Letztes Update am So, 21.10.2018 13:09

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


TT-Interview

Feller: „Es geht um die Minute, in der du auszucken kannst“

Neuer Servicemann, neue Unterarm-Tätowierung, alte Herangehensweise: Manuel Feller möchte sein Maximum abrufen – und dabei Dampf ablassen.

Manuel Feller hat bereits beim Weltcup-Auftakt nächsten Sonntag in Sölden viel vor.

© APAManuel Feller hat bereits beim Weltcup-Auftakt nächsten Sonntag in Sölden viel vor.



Teamkollege und Dauerrivale Marcel Hirscher hat zum wiederholten Mal angemerkt, dass er nicht Skifahrer geworden ist, um Zweiter zu werden ...

Manuel Feller (schmunzelt): Merkt man.

Gilt für Sie Selbiges?

Feller: Sagen wir so: Ich stehe am Start, um zu gewinnen. Aber wir wissen, dass mir das im Weltcup noch nie gelungen ist. Es kann nicht jeder ein Marcel Hirscher, nicht jeder ein Hermann Maier sein, jeder hat eine andere Vergangenheit, hat einen anderen Weg bestritten, andere Höhen und Tiefen erlebt. Jeder muss für sich selbst das Maximum rausholen. Und das kann auch einmal ein fünfter Platz sein.

So gesehen haben Sie noch Luft nach oben?

Feller: Ich bin hungrig, ich möchte diesen Winter wieder einen Schritt vorwärts machen. Wohin mich das bringt, liegt nicht allein an mir.

In welchem Bereich haben Sie die größten Fortschritte gemacht?

Feller: Ganz klar auf dem Materialsektor. Das liegt zum einen daran, dass wir in Neuseeland tolle Bedingungen hatten und zum anderen an meinem neuen Servicemann Richi (Richard Weißenbacher, Anm.), der nur noch für mich zuständig ist. Einen eigenen Servicemann zu haben, ist ein Quantensprung. Wir haben in Neuseeland so viel weitergebracht wie über den gesamten vergangenen Winter.

Körperlich gab es auch keine nennenswerte Probleme, oder?

Feller: Mir geht’s gut wie noch nie. Das habe ich allerdings vergangenen Herbst auch schon gesagt. Jetzt gilt es mit dem Aufgebauten, Erarbeiteten bestmöglich über den Winter zu kommen.

Auf Ihrem Instagram-Account schreiben Sie unter der Rubrik alles, was Sie über mich wissen müssen, folgenden Mehrzeiler: „I don’t ski for money, I don’t ski for fame, I ski for the one minute when I can get insane.“ Heißt frei übersetzt: Sie fahren nicht Ski des Geldes und des Ruhms wegen, sondern für diese eine Minute des Wahnsinns ...

Feller: In dieser Minute, in diesem Durchgang bist du nur für dich, niemand kann dir was vorschreiben. Du trägt ganz allein die Verantwortung, kannst Dampf ablassen und – grob ausgedrückt – auszucken. Und wenn’s dir am Ende aufgeht, ist das ein Gefühl, das schöner nicht sein könnte. Dafür nimmst du all die Mühen in Kauf. Denn mir braucht keiner erklären, dass er gerne im Dunkel der Nacht auf den Gletscher grattelt, um zu trainieren ...

Wenn man schmerzfrei ist, fällt einem das Training aber leichter?

Feller: Gerade der Kraft- und Konditionsaufbau ist immer gleich grauslig, es bleibt eine Plagerei. Bei mir kommen halt noch viele Standardübungen dazu, um die Bandscheibe bestmöglich zu stabilisieren.

Wofür haben Sie in diesem Jahrhundertsommer dennoch Zeit gefunden?

Feller: Ich war wie die vergangenen Jahre Urlaub auf Jamaika, habe ein paar Musikfestivals mitgenommen und war dreimal Fischen. Das klingt jetzt nicht nach so viel, aber einmal Fischen sind für mich immer zwei Tage. Die muss ich mir erst einmal herauskitzeln.

Wie haben Sie die Kletter- und Rad-Weltmeisterschaft in Ihrer Heimat mitverfolgt?

Feller: Leider nur am Rande – mir hat schlichtweg die Zeit gefehlt. Dass Laura Stigger nach ihrem Mountainbike-Titel auch Gold auf der Straße gewonnen hat, das habe ich im TV gesehen. Von der Kletter-WM hab’ ich nicht viel mitbekommen, dabei ist mir das Klettern um einiges näher als das Radfahren.

Inwiefern?

Feller: Ich empfinde es spannender, abwechslungsreicher – und bis 15 bin ich auch regelmäßig mit Freunden geklettert. In der Halle und am Fels. Irgendwann bin ich dann aber zu schwer geworden für diese G’schicht. Obwohl: In diesem Sommer bin ich in Salzburg zu Trainingszwecken ein bisserl gebouldert.

Ihre Unterarme können sich auch so sehen lassen, einer ist seit Kurzem großflächig tätowiert?

Feller: Das hatte ich schon länger geplant.

Was haben Sie sich alles in die Haut stechen lassen?

Feller: Das bleibt vorerst Privatsache.

Das Gespräch führte Max Ischia