Letztes Update am Mi, 07.11.2018 15:26

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Ski Alpin

Baumann: „Habe den Kopf nicht mehr freibekommen“

Nach einem „sehr schwierigen“ Ski-Weltcup-Winter ist der Tiroler Speed-Spezialist Romed Baumann guter Dinge. Und das aus mehreren Gründen.

© gepaRomed Baumann möchte die Lücke zur absoluten Weltspitze wieder schließen.



Von Max Ischia

Innsbruck – Was machte Romed Baumann nach einem für ihn großteils frustrierenden Winter? Der Hochfilzner fuhr Skirennen. Auch noch im April. Und weil er es wollte – und irgendwie auch musste. Zumindest im Hinblick auf die FIS-Rangliste. „Im Super-G stand ich an der Kippe, aus den Top 30 zu fallen, also wollte ich noch Punkte sammeln.“ Und das tat der 32-Jährige, unter anderem bei den slowenischen Jugendmeisterschaften in Krvavec – mit Tagesbestzeit. Seither wird Baumann von ÖSV-Teamkollege Vincent Kriechmayr als „slowenischer Jugendmeister“ betitelt, „im Endeffekt“, so Baumann, „habe ich ein FIS-Rennen gewonnen“.

Ich weiß, dass ich es besser kann, als ich es zuletzt gezeigt habe. Und die guten Trainingszeiten passen zu meinem guten Gefühl.
Romed Baumann, ÖSV-Rennläufer

In jedem Fall war’s ein einigermaßen versöhnlicher Abschluss einer Saison, die schleichend, aber doch in eine nicht mehr zu stoppende Negativspirale mündete. Nach einigermaßen vielversprechendem Auftakt in Lake Louise (Platz zehn in der Abfahrt) sollte der Speedfahrer nur noch zweimal in die Top Ten (Abfahrts-6. in Gröden; Kombi-10. in Bormio) fahren. Zu wenig für einen, der eigentlich die Lücke nach ganz oben schließen wollte. „Es sind viele Sachen zusammengekommen.“

Die unentwegte Suche nach dem zielführenden Setup, das Verpassen der Olympischen Spiele in Südkorea und andere Ungereimtheiten wurden letztlich vom Lawinentod eines seiner besten Freunde überschattet. „Irgendwie habe ich dann den Kopf nicht mehr freibekommen.“

Die Sinnfrage hat sich der Familienvater (Tochter Magdalena, zweieinhalb Jahre) aber nie gestellt. „Dafür liebe ich die Rennfahrerei zu sehr.“ Und dafür ist der Routinier von seinen Fähigkeiten zu sehr überzeugt. „Ich weiß, dass ich es besser kann, als ich es zuletzt gezeigt habe. Und die guten Trainingszeiten passen zu meinem guten Gefühl.“

Neuer Schuh, neues Glück

Apropos Gefühl. Viel erhofft sich der Routinier von einem neuen Schuhmodell. „Komplett was Neues“, wie Baumann anmerkt. Der größte Unterschied zu seinen bisherigen Schuhen liege in der bedeutend geringeren Wandstärke. „Das war durch den Einsatz von Karbon möglich. Und durch die dünneren Wände kann ich nun auch ein härteres Plastik fahren.“

Wenn Baumann und seine rot-weiß-roten Speedkollegen heute über Frankfurt nach Denver abhebt, ist sein „Einsermodell“ im Handgepäck. Sechs Paar Schuhe und 45 Paar Ski, die er sich mit Markenkollege Hannes Reichelt teilt, wurden schon vor Tagen auf den Weg gebracht.

Nach einem erstklassigen Sommercamp in Chile, guten Gletschertagen in Chile, Saas-Fee und Sölden freut sich Baumann nun auf den „richtigen Winter“. Und der ist in Copper Mountain, wo die ÖSV-Gasgeber die nächsten zwölf Tage verbringen, längst angekommen. Tief verschneite Landschaften prägen dieser Tage die Szenerie in Colorado – quasi als Kontrast zum Laub- rascheln des goldenen Tiroler Herbsts.