Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 01.11.2018


EBEL

Carlsson muss gehen: Haifischbecken bleibt eine Baustelle

Nach dem 3:4 gegen Linz war beim HC Innsbruck eine Personalentscheidung zu treffen. Jonathan Carlsson muss gehen. Die Probleme bleiben im Haifischbecken liegen.

© gepaNach nur fünf Spielen (drei davon wurden gewonnen) geht das kurze Arbeitsverhältnis von Jonathan Carlsson (r.) bei den Innsbrucker Haien schon wieder zu Ende.



Von Alex Gruber

Innsbruck – Das 3:4 gegen Linz, bei dem die Haie zu Beginn des Schlussdrittels einen möglichen Sieg nach einer 2:1-Führung neuerlich verspielten, war das elfte Match (sechs davon gingen in die Verlängerung), das mit nur einem Tor Unterschied endete. Nur drei von diesen engen Spielen haben die Haie bislang gewonnen. Ein Grund, warum man nach 15 Runden mit fünf Punkten Rückstand auf Platz sechs in dieser Saison vorerst nicht vom direkten Einzug in die Play-offs träumen sollte.

Ein Baustellenschild hängt nach nur drei Siegen in acht Heimspielen über der Tiwag-Arena. Dabei wurde der Schwede Jonathan Carlsson vor Kurzem als Defensiv-Verteidiger geholt und muss nach der Genesung von Sacha Guimond nach nur fünf Spielen bereits wieder weichen. Das mag bei einem Try-out-Vertrag zum Berufsrisiko zählen, aber gerecht scheint es nicht. Da hätten sich andere wie Mike Boivin, der gegen Linz zwar seinen ersten Saisontreffer erzielte, einen vorzeitigen Abschied nach den ersten Meisterschaftswochen womöglich weit mehr „verdient“. Es ist eine von mehreren Entscheidungen, die Diskussionsspielraum offenbaren. HCI-Vorstand Norbert Ried will eines – „dass endlich Ruhe einkehrt“.

Neben Carlsson dürfte mit Goalie Janne Juvonen, der gegen Linz wieder ein „Ei“ kassierte, ein zweiter Try-out-Spieler bald abhandenkommen. Eine echte Nummer eins sieht anders aus. Und bei einigen anderen Cracks fehlen Pallin die letzten „10 bis 15 Prozent“.

„Wir müssen unseren Job machen, jeder Wechsel muss konzentriert sein, man kann sich keine Pause gönnen“, erinnert Pallin gebetsmühlenartig an die berühmten Kleinigkeiten. In nur 76 Sekunden gab man die Partie gegen Linz aus der Hand und verteilte einmal mehr Geschenke. Das zieht sich wie ein roter Faden durch diese Saison.

Vor dem Heimspiel gegen Fehervar (Samstag) und dem Auswärtsmatch in Villach (Sonntag) ist mit einer Selbstzerfleischung aber auch keinem im Haifischbecken geholfen. Man(n) hat halt eine unglücklichere Hand am Transfermarkt und ein ausbaufähiges erstes Meisterschaftsdrittel in der Erste Bank Eishockeyliga erwischt. So ist halt (auch) das Leben und der Sport. Der Blick muss sich nach vorne richten. Mit Teamwork und klaren Entscheidungen auf allen Ebenen. Vielleicht war ja auch die Erwartungshaltung nach den zwei Vorsaisonen zu groß.