Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 24.11.2018


Ski Alpin

Ein Aufschrei an der Ostküste: Brunner und Brem wollen Top-Resultat

Im Killington-Riesentorlauf (15.45/19 Uhr, ORF eins) greift die Zillertalerin Stephanie Brunner am Samstag voll an. Ebenso wie Eva-Maria Brem.

© gepaNach Rang fünf in Sölden startet die Tirolerin Stephanie Brunner heute gut vorbereitet in Killington.



Von Roman Stelzl

Killington – Sieben gute Trainingstage hintereinander auf Schnee – wie ein Stück weiche Schokolade lassen sich das Österreichs Riesentorlauf-Spezialistinnen auf der Zunge zergehen. „Das Training in Copper Mountain war wirklich gut, da hat alles gepasst“, blickt die Beste unter ihnen, die Tirolerin Stephanie Brunner, auf die Woche im US-Skigebiet von Colorado zurück. „Das war wieder einmal ein ganz anderes Gefühl, da ist jetzt wieder richtig was vorwärts gegangen“, schwärmt auch Weltcupsiegerin Eva-Maria Brem.

Endlich Winter – endlich wieder tüfteln, probieren, basteln und auf voller anstatt halber Rennstrecke trainieren. Nach den schlechten Bedingungen auf den europäischen Gletschern im Herbst, gefolgt vom täglichen Umplanen und der Suche nach dem Schnee, war der Aufenthalt in Copper Mountain eine Wohltat.

Vor allem für Brunner. Die 24-jährige Tuxerin konnte nach ihrem im April erlittenen Kreuzbandriss im Herbst kein einziges Mal richtig trainieren – ihr fünfter Rang beim Sölden-Riesentorlauf Ende Oktober mit ein paar mäßigen Schneetagen im Rücken liest sich daher wie eine kleine Sensation. „Ich habe mich damals einfach auf mein Gefühl verlassen. Im Training war ich noch nie wirklich gut, aber sobald ich im Starthaus stehe, ist bei mir der Rennmodus aktiviert“, erklärt Brunner vor dem zweiten Weltcup-Riesentorlauf der Saison heute (15.45/19 Uhr, live ORF eins).

Was darf man sich da heuer erst erwarten, wenn die Vorbereitung gut gepasst hat? Eine Antwort möglichst positiver Art soll Tirols Sportlerin des Jahres im US-Bundesstaat Vermont liefern. Denn jetzt scheint alles wieder so zu sein, wie es auch sein soll. „Vom Bein her habe ich keine Probleme mehr, beim Ski fahren spüre ich da nichts. In Copper konnte ich endlich wieder auf voller Rennlänge trainieren, das Gefühl für Killington stimmt“, ergänzt Brunner nach dem Training.

An die Ski-Heimat von US-Star Mikaela Shiffrin (sie besuchte in Vermont die Burke Mountain Academy) hat Brunner durchwegs gute Erinnerungen: Im Vorjahr landete sie wie so oft auf Rang vier, 2016 kam nach demselben Platz nach Lauf eins das Aus. Wer nun nach Zielen fragt, der muss immer auch den lang ersehnten ersten Weltcup-Podesplatz der Junioren-Weltmeisterin erwähnen. „Das muss passieren, das kann ich mir nicht vornehmen. Wichtig ist, dass ich meine Leistung abrufe“, kommt im Stakkato zurück.

Das Training läuft bei ihr im Übrigen so gut, dass ein Comeback in den Speed-Disziplinen bevorsteht: Beim Super-G in Lake Louise (CDN/2.12.) will Brunner wieder den Fokus für die schnellen Disziplinen schärfen.

Weiterhin einschienig fährt Eva-Maria Brem. Die 30-jährige Münsterin, die 2015/16 die kleine Kristallkugel im Weltcup-Riesentorlauf gewann, hat den enttäuschenden Rang 24 in Sölden abgehakt und konzentriert sich nun ganz auf Killington. Das Training in Colorado war Balsam auf der Seele. „Wir konnten endlich wieder richtig testen, am Ski und Skischuh herumprobieren. Da hat sich etwas getan“, sagt Brem.

Doch der Optimismus alleine ist Österreichs frühere Sportlerin des Jahres zu wenig – zu lange schon kämpft die im Herbst 2016 schwer verletzte Athletin (Schien- und Wadenbeinbruch) um einen Spitzenplatz. Der letzte wurde am 20. März 2016 beim Weltcup-Finale in St. Moritz datiert, als Rang vier um vier Hundertstelsekunden die kleine Kugel sicherte. „Logisch will ich wieder vorne mitfahren. Das ist ja kein Hobby von mir“, schmunzelt Brem. Aus dem Rennen in Sölden sind die richtigen Schlüsse gezogen, nun soll ein Top-Resultat her. Denn der seidene Faden, an dem Brems Geduld hängt, wird immer dünner.