Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 14.11.2018


Ski Alpin

Tiroler ÖSV-Zukunftsaktie Gstrein: „Ich mache mir keinen Stress“

Der zweifache Junioren-WM-Medaillengewinner Fabio Gstrein schnuppert am Sonntag beim Herren-Slalom in Levi Weltcup-Luft.

Der Ötztaler Fabio Gstrein ist eine der österreichischen Zukunftsaktien.

© gepaDer Ötztaler Fabio Gstrein ist eine der österreichischen Zukunftsaktien.



Von Max Ischia

Innsbruck – Die lange Unterwäsche blieb bislang im Kleiderschrank. Es ist warm dieser Tage, zu warm – auch im hohen Norden. Immerhin: Blickt Fabio Gstrein durchs Zimmerfenster, sieht er Schnee. „Aber es ist nicht mehr als ein bisserl angezuckert“, sagt der Ötztaler, der sich dieser Tage im schwedischen Kabdalis auf den Slalom-Auftakt am Sonntag im finnischen Levi vorbereitet. Es wird der erst vierte Weltcupeinsatz des 21-Jährigen sein, weswegen die Bäume noch nicht in den finnischen Himmel wachsen. „Ich werde wohl mit einer Nummer um die 70 starten“, sagt er, um doch ein hohes Ziel auszugeben: „Es wäre toll, wenn ich an den Top 30 kratze. Vielleicht geht sich sogar die Qualifikation aus.“ Bei seinen bisherigen drei Weltcupeinsätzen war für den Sölder jeweils nach dem ersten Durchgang Endstation.

Wie überhaupt Gstrein den Weltcup als Zusatzzuckerl versteht. Das übergeordnete Ziel heißt erst einmal Europacup – und dort in der Endabrechnung eine Top-3-Platzierung, die gleichbedeutend mit einem Weltcup-Fixplatz für den nächsten Winter wäre. „Ohne Fixplatz ist es verdammt schwer, im Weltcup Fuß zu fassen“, versichert er, wenngleich er es mit einem (einstigen) Slogan einer Automarke hält: „Nichts ist unmöglich.“

Dass er als eine der großen Zukunftsaktien gehandelt wird, untermauerte der Techniker im Februar bei der Junioren-WM in Davos mit Silber (Riesentorlauf), Bronze (Kombination) und einem vierten Rang (Slalom).

Gstrein stammt aus einer Skifahrer-Familie. Großcousin Bernhard kombinierte 1988 zu Olympia-Silber, Vater Gotthard war Weltmeister bei den Skilehrern und Mama Anita (geborene Braunegger) gewann einst die inoffizielle Nachwuchs-WM Trofeo Topolino – so wie ihr Sohn vor fünf Jahren. So wie einst auch Benjamin Raich, Gstreins großes Vorbild, „weil er extrem erfolgreich war und immer bodenständig geblieben ist“.

Wie die Raichs in Leins (Pitztal) betreiben auch die Gstreins zu Hause in Sölden eine Landwirtschaft. Hauptberuflich leiten die Eltern die Skischule Sölden-Hochsölden. Der Apfel fällt eben nicht weit vom Stamm.