Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 24.10.2018


Nordische Ski-WM 2019

Lob für Nordische WM in Seefeld, Zweifel an der Olympia-Entwicklung

Bevor Gian Franco Kasper in Seefeld die WM-Anlagen inspizierte, schlug der FIS-Präsident kritische Töne zur olympischen Entwicklung an.

Routinier Willi Denifl trainiert dieser Tage wie der Rest der ÖSV-Kombinierer in Seefeld.

© gepaRoutinier Willi Denifl trainiert dieser Tage wie der Rest der ÖSV-Kombinierer in Seefeld.



Von Susann Frank

Seefeld – Am Ende folgte das Lob: „Es wird eine hervorragende Weltmeisterschaft werden. Seefeld ist ein etablierter Ort für nordischen Sport, ich sehe keinerlei Probleme für diese WM“, sagte Gian Franco Kasper nach seinem Vortrag beim Forum Nordicum im Kongresszentrum des Olympiaortes. Und das war noch vor der großen Inspektion der WM-Anlage durch den Präsidenten des Internationalen Ski-Verbandes FIS.

Bevor der 74-Jährige, die verantwortliche FIS-Delegation und die heimische OK-Chefriege zum Lokalaugenschein schritten, stimmte das Ehrenmitglied des Internationalen Olympischen Komitees kritische und nachdenkliche Töne an. Einmal sprach er die schwierige Situation bezüglich der Ausrichtung Olympischer Winterspiele an: Im Juni 2019 fällt das IOC die Entscheidung über den Austragungsort 2026 – sofern es überhaupt noch notwendig ist. Nach den vielen Absagen – wie die von Innsbruck/Tirol – stehen Calgary, Stockholm und Mailand auf dem Zettel. In der kanadischen Metropole wird jedoch die Bevölkerung erst im November darüber abstimmen. In Schwedens Hauptstadt gibt es laut Kasper politische Probleme bezüglich der Durchführung. Bleibt also noch Italiens Fashion-Metropole.

Olympia scheint trotz Agenda 2020 und der Auflage, den Gürtel finanziell engerzuschnallen, weiter aus der Mode zu kommen: „Die Menschen misstrauen dem IOC“, sagt Kasper, der selbst lange Mitglied war, und fügt an: „Bei den Menschen sitzt der Schock über die Kosten von 51 Milliarden Dollar von Sotschi tief.“ Auch dem Nachwuchs-Olympia stellt Kasper kein gutes Zeugnis aus. Er selbst hatte die Jugendspiele in Buenos Aires besucht und festgestellt, dass sie außerhalb der Landesgrenzen kaum wahrgenommen worden seien. „Wir werden schauen, wie das weitergeht.“ 2020 ist Lausanne (SUI/Winter) Ausrichter, 2022 der Senegal als Premiere für Afrika. Vor allem hegt der Schweizer Zweifel über die Weiterführung der Jugend-Winterspiele: „Weil der Kalender schon so überlastet ist.“

Diese Saison steht unter anderem eben die WM in Seefeld an. Dass der nordische Event in Mitteleuropa über die Bühne geht, freut ihn. Von den 270.000 Eintrittskarten waren bis 19. Oktober 103.616 verkauft, wie OK-Chef Christian Scherer gestern mitteilte. FIS-Präsident Kasper glaubt an volle Stadien.

Kasper, der begeisterte Wintersportler aus St. Moritz, wird sich weiterhin für seine Leidenschaft einsetzen. Auch im IOC, wo er laut eigener Aussage der Einzige ist, „der Wintersport stark vertreten kann“. Dass er durch die Überschreitung des Alterslimits bei Entscheidungen im IOC nicht mehr abstimmen könne, störe diesbezüglich nicht. Jetzt könne er kritischer agieren: „Es wird leichter für mich, weil ich nicht mehr mitgehangen und mitgefangen bin.“ So ist auch sein Scherz bezüglich der Ernennung zum IOC-Ehrenmitglied mit der Verleihung eines Ordens verständlich: „Bei uns in der Schweiz haben die Kühe auch riesige Glocken um den Hals.“