Letztes Update am Mo, 14.01.2019 10:01

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Ski Alpin

Verletzungsserie: Das aggressive Material erlaubt keinen Fahrfehler

Nach den Kreuzbandverletzungen von Anna Veith und Stephanie Brunner stellt sich die Skiszene erneut die Frage nach der Prophylaxe.

Wann ÖSV-Coach Jürgen Kriechbaum wieder auf Stephanie Brunner and Anna Veith setzen kann, ist ungewiss.

© gepaWann ÖSV-Coach Jürgen Kriechbaum wieder auf Stephanie Brunner and Anna Veith setzen kann, ist ungewiss.



Von Florian Madl

Innsbruck – Keine Materialrevolution seit Jahren, ein ausgereizter Trainingszustand – Experten können für die anhaltende Serie an schweren Verletzungen im Damen-Skizirkus vorerst keine Lösungen anbieten, zuletzt erwischte es Steffi Brunner und Anna Veith. „Das Thema ist, wenn man es so sagen will, eine Baustelle. Die wird uns noch länger beschäftigen“, meint der norwegische Damen-Renndirektor Atle Skaardal. Der 52-Jährige hält sich mit Mutmaßungen und Lösungsvorschlägen zurück, er kenne die genauen Umstände der Stürze nicht. Was Skaardal allerdings nicht unerwähnt lassen will: „Die Pistenbedingungen sind oftmals unterschiedlich. Manchmal weich, dann eben wieder kompakt.“ Und auch der Druck auf die Läuferinnen sei im Weltcup stets ein hoher.

Ein Patentrezept kann auch Christian Fink nicht vorlegen, der die Zillertalerin Steffi Brunner in der Privatklinik Hochrum unter dem Messer hatte. „Weder Steffi noch Anna fallen in die klassische Risikogruppe für Kreuzbandverletzungen: nicht übermäßig groß, in guter körperlicher Verfassung – mehr geht nicht.“ Die Wahrscheinlichkeit einer Wiederverletzung, wie sie bei beiden stattfand, liege nach Angaben des Arztes bei 20 Prozent. „Es ist manchmal frustrierend, denn mehr Vorkehrung geht nicht. Wir haben Return-to-sport-Tests, die noch vor der Rückkehr durchgeführt werden. Und die ergaben kein Kraftdefizit.“ Auch eine Schiene, wie sie Stefan Luitz einmal für den Rennlauf zum Einsatz brachte, stellte für ihn keine Lösung dar: „Die meisten Verletzungen passieren aus einer Rotation heraus, da hilft dir das ohnehin nichts.“

Seit zwei Jahren berate man sich am Saisonende innerhalb des Verbands, begutachte Videos und versuche, Schlüsse zu ziehen. „Man tut sich schwer, etwas zu finden. Allerdings wird das Material zunehmend aggressiver, jeder reizt es aus. Das erlaubt keinen Fahrfehler.“

15 der ersten 40 im Damen-Weltcup würden augenblicklich an diversen Verletzungen laborieren, das stimme ihn nachdenklich. Das lasse sich auch nicht mit anderen Situationen im Rennsport vergleichen: „Wenn du in einer Abfahrt mit 130 km/h wo runterfährst, brauchst du nicht über Verletzungsprophylaxe zu reden. Letztlich bist du Passagier.“