Letztes Update am Sa, 19.01.2019 14:00

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Nordische Ski-WM 2019

Ein Monat bis zur WM: Königliche Aussichten für Seefeld

Die Aufbauarbeiten für die Nordische Ski-Weltmeisterschaft (19.2. bis 3.3.) sind weit fortgeschritten. Die WM-Loipen müssen teils freigeschaufelt werden, das norwegische Königspaar lässt Seefeld erstrahlen.

In der Winteridylle von Seefeld sind die Ausmaße der Zuschauertribünen für die WM bereits gut erkennbar, während die Touristen derzeit die WM-Loipen genießen dürfen.

© Foto TT / Rudy De MoorIn der Winteridylle von Seefeld sind die Ausmaße der Zuschauertribünen für die WM bereits gut erkennbar, während die Touristen derzeit die WM-Loipen genießen dürfen.



Von Benjamin Kiechl

Seefeld – Werner Frießer trägt die blaue Skijacke mit dem offiziellen WM-Logo auf der Brust sichtlich stolz. Mit schnellen Schritten steigt der Bürgermeister von Seefeld, der zugleich den Posten als „WM-Sportdirektor Seefeld“ einnimmt, die Stiegen auf den hölzernen WM-Turm empor. Jenes zwölf Meter hohe Wahrzeichen, das auch nach den Titelkämpfen vom 19. Februar bis 3. März über dem Ort thronen soll. „Den WM-Turm zeige ich am liebsten her“, erklärt Frießer lächelnd und betritt in luftiger Höhe einen versperrten Raum mit bodentiefen Fenstern. Bauarbeiter montieren mit Hilfe eines Krans Bleche zur Verschönerung des Gebäudes. Noch ist nicht alles fertig – aber man liege voll im Zeitplan.

In einem Monat, so Frießer, gebe sich im zum VIP-Bereich umfunktionierten WM-Turm die Polit-Prominenz die Klinke in die Hand. Das norwegische Königshaus mit König Harald und Königin Sonja habe sein Kommen offiziell bestätigt. „Auch den russischen Präsidenten haben wir eingeladen“, erwähnt Frießer, der auch auf Minister aus Österreich und Deutschland hofft. Die Seefelder Hotels seien gerüstet, Diskretion wird großgeschrieben. Die Stars bei der WM sollen aber die Sportler bleiben, um die sich bei der zweiten WM am Hochplateau nach 1985 alles drehen wird.

Der aus Holz gebaute WM-Turm soll ein neues Wahrzeichen für Seefeld werden, während der Wettkämpfe werden dort VIP-Gäste empfangen.
Der aus Holz gebaute WM-Turm soll ein neues Wahrzeichen für Seefeld werden, während der Wettkämpfe werden dort VIP-Gäste empfangen.
- Foto TT / Rudy De Moor

Auf beiden Seiten des WM-Turms befinden sich die Aufbauarbeiten der temporären Tribünen in der Endphase. Auf einen Zielsprint wollen es Ferenc Szücs und sein Team von der ungarischen BL-Crew nicht ankommen lassen, wie er scherzhaft betont. Bis zum 8. Februar müsse man fertig sein, dann rücken die TV-Stationen an. 9000 Sitzplätze gibt es im Langlaufstadion, im Skisprungstadion sei ingesamt Platz für bis zu 15.000 Personen. Auf Fahnen und Dekoration wird noch verzichtet, man will nicht alles nochmal ausschaufeln müssen.

Seefeld ist viel Schnee gewohnt, die Rekordmarke von 283 Zentimetern Neuschnee sei aber eine Herausforderung. Ein Bagger ist ununterbrochen im Einsatz, um die Parkplätze beim WM-Stadion freizuräumen. „Ein Problem wäre es für uns nur dann, wenn es unmittelbar vor der WM viel schneit“, kalmiert WM-Loipenchef Martin Tauber. Teilweise müssen die Strecken noch von den enormen Schneemassen befreit werden, gearbeitet werde vorwiegend in der Nacht, damit die Touristen untertags ungestört langlaufen können. Kurios: Auf den kompakten Kunstschnee wolle man dennoch nicht verzichten, man wirft weiter Schneekanonen an.

„Seefeld ist jetzt schon ziemlich bereit“, sagt Frießer, der sich schon auf die Medaillenfeiern beim Seekirchl freut. „Ich bekomme fast ausschließlich positives Feedback von den Seefeldern und Gästen.“ Die Region sei im Zeitraum der WM längst ausgebucht. Der WM-Vorverkauf beläuft sich auf derzeit 125.000 Tickets von 270.000 verfügbaren Karten. Neben den Deutschen (1/3 der Tickets) werden auch Tausende norwegische Langlauffans erwartet. Aus dem geplanten „Wikinger-Camp“ wurde aus „behördlichen Gründen“ leider nichts, erklärt Frießer. Die Fans müssten auf Hotels oder den Campingplatz im Ort ausweichen.

Nach der letzten WM 1985 erlebte Seefeld die touristisch stärksten Jahre. Dieses Mal erwartet man zehn Prozent Gästezuwachs. Mehr noch: Die Investitionen in die Infrastruktur (Bahnhof, Schanzen und Loipen, Beschneiungsanlage) sollen nachhaltig sein. Während bei der WM rund 470 Container notwendig sind, könne man das traditionelle Seefeld-Triple der Nordischen Kombination künftig fast ohne Zusatzaufbauten abwickeln.

Dass dem japanischen Überflieger Ryoyu Kobayashi die Toni-Seelos-Schanze in Seefeld wie zuletzt am Berg­isel zu klein werden könnte, sieht Frießer gelassen. „Wir haben eine Eisspur, die ist etwas langsamer.“ Am Bergisel musste man hingegen reagieren. Für den WM-Höhepunkt der Spezialspringer in Innsbruck werden gleich sechs neue Anfahrtsluken gebaut. Damit können die Stars gefahrlos über die Großschanze in den Hexenkessel springen.

Nordische Ski-WM in Zahlen

Medaillen: Bei zu erwartenden 700 Millionen TV-Kontakten werden 21 Medaillen in drei Sportarten vergeben: Langlauf (Damen, Herren), Skisprung (Damen, Herren) und Nordische Kombination (letztmals nur Herren). 700 Athleten aus 60 Nationen sind am Start. 1000 Medienvertreter berichten, 1200 Mitarbeiter und Volunteers sollen für einen reibungslosen Ablauf sorgen. Bisher wurden 125.000 Tickets im Vorverkauf abgesetzt.

Platz für Ehrengäste: VIP-Zelte, Gold: Seefeld 750; Innsbruck 400; Silber, Seefeld: 380; Innsbruck: 150 im Restaurant 1809. Austrian Friends: Seefeld Sportalm: 150; Bergisel am Springerstüberl 550.

Bergisel-Besonderheiten: Vier Medaillenentscheidungen (je zwei Kombination und Skisprung), 50.000 Karten (Qualifikation Skisprung und deren zwei Bewerbe), die Karten für die Kombination werden in Seefeld mitgerechnet. Sechs neue Anfahrtsluken wurden installiert. Über eine temporäre Arbeitslicht-Anlage wird diese Wochen entschieden.