Letztes Update am Fr, 07.12.2018 11:20

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Wintersport

Formate der Zukunft: In der Kürze liegt im Weltcup die Würze

Wie sieht die Zukunft im Wintersport aus? Verstaubte Formate sollen durch neue Modelle mehr Fans anlocken, die Alpinen setzen auf Parallel-Rennen wie am Sonntag in St. Moritz. Allerorts gilt: Kurzweiligkeit ist Trumpf.

© gepaDas Parallel-Rennen in St. Moritz ist der Startschuss für den baldigen WM- und Olympia-Bewerb.



Von Roman Stelzl und Susann Frank

Innsbruck – Jetzt ist er da, der Winter. Spätestens wenn am Wochenende dichter Schneefall über die Ostalpen hereinbricht, bricht die große Zeit für den Wintersport an. Doch wie groß sind diese Zeiten wirklich noch? Neue Formate, kurz und knackig, sollen manch verstaubter Sparte zu Glanz verhelfen – ein ungewisser Weg in die Zukunft.

Ski alpin: Mit der Kombination stirbt heuer ein Bewerb aus, der noch vor wenigen Jahren einen ganzen Sport-Tag in Anspruch genommen hatte. So etwas ist heute undenkbar. An seine Stelle tritt das Parallel-Format, der verheißungsvolle Bewerb, der mit der einfachsten Formel (Wer zuerst im Ziel ist, hat gewonnen) die Massen anlocken will. Quasi eine weitere Testvariante ist dabei der Parallel-Slalom der Damen am Sonntag in St. Moritz (SUI) – ab kommender Saison wird das Parallel-Format (zwei City Events, zwei Rennen mit Quali) eine eigenständige Weltcup-Sparte. „Wir müssen die Rennen mehr in die Städte holen. Es bringt nichts, wenn wir irgendwo im Gebirge herumfahren, wo keine Leute sind“, sagt FIS-Renndirektor Atle Skaardal. „Parallel-Rennen sind nicht die Zukunft des Sports, aber eine wichtige Ergänzung. Die Klassiker wie Abfahrt sterben nie aus.“

Übrigens ist das Parallel-Rennen, das Ende 2019 einen eigenen Auftakt-Ort im Weltcup erhält, das erste Format, das im Weltcup in Form einer eigenen Kristall-Kugel Fuß fasst. Dass es auch anders gehen kann, bewies etwa der Kurzauftritt des K.-o.-Slaloms (2002). Die Kritik war damals heftig – das Gleiche war aber auch der Fall beim City-Event, einem Parallel-Rennen in den Städten, bei der Weltcup-Premiere 2011 am Olympiaberg von München.

Inzwischen ist der Tenor der Athleten fast acht Jahre später beinahe einstimmig für das kurzweilige Duell auf der Piste, das ab 2021 Teil der WM und ab 2022 bei den Olympischen Spielen ist. Wer sich in Tirol ein Bild machen will, wie das aussieht, kann das am Sonntag (9.15 Uhr) beim FIS-Parallelrennen im Kühtai tun.

Die Biathleten setzen seit 2015 auf Single-Mixed-Bewerbe. Das Format hat sich bislang bewährt.
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Skispringen: Eigentlich wäre im Weltcup dieses Jahr ein Mixed-Teambewerb (zwei Damen, zwei Herren) geplant gewesen. „Da das Fernsehen dafür aber nicht zahlen wollte, ist er wieder rausgenommen worden“, erklärt Sepp Gratzer, Skisprung-Materialkontrolleur beim Internationalen Ski-Verband. Es bleibt nur ein WM-Bewerb. Ein Damen-Teamspringen ist erst für die WM 2021 in Oberstdorf (GER) geplant. Allerdings ist die FIS mit Renndirektor Walter Hofer darum bemüht, die hochkomplexe Sportart dem Fernsehzuschauer durch neue Kameras näherzubringen.

„So kann man dann ein Gesamtbild der Leistungsfähigkeit des Athleten erkennen. Ohne dass der Athlet etwas am Körper tragen muss, wissen wir genau, mit welcher Kraft er abspringt, mit welcher Absprunggeschwindigkeit er den Schanzentisch verlässt“, betont Hofer. Zudem werden diese Saison alle Skispringer mit Chips bestückt, die laut Hofer „wie ein GPS-System funktionieren, nur umgekehrt. Der Springer bewegt sich, seine Daten werden in einem Koordinatensystem erfasst.“ Leistungen können so leichter erklärt werden.

Nordische Kombination: Vor einigen Jahren verdarben zu viele Formate dem Zuschauer den Durchblick. Es wurde drastisch reduziert. Auf die Gundersen-Methode und den Teamsprint. Heuer kam nach fast zehnjähriger Auszeit der Massenstart wieder hinzu, um mit etwas „Neuem“ wieder mehr Interesse zu wecken. Ab kommender Saison soll es auch für Damen Weltcupbewerbe geben.

Biathlon: Viele Sportarten setzen auf übersichtliche, kurze Bewerbe – etwa das Naturbahnrodeln (15./16.12. in Kühtai). Stellvertretend sei Biathlon erwähnt mit dem beliebten Ansatz: Kombination von Damen und Herren. Seit 2015 wird der Single-Mixed-Bewerb ausgetragen. Ein Mann, eine Frau – und das als kurzweiliges Vergnügen.