Letztes Update am Fr, 18.01.2019 09:34

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Ski Alpin

Kombination vor dem Aus: Viele Ideen für eine goldene Ski-Zukunft

89 Jahre nach der ersten Wengen-Kombination soll am Freitag die letzte folgen. Es wäre das Ende einer Tradition. Die für 2020 angedachte Sprint-Abfahrt sorgt für Kritik und wirft die Frage auf: Wohin will der Ski-Weltcup?

Neben Mitfavorit Marco Schwarz setzte der Kärntner Matthias Mayer gestern mit Rang drei im Training ein Zeichen für die heutige Kombination.

© AFPNeben Mitfavorit Marco Schwarz setzte der Kärntner Matthias Mayer gestern mit Rang drei im Training ein Zeichen für die heutige Kombination.



Aus Wengen: Roman Stelzl

Wengen – Der Brite Bill Bracken ist einer jener Skirennläufer, die es nie zur Millionenshow schaffen. Wer würde bei der Frage „Wie heißt der Gewinner der ersten Kombination 1930 in Wengen?“ schon den Namen des Briten aus dem Hut ziehen? Ehrlich gesagt wohl keiner. Ähnlich geht es dem Ski-Weltverband, kurz FIS. Der stellt sich derzeit auch eine Frage, die es nicht zur Millionenshow schafft.

Alleine die möglichen Antworten auf „Wie sieht die Zukunf­t des alpinen Ski-Weltcups aus?“ würden den Rahmen an Möglichkeiten sprengen. Fast sicher ist nur eins: Ab 2019/20 wird Bill Bracken Sieger einer abgeschafften Disziplin sein.

Drei Jahre nach dem Entschluss in Kitzbühel, die (Super-)Kombination abzuschaffen, will Wengen nachfolgen. Damit wäre das Rennen am Freitag (10.30 Uhr Slalom/14 Uhr Abfahrt, live ORF eins) das Ende einer 89 Jahre währenden Tradition (bis 2005 ohne eigenes Rennen). In Bansko (BUL) folgt nach dem WM-Bewerb am 22. Februar die wohl letzte Weltcup-Kombination.

Doch was nun? Die Schweizer wollen den Freitag nicht aufgeben, zugleich aber keinen Bewerb, für den es kommende Saison keine Weltcup-Kugel mehr gibt. Für den Super-G ist die Wengen-Strecke derzeit nach FIS-Kriterien nicht geeignet (homologiert) – deshalb soll 2020 eine Sprint-Abfahrt her.

„Es gibt sehr positive Gespräche. Wenn die FIS beim Treffen im Februar dem Aus der Kombination zustimmt, würde hier eine Sprint-Abfahrt stattfinden. 10.30 Uhr erster Durchgang, 13.30 die Top 30 in gestürzter Reihenfolge“, erklärt FIS-Renndirektor Markus Waldner. Aber entschieden ist noch nichts, wie der Südtiroler ergänzt: „Es gibt langwierige Diskussionen in alle Richtungen. Momentan lebt die Kombination noch.“

Vielmehr beschäftigt sich Waldner beim Thema Zukunft des Weltcups mit den Parallel-Rennen. Aus dem Sammelsurium an Bewerben (City Event, Parallel-Riesentorlauf sowie -Slalom) sollen 2019/20 vier einheitliche Bewerbe mit einer Weltcup-Kugel werden. „Wir arbeiten daran. Momentan gibt es noch viele Lösungsansätze.“

Zu viele sind es laut Andreas Puelacher, dem Sportlichen Leiter der ÖSV-Herren. „Die FIS weiß nicht, was sie will. Es muss endlich ein gescheites Regelwerk her. Aber die FIS tut einfach nicht weiter“, ärgert sich der Tiroler. Sauer stoßen ihm die Themen Sprint-Abfahrt („Das gefällt mir überhaupt nicht“) und Parallel-Rennen auf sowie das Fehlen eines roten Fadens. Puelacher: „Kombi, City Event, Parallel-Slalom. Irgendwie kommt mir vor, als wollen sie alles gleichzeitig. Ich würde die Kombination vermissen. Und das, was hier an neuen Bewerben kreiert wird, ist bisher nicht gut.“

Sollten die zwei Kombinationen aber wirklich durch Speed-Rennen ersetzt werden, würde der Kampf um den Gesamtweltcup zwischen Speed- und Technik-Fahrern ausgeglichener werden.

Das befürwortet auch Athletensprecher Hannes Reichelt. Doch der Sprint-Abfahrt kann der Salzburger wenig abgewinnen. „Die dauert in Wengen vier Minuten, das schau ich mir an“, meint Reichelt, der den Bewerb nicht eigenständig haben will: „Wir haben schon so viele Disziplinen. Besser wäre es, den Super-G zu stärken. Wenn ich höre, dass in Gröden der Super-G durch die Sprint-Abfahrt ersetzt werden soll – das darf nicht sein.“

Und was bleibt als Fazit für die Weltcup-Zukunft? Es gibt einen ganzen Haufen an Ideen. Es ist ein zu großer, um darin alsbald die glücksbringende Nadel zu finden.