Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 21.11.2018


Ski-Weltcup

Damit‘s eine runde Sache wird: ÖSV-Herren peilen Speed-Kugel an

Sechs Saisonen ohne Abfahrts-Kristall und schon zehn im Super-G – Österreichs Speed-Herren sind heuer in der Bringschuld. Coach Sepp Brunner mahnt dennoch zur Geduld.

© gepaDer Oberösterreicher Vincent Kriechmayer war im Vorjahr der schnellste Österreicher im Weltcup.



Vail, Lake Louise – Hand aufs Herz: Wissen Sie noch, wer sich vergangenen Winter bei den Herren die beiden Speed-Kugeln (Super-G, Abfahrt) gesichert hat? Nur so viel: Österreicher war’s keiner. Und das war auch schon in den vorangegangenen Saisonen so. Der inzwischen zurückgetretene Klaus Kröll 2012 (Abfahrt) und der immer noch höchst motivierte Hannes Reichelt (Super-G) waren die letzten ÖSV-Mohikaner, die eine kleine Kristallkugel herzten und nicht Marcel Hirscher hießen.

Nicht zum ersten Mal rief deshalb ÖSV-Rennsportleiter Andreas Puelacher im Herbst den Gewinn einer Speedkugel als „ganz großes Ziel“ aus. Sepp Brunner, seit Frühjahr 2017 rotweißroter Abfahrtscoach, ist zu lange im Geschäft, um sich diesbezüglich exakt festzulegen: „Natürlich ist eine Speedkugel unser Ziel“, sagt er. Er sagt aber auch, dass man dieses Thema längerfristig sehen muss. „Ich bin überzeugt, dass wir vorne dabei sind. Aber wenn mal ein Rennen danebengeht, dürfen wir nicht gleich den Kopf hängen lassen.“

Dass sie es können, unterstrichen die rotweißroten Parade-Gasgeber. Allen voran Super-G-Olympiasieger Matthias Mayer und der vergangenen Winter insgesamt schnellste Österreicher, Vincent Kriechmayr. Beide hatten beim Weltcupfinale am WM-Schauplatz Aare mit dem Ex-aequo-Sieg in der Abfahrt für ein doppeltes Happyend gesorgt. Dass Kriechmayr letztlich als Fünfter bestplatzierter Österreicher in der Abfahrtswertung war, stellte die Teamführung weniger zufrieden.

Weit besser lief es im Super-G, wo der 27-jährige Aufsteiger aus Oberösterreich Gesamtzweiter wurde – und mit Hannes Reichelt (4.), Max Franz (5.) und Mayer (8.) geballte ÖSV-Power folgte. So erfreulich es für Kriechmayr war – es ist Schnee von gestern, wenn man so möchte. „Es ist gefährlich, wenn man immer zurückschaut. Der Skisport steht nicht, die Konkurrenz wird besser, deshalb muss ich auch den nächsten Schritt machen.“ Und diesbezüglich setzte er an seiner Technik an. „Gute Skifahrer stechen heraus. Bevor man am Material rumfeilt, sollte man an der Skitechnik feilen. Das habe ich gemacht.“ Dass mit Max Franz im Frühjahr ein prominenten Teamkollege ins Fischer-Lager wechselte, soll sich für beide als Win-win-Situation entpuppen. Übrigens: Kjetil Jansrud gewann im Frühjahr seine dritte Super-G-Kugel, Beat Feuz jubelte erstmals über die Abfahrtswertung. (m. i., APA)

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