Letztes Update am Do, 06.12.2018 11:24

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


5 Fragen an ...

Nicola Werdenigg: „Die Dämme sind längst aufgerissen“

Mit dem Outing ihrer Vergewaltigung setzte die Zillertaler Ex-Skirennläuferin Nicola Werdenigg eine wahre Lawine in Gang. Die 60-jährige Bloggerin begrüßt Aufarbeitungen wie jene einer Expertenkommission zu Jahrzehnte zurückliegenden Missbrauchsfällen und Übergriffen in Sportschulen wie Neustift oder Stams.

© zeitungsfoto.at/Daniel LieblDie Zillertaler Ex-Skirennläuferin Nicola Werdenigg.



Sie machten sexuelle Übergriffe im Skisport öffentlich, in der Folge wandten sich einige Opfer an Sie. Wie beurteilen Sie das Ergebnis der Expertenkommission?

Nicola Werdenigg: Es ist ganz wichtig für Betroffene, dass sie von öffentlicher Seite Bestätigung erfahren. Schließlich geht es auch um Glaubwürdigkeit, die von manchen Seiten in Frage gestellt wird.

Haben medial thematisierte Ergebnisse wie dieses auch Einfluss auf Ihre Aufklärungsarbeit?

Werdenigg: Es melden sich im Zuge solcher Meldungen wieder Leute. Denn wenn es heißt, die Betroffenen würden lügen, dann fürchten diese Leute auch negative Konsequenzen und schweigen lieber. Veröffentlichungen von offizieller Seite sind auch gesellschaftspolitisch wichtig, das ermutigt Betroffene.

Die Schlagzeilen werden vorerst wohl nicht abreißen, der Weltcup-Winter steht schließlich vor der Tür.

Werdenigg: Demnächst sind weitere Prozesse rund um dieses Thema angesetzt, beide Male werde ich anwesend sein. Das Interesse der Öffentlichkeit wird dadurch wieder ansteigen.

Dass der Fall Toni Sailer im Vorjahr ausgerechnet in der Kitzbühel-Woche hochkochte, garantierte Aufmerksamkeit. Auch heuer fällt ein Prozess in diese Zeit.

Werdenigg: Das ist mir bewusst, allerdings war das keineswegs gesteuert, sondern wurde von offizieller Seite – dem Gericht selbst – auf diesen Termin verlegt.

Die Aufregung war groß, als kürzlich ein Ski-Trainer gehen musste. Ebbt die Aufklärungswelle ab, zumal das Thema seit über einem Jahr auf dem Tisch liegt?

Werdenigg: Das glaube ich nicht, denn die Dämme sind längst aufgerissen. Es ist wieder etwas zu erwarten, ohne dass ich näher darauf eingehen will. Noch einiges.

Das Interview führte Florian Madl