Letztes Update am Mi, 21.11.2018 12:24

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Biathlon

Dominik Landertinger im Interview: „Mein Sohn ist mein Highlight“

Auch der Biathlon-Weltcup steht vor der Tür, Dominik Landertinger (30) blickt der Saison aber entspannt entgegen. Der Hochfilzner wird demnächst Vater, alles andere lässt er auf sich zukommen.

Den Schwung von Pyeongchang – eine Bronzemedaille – möchte der Tiroler Biathlet Dominik Landertinger in die kommende Saison mitnehmen.

© gepa/WalgramDen Schwung von Pyeongchang – eine Bronzemedaille – möchte der Tiroler Biathlet Dominik Landertinger in die kommende Saison mitnehmen.



Vorbereitungen verliefen bei Ihnen selten ohne Hürden. Man denke nur an die Bandscheibenoperation im vergangenen Jahr.

Dominik Landertinger: Ich kann mich nicht beschweren: So gut wie heuer bin ich noch nie durch diese Zeit gekommen, es läuft gut.

Trotz der Olympia-Bronzemedaille in Pyeongchang sprachen Sie stets von einem Trainingsrückstand.

Landertinger: Ich hatte nach der Operation viel aufzuholen, auch Leistungstests im Frühjahr bestätigten mir das. Die Grundlagen fehlten durch den Trainingsausfall. Mein Fundament, mein Keller brach ein.

Was hieß das für den Sommer? Kein Urlaub?

Landertinger: Im Mai, Juni und Juli ging es nur um Ausdauer, da war kein schneller Schritt dabei. Hochintensive Einheiten kamen erst zuletzt.

Gingen sich für Sie wenigstens ein paar Tage Urlaub aus?

Landertinger: Wir (mit Freundin Marion, Anm.) waren ein paar Tage auf einem Bauernhof am Gardasee. Irgendwo hinfliegen wollte ich nicht.

Kann ein eifriger Trainierer wie Sie überhaupt die Beine hochlagern?

Landertinger: Für zwei, drei Tage funktioniert es, abzuschalten. Aber dann muss ich laufen gehen, sonst falle ich in ein Loch rein. Mein Körper schaltet sonst einfach ab und ich bring’ ihn nur noch schwer in die Gänge. Das Training gehört zu meinem Alltag.

Geht Ihnen noch manchmal Ihr heuriges Olympia­rennen zu Bronze durch den Kopf?

Landertinger: Immer wieder, die Medaille war ja angesichts der Operation fast ein Ding der Unmöglichkeit. Das zu schaffen, viermal eine Null zu schießen, das war superschön.

Die österreichische Langlauf-Staffel sucht für die Heim-Weltmeisterschaft in Seefeld noch einen Starter, ÖSV-Direktor Markus Gandler will sich auch im Biathlon-Lager umsehen.

Landertinger: Seefeld wäre ein Thema, das mich interessiert. Aber wenn du im Biathlon nicht ganz vorne bist, brauchst du im Langlauf gar nicht erst zu starten. Und nur dabei zu sein -–das ist mir zu wenig.

Wäre es für Sie zeitlich vorstellbar?

Für Dominik Landertinger und seine Marion steht das nächste Großereignis bevor: die Geburt des ersten Kindes.
Für Dominik Landertinger und seine Marion steht das nächste Großereignis bevor: die Geburt des ersten Kindes.
- privat

Landertinger: Ich habe den Plan gesehen – Staffel und 50 km, das wird knapp mit unserer Biathlon-WM in Östersund, die WM-Staffel und das 50-km-Rennen überschneiden sich fast. Die eigene WM setze ich nicht aufs Spiel, zumindest der 50er würde ein großes Risiko darstellen.

Die WM bleibt der Höhepunkt?

Landertinger: Ich würde sage­n – ein Höhepunkt. In den nächsten zwei Wochen soll mein Sohn auf die Welt kommen, das wird spannend. Ich bin deshalb locker, was die Saison angeht – mein Sohn ist mein Highlight.

Wie sieht es dann mit dem Schlaf aus?

Landertinger: Schlaf brauche ich, das habe ich mit meiner Freundin auch abgesprochen. Das Gästezimmer ist schon hergerichtet.

Erst der Saisonauftakt in Pokljuka (SLO/2.–9.12.), dann steht Ihr Heim-Weltcup in Hochfilzen (13.–16. Dezember) vor der Tür.

Landertinger: Ich will von Beginn an vorne mitmischen, in die Top 5 kommen. Läuferisch habe ich viel getan, beim Schießen habe ich stabilisiert.

Dazu trug wohl auch der neue Cheftrainer Ricco Groß, ein vierfacher Olympiasieger und neunfacher Weltmeister, bei.

Landertinger: Ein lässiger Typ mit der deutschen Gründlichkeit. Der neue Wind tut uns gut, denn wenn du zu lange in denselben Mustern bist, stumpfst du ab. Ricco hält die Gruppe zusammen, lässt aber auch Individualität zu.

Wie ist es, mit so einem Kalibe­r zu trainieren?

Landertinger: Mit ihm kannst du offen reden, er weiß, was ein Sportler braucht. Ihm sagst du: Ich lege noch eine Einheit drauf – und er versteht es. Wenn du ihm aber sagst: Stopp, mehr geht nicht, ich muss in die Garage – dann versteht er es auch.

Glauben Sie, dass Sie jetzt wieder in einer Liga mit Martin Fourcade oder Johannes Thingnes Bø sind?

Landertinger: Das traue ich mich nicht zu beantworten. Aber es wird ziemlich schwierig, in acht Monaten so ein Defizit aufzuholen. Mein Ziel war es, einmal gut aufzubaue­n und im Weltcup die ganze Saison über wieder dabei zu sein. Der Weg stimmt.

Das Gespräch führte Florian Madl