Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 06.12.2018


Behindertensport

Rücktritt auf Raten: Rabl kostet seine letzte Saison aus

ÖSV-Behindertensportler Roman Rabl dachte nach den Paralympics 2018 an Rücktritt. Nun will es der 27-jährige Söller nochmal wissen – für sechs Rennen.

© gepaNach den Paralympics 2018 hängt Roman Rabl doch noch eine Saison dran.



Von Benjamin Kiechl

Söll — Das Feuer brennt noch immer. Nach dem enttäuschenden Abschneiden bei den Paralympics 2018 in Pyeongchang ohne Medaille erbat sich Roman Rabl einige Monate Bedenkzeit. Sollte er so wie ÖSV-Behindertenskifahrerin Claudia Lösch ebenfalls zurücktreten? Ganz lassen kann es der „rasende Roman", dessen Mut zum Risiko längst zum Markenzeichen geworden ist, doch nicht.

„Ich werde in diesem Winter noch sechs Rennen fahren", erklärte der seit einem Skiunfall 2007 querschnittsgelähmte Sportler auf TT-Nachfrage. Es sei aber weniger Druck im Spiel, sondern mehr „Genuss". Mit seinem Monoski startet der 27-Jährige aus Söll am Wochenende am Pitztaler Gletscher in die Saison. Bei den Deutschen Meisterschaften (Sa und So) als Zuschauer, ab Montag will er bei den Europacup-Rennen aufzeigen. Auch seine Lieblingsstrecke in St. Moritz (SUI) wolle er vor Weihnachten noch mitnehmen. Sein letztes großes Ziel ist die WM 2019 in Sella Nevea und Kranjska Gora (ITA/SLO). „Die Strecken liegen mir, da will ich im Riesentorlauf nochmal alles geben!"

In seiner Ski-Karriere hat Rabl vieles erreicht: Dreimal Paralympics-Bronze sowie WM-Gold und zweimal WM-Silber strahlen am hellsten. Zudem hat er zwei Weltcup-Kugeln (Kombi und RTL) geholt. Karriere-Highlight sei die WM 2015 in Panorama (CAN) gewesen. „Dort hat einfach alles gepasst!" Einen Schlussstrich zu ziehen, fällt Rabl sichtlich schwer. Die Tatsache, dass sich die Voraussetzungen im Team jedoch nicht wirklich ins Positive gewandelt haben, mache es für ihn deutlich einfacher. „Normalerweise wäre das Team um diese Jahreszeit auf der Reiteralm oder in Obergurgl, dort herrschen perfekte Trainingsbedingungen", sagt Rabl stellvertretend für seine ÖSV-Teamkollegen, die mit dem „zu flachen" Stubaier Gletscher vorliebnehmen mussten.

Er selbst bleibt gelassen, die Prioritäten haben sich verschoben: „Eigentlich sollte ich derzeit 50 Skitage vorweisen können, derzeit liege ich aber bei deutlich weniger." Das liegt an seinem Vollzeit-Job beim Bundesministerium für Finanzen (Steuer- und Zollkoordination, Regionalmanagement). Rabl ist für die Kommunikation in der Region West zuständig und noch dazu in die Organisation des Sportkaders im Ministerium (Zoll, 26 Sportler) involviert. „Mein Job bereitet mir viel Freude und fordert mich auch, ich will diese Chance nützen und mir hier eine Zukunft sichern", erzählt Rabl. Ganz auf Skirennen verzichten will er jedoch (noch) nicht ?