf dem Weg geben?

Fischler: Früher hätte ich ihm gesagt, was er alles ändern muss. Jetzt weiß ich: Er soll so bleiben, wie er ist. Das passt zu seinem Typ.

Penz: Ich muss ihm keine Tipps geben. Was mir wichtiger ist, dass die Freundschaft bestehen bleibt – in guten wie auch in schlechten Zeiten.

Das Gespräch führte Günter Almberger