Letztes Update am Do, 10.01.2019 13:48

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Eisschnelllauf/Skeleton

Zwei Tiroler Damen schürfen am Eis nach Gold

In Südtirol jagt Eisschnellläuferin Vanessa Herzog den Europameistertitel. Skeleton-Ass Janine Flock will ihre EM-Medaillensammlung aufstocken.

Im schneefreien Südtiroler Klobenstein nimmt Vanessa Herzog am Wochenende den Europameistertitel im Sprint ins Visier.

© imago/VI ImagesIm schneefreien Südtiroler Klobenstein nimmt Vanessa Herzog am Wochenende den Europameistertitel im Sprint ins Visier.



Von Roman Stelzl und Günter Almberger

Klobenstein/Königssee – Neujahrsmorgen in Ferlach. 8 Uhr Früh. Die Straßen sind leergefegt, die Stimmung wirkt gespenstisch. Im Laufgewand biegt Vanessa Herzog um die Ecke, neben ihr hält Ehemann und Trainer Thomas Schritt. Und hinter der Tiroler Eisschnellläuferin liegt eine Silvesternacht mit viel Schlaf. Und wenig Feiern.

Es verwundert nicht. Im ehrgeizigen Trainings-Plan der 23-jährigen Innsbruckerin sind Schummeltage so häufig wie derzeit Schneefall-Stunden im herbstlich erstrahlenden Südtiroler Klobenstein, wo ab morgen die Sprint-Europameisterschaft ausgetragen wird. Zu gut läuft die Saison, zu sehr passt der Rhythmus, die Form, um nun den Schlendrian einreißen zu lassen. „Bisher lief es wirklich gut. Das soll so bleiben. Und die Favoritenrolle nehme ich gerne mit in die EM“, sagte Herzog nach ihrem bis dato besten Saisonanfang.

Drei Weltcupsiege, sechs weitere Podestplätze sowie die Gesamtweltcupführung über 500 Meter sprechen eine klare Sprache. Die Wahl-Kärntnerin war heuer kaum zu biegen, dazu zählt der Eisring von Klobenstein zu den Lieblingen der Europameisterin (2018 holte sie Österreichs erstes Gold nach 1994). „Ich mag die Strecke, fühle mich wohl“, ergänzt Herzog. Gefahren werden am Samstag und Sonntag je zwei Rennen über 500 und 1000 Meter. Aus der Addition ergibt sich die Europameisterin im Vierkampf.

Drittes EM-Gold für Flock?

Janine Flock und Europameisterschaften – das ist eine Liebesbeziehung auf den ersten Blick! Die Skeleton-Pilotin ist bei den kontinentalen Titelkämpfen eine Bank. Nicht weniger als sechs Medaillen hat die Rumerin bereits in ihrer Vitrine zu Hause hängen – zwei davon sogar aus Gold (2016 St. Morit­z, 2014 Königssee). Und wie vor fünf Jahren geht’s wieder um EM-Edelmetall in Königssee. Hat das heimische Aushängeschild überhaupt noch Platz für Medaillen-Zuwachs? „Keine Sorge, dafür ist immer Platz“, schmunzelte die 29-Jährige. Prognosen will Flock aber vor dem morgigen Rennen keine abgeben, zu unberechenbar sind die Bahn- und Wetterverhältnisse aktuell. „Wir sind im Training zum Teil bei zehn Zentimeter Schnee im Eiskanal gefahren. Da ist keine Zeit aussagekräftig. Eines ist aber garantiert, es wird eine Materialschlacht werden“, betonte die Olympia-Vierte, die trotz ihrer Rückenprobleme in der Vorbereitung mit der Welt­spitze mithalten kann.

Bei den Herren tastet sich Florian Auer immer weiter an die Top-Athleten heran und konnte sich im Vergleich zur Vorsaison deutlich steigern. „Ich habe das Material umgestellt und habe mich gut eingefahren. Ich bin viel befreiter am Start und das macht sich in der Leistung bemerkbar“, betonte der Innsbrucker, der auf einen Top-Ten-Platz in der EM-Wertung hofft.

Die Rumer Skeleton-Pilotin Janine Flock konnte vor fünf Jahren bereits EM-Gold am Königssee gewinnen.
Die Rumer Skeleton-Pilotin Janine Flock konnte vor fünf Jahren bereits EM-Gold am Königssee gewinnen.
- Michael Kristen