Letztes Update am Mi, 28.11.2018 14:20

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Biathlon

Winziger Schnitt am Finger beendete beinahe die Karriere von Leitner

Der Milser Juniorenweltmeister Felix Leitner (21) soll im heimischen Biathlon die Lücke zu den Arrivierten schließen. Der Zeigefinger spielt noch nicht ganz mit.

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Viel Schnee zeigt sich wenige Tage vor dem Weltcup-Auftakt in Pokljuka (SLO) europaweit nicht, auch wenn in Obertilliach die Weltelite trainieren kann.

Leitner: Mir ist das wurscht! Am Anfang waren wir in Hochfilzen auf Asphalt, dann ging es nach Norwegen auf zwei kleine Kurse. 100 Runden läuft man kurz vor der Saison ohnehin nicht mehr.

Viel Bewegung war im Sommer in Ihrem Privatleben.

Leitner: Meine Freundin (Anna-Maria, Anm.) und ich sind nach Kirchdorf übersiedelt, bald geht es nach Hochfilzen. Da geht’s vor allem ums Training und ums Bundesheer, wir müssen schließlich jeden Tag präsent sein.

So mancher Sportler hadert mit der Schwierigkeit, Grundausbildung und Sport unter einen Hut zu bringen.

Leitner: Wir hatten bis 16 Uhr Dienst, danach trainierte ich. Wir hatten nur einen Marsch, unsere Gruppe wurde schon besser behandelt.

Liegen Sie in Ihrer Planung zurück?

Leitner: Wir waren fünf Wochen in Gratkorn, das wusste ich im Vorfeld. Die Trainingsstunden hatte ich bereits, ein Defizit tat sich keines auf, das haben wir so gesteuert. Die Stunden wurden zurückgeschraubt, dafür war alles ein bisschen intensiver, das funktionierte.

Wo sehen Sie sich jetzt? Immerhin sind Sie Juniorenweltmeister.

Leitner: Es ging heuer viel weiter, vor allem im Schießen. Ich treffe 90 Prozent der Scheiben und damit deutlich mehr als im Vorjahr, da waren es vielleicht 80.

Ihm gehört laut Experten die Zukunft: Felix Leitner.
- gepa osterauer

Mit Ricco Groß haben Sie einen mehrfachen deutschen Olympiasieger und Weltmeister als Gruppentrainer an Ihrer Seite.

Leitner: Alles ist mit ihm länger und intensiver, aber für mich war das nicht so ein Unterschied. Ich war schon früher auf dieser Linie.

Wie geht es Ihrem rechten Zeigefinger, der ja für den Gewehrabzug zuständig ist und dessen Entzündung viel Zeit in Anspruch nahm? Nach einer Operation stand die sportliche Zukunft sogar eine Zeit lang auf der Kippe.

Leitner: Leider nicht gut. Ich kann ihn bewegen, bin aber sensibel. Repetieren muss ich mit dem Mittelfinger.

Weiß man schon, weshalb ein Keim solche Auswirkungen haben kann?

Leitner: So etwas kann jedem passieren. Ich habe mich ganz winzig geschnitten, dann hieß es: Sehnenscheidenentzündung. Ich nahm Schmerztabletten, aber nach drei Wochen war der Finger fett und ich konnte nicht mehr schlafen. Im Krankenhaus Hall musste ich sofort operieren, dann hoffte ich ...

Ist alles, wie es war?

Leitner: In manchen Fällen passiert es, dass der Finger wieder ganz funktionstüchtig ist, bei mir eben nicht. Aber im Training sah ich: Ich treffe, der Finger schaut halt anders aus. Beim Schießen bin ich voll dabei, beim Anschub umfasst man den Stecken ohnehin nicht richtig. Kälte ist zum Glück kein Problem.

Dachten Sie vorübergehend ans Karriereende?

Leitner: Kurz vor und nach der Operation – als ich sah, dass nichts weitergeht.

Bei den Olympischen Winterspielen 2018 mussten Sie zuhause bleiben. Eine schmerzhafte Erfahrung?

Leitner: Die habe ich gleich einmal verdaut, schon ein paar Tage darauf war ich Europameister. Ich wäre für Olympia zwar klar der fünfte Mann gewesen, aber zwei wurden vorgereiht, das war ein wenig überraschend. Aber es war dann halt so.

Wie ist es mit den Alten wie Simon Eder, Dominik Landertinger oder Julian Eberhard im Team? Was ist heuer möglich?

Leitner: Total freundschaftlich, man schaut sich viel ab. Vor allem beim Schießen. Unglaublich, wie konsequent sie dabei auf die Zeit schauen. In der Staffel bin ich der vierte Mann, da ist heuer sicherlich viel möglich. Aber ich will die Trainingsleistung endlich einmal auch im Einzel-Rennen umsetzen, die Top Ten sind ein Ziel für mich.

Das Gespräch führte Florian Madl