Letztes Update am Fr, 04.01.2019 13:50

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Skispringen

Schlierenzauer 50 Tage vor WM erstmals auf 120-m-Schanze

Der Tiroler Ex-Weltmeister machte beim Einzeltraining in Planica mit Coach Florian Liegl einen weiteren Schritt in Richtung Comeback.

Arbeitet hart an seinem Comeback: Gregor Schlierenzauer.

© gepaArbeitet hart an seinem Comeback: Gregor Schlierenzauer.



Innsbruck – Der Tourneebewerb auf dem Innsbrucker Bergisel ist am Freitag ohne die zwei noch aktiven, früheren ÖSV-Sieger in Szene gegangen. Andreas Kofler (Gewinner 2012) verpasste die Qualifikation und Gregor Schlierenzauer (Erster 2013) versucht im Einzeltraining, seinen Sprung auf WM-Niveau zu heben. Am Freitag, 50 Tage vor dem Heim-WM-Bewerb, absolvierte Schlierenzauer erste Flüge auf einer Großschanze.

ÖSV-Cotrainer Florian Liegl hat seit Anfang Dezember eine besondere Aufgabe. Der 35-Jährige arbeitet ausschließlich mit dem Rekordgewinner im Weltcup. Mehr als vier Jahre sind seit dessen 53. und bisher letztem Weltcupsieg vergangen, seither musste der Stubaier mentale Probleme und Verletzungen überwinden und mit Materialänderungen zurechtkommen.

„Versprochen, alles zu geben“

Seine einstige Dominanz hat Schlierenzauer eingebüßt, Versuche den Anschluss an die Spitze zu finden, scheiterten. Vor der Heim-WM, einem erklärten Ziel des Ex-Weltmeisters und -Weltcupsiegers, entschied er sich doch für einen völligen Neuaufbau. „Dafür habe ich mir selber versprochen, alles zu geben und einiges unterzuordnen“, schrieb Schlierenzauer in seinem Blog.

Liegl sprach von einer sehr interessanten, engen Zusammenarbeit. Über Trockentraining, Gleitübungen auf Ski und Visualisierungen führte er Schlierenzauer zum Training auf der 70-m-Schanze und später auf dem größeren Bakken in Seefeld. „Ich bin wie ein Navigationssystem“, schilderte Liegl. „Ich gebe Gregor ein klares Feedback, in welche Richtung der Sprung gehen soll.“

„Ein Riesenrucksack“

Für Schlierenzauer geht es darum, nicht mehr in alte Muster zurückzufallen - um eine „Gefühlsabstimmung“, wie er selbst sagt. „Das ist ein Riesenrucksack, den kann man nicht wegzaubern“, erklärte Liegl. Man versuche nun, das Neue mit Emotionen zu koppeln, und es so wieder abrufbar zu machen.

„Im Skispringen gilt es, den Totstell-Reflex zu überbrücken“, betonte Liegl, der aus seiner aktuellen Tätigkeit auch selbst viel lernt. „Ich muss dem Hirn das Gefühl geben, es ist sicher.“ Respekt oder Angst wären kontraproduktiv, daher wurde ein methodischer Neuaufbau gestartet. „Bisher funktioniert es sehr gut, auf der kleinen Schanze macht es Gregor wirklich gut.“ Am Freitag flog der fast 29-Jährige in Planica erstmals vom 120-m-Bakken. Auch das klappte laut Liegl gut.

Technik automatisieren

„Rennpferd“ Schlierenzauer würde sich schon gerne mit anderen messen, nimmt sich aber selbst zurück. „Davor gilt es, diese Technik zu automatisieren, dass ich sie jederzeit und in jeder Situation abrufen kann“, schrieb er auf seiner Website. Es sei enorm wichtig, Vertrauen aufzubauen. „Das ist eine Challenge, aber tagtäglich eine schöne Arbeit.“

Einen Termin für eine Rückkehr des zweifachen Tourneesiegers in den Weltcup gibt es noch nicht. Zuvor müsse wirklich alles sehr gut funktionieren, sagte Liegl. „Es geht nicht darum, etwas schönzureden, sondern dass Sachen auch wirklich passieren.“ (APA)