Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 26.10.2018


EBEL

„Der weiße Hai“ könnte nicht spannender sein

HCI-Coach Rob Pallin kann beim Gastspiel in Graz heute gerne auf ein Wechselbad der Gefühle verzichten. Die Zeit des Punkte-Verschenkens soll endgültig vorbei sein.

HCI-Stürmer Mario Lamoureux konnte noch nicht an seine tollen Momente beim ersten Haie-Gastspiel anschließen.

© gepaHCI-Stürmer Mario Lamoureux konnte noch nicht an seine tollen Momente beim ersten Haie-Gastspiel anschließen.



Innsbruck – Bislang hielt man den Spielberg-Klassiker „Der weiße Hai“ für einen an Spannung nicht zu überbietenden Streifen. Dann nehmen Sie sich in Acht, was die Innsbrucker Haie heute (17.30 Uhr) bei den Graz 99ers in 60 Minuten Nettospielzeit servieren! Geht es nach den vergangenen Matches gegen Villach (5:4) und Znojmo (4:3 n. V.), als jeweils Führungen leichtsinnig verjuxt wurden, scheint gegen den Überraschungszweiten der Erste Bank Eishockey Liga auch heute wieder Drama garantiert.

Coach Rob Pallin könnte auf Adrenalinschübe dieser Art verzichten: „Wir verschenken zu viele Punkte. Wenn wir das nicht täten, wären wir auf dem zweiten oder dritten Platz zu finden“, ärgert sich der 51-Jährige über das ständige Wechselbad der Gefühle. Es sei schrecklich. Man spiele, verliere die Konzentration: „Du kannst nicht nur 55 Minuten kämpfen, das reicht nicht.“ Eine Akribie, die der heutige Gegner Graz aufbringt. Mario Lamoureux kennt die Steirer aus dem Vorjahr, hat die Mannschaft trotz seiner sieben Tore in sechs Spielen in nicht allzu guter Erinnerung: „Die Anspannung war groß, als es nicht mit dem Play-off klappte.“ Schon wieder nicht, musste es heißen. Der Jung-Papa könnte als Synonym für die Haie-Krise gelten. Die Qualität hat der 30-jährige US-Amerikaner, aber die aufs Eis zu bringen gelang dem Stürmer noch nicht.

Ob es die Drucksituation sein könnte, dass schon bald ein Import die Haie verlassen wird müssen? Eine Frage, die man Coach Pallin besser nicht stellt. Die Gesichtszüge des Dirigenten an der Bande verhärten sich, seine nordamerikanische Eishockey-Vergangenheit kommt zum Vorschein: „Dann erzähle ich Ihnen, wie es bei uns während der zweiwöchigen Trainingscamps zuging.“ Spieler würden in einer beinharten Selektion ausgesiebt, jeder würde um seine Zukunft spielen. Pallin: „Der Druck ist im Profisport normal. Im Vergleich dazu geht es unseren Spielern allen sehr gut. Vielleicht ist es auch zu angenehm.“ Entscheiden würde er nicht über den Abgang, Pallin könne nur seine Meinung abgeben.

Wie die Stimmung in der Kabine und innerhalb der Mannschaft sei, interessiere keinen: „Dort gewinnst du keine Spiele. Und wenn sie dort wirklich Spaß hätten, dann würde ich sie fragen: Was ist los hier?“

Das Auswärts-Doppel geht am Sonntag (17.30 Uhr) in Zagreb weiter. Ob dort aber angesichts von Eis-Problemen gespielt werden kann oder eine Ausweichanlage vonnöten ist, entscheidet sich erst. So weit denkt Rob Pallin nicht voraus. In Graz hofft er, nicht die nächste nervenzerreißende Haie-Episode zu Gesicht zu bekommen ...