Letztes Update am Fr, 01.02.2019 08:51

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Ski Alpin

Kitzbühel-Sieger Paris: „Strecken müssen wieder schwieriger sein“

Nach seinem dritten Abfahrts-Sieg in Kitzbühel fordert der Südtiroler Dominik Paris (29), dass der Skifahrer mehr im Fokus steht als das Material.

Nicht nur bei den kleinen Autogrammjägern steht Dominik Paris derzeit hoch im Kurs.

© Thomas BöhmNicht nur bei den kleinen Autogrammjägern steht Dominik Paris derzeit hoch im Kurs.



Herr Paris, Sie ließen schon nach Ihrem ersten Abfahrtssieg in Kitzbühel 2013 damit aufhorchen, dass die Feier „legendär“ gewesen sei. Mehr noch als 2017. Wie sah die Feier nach dem dritten Streif-Sieg am vergangenen Wochenende aus?

Dominik Paris: Es lief alles ruhiger ab durch den Programmwechsel mit der Abfahrt am Freitag und dem Super-G am Sonntag. Dazu kommt der dichte Kalender mit den Rennen in Garmisch-Partenkirchen. Die Kandahar-Abfahrt ist immer sehr intensiv. Deswegen fiel die Feier gemütlicher aus.

Aber drei Siege auf der berüchtigten Streif – nur Didier Cuche (5) und Franz Klammer (4) haben mehr. Etwas, das man sich ganz vorne auf die Visitenkarte schreiben will?

Paris: Der Erfolg macht mich sehr stolz. Aber jetzt bin ich mittendrin in meiner Karriere und denke nicht an solche Dinge. Ich will jetzt in erster Linie gute Rennen fahren, will schnell und vorne mit dabei sein. Irgendwann, wenn ich dann in der Ski-Pension bin, kann ich über solche Bestmarken nachdenken.

Der Cuche-Rekord würde Sie aber schon reizen?

Paris: Abwarten. Da können wir nach der Karriere noch mal darüber reden. (lacht)

Sie haben je viermal auf der Stelvio von Bormio und der Streif von Kitzbühel gewonnen (je dreimal Abfahrt und einmal Super-G, Anm.) – acht Ihrer zwölf Siege auf den schwierigsten Speed-Strecken im Weltcup. Welche Piste liegt Ihnen mehr?

Paris: Bormio, muss ich sagen, liegt mir schon richtig gut. In Kitzbühel bin ich früh draufgekommen, wie man schnell fährt. Das ist entscheidend. Wenn ich gut in Form bin, weiß ich, dass ich schnell bin und mit den anderen mithalten kann. Aber genau wissen tut man das natürlich nie.

Sie haben sich von der Favoritenrolle nicht beeindrucken lassen …

Paris: Ich lasse mich von so etwas nie beeinflussen. Ich muss für mich selber fahren, bin immer alleine unterwegs, habe alles selbst in der Hand. Ich kann entscheiden, wie viel ich riskiere und ob es mir auch gelingt, was ich mache. Also Favorit oder nicht Favorit – das ist unwichtig. Am Ende musst du es ins Ziel bringen, das ist der Unterschied.

FIS-Renndirektor Markus Waldner sprach zuletzt davon, dass die Abfahrtspisten wieder unruhiger werden sollen, damit die Fahrer mehr die Geschwindigkeit spüren und vom Material her weniger riskieren können. Er nannte Sie als einen starken Befürworter.

Paris: Ich bin der Meinung, dass die Strecken generell wieder schwieriger gestaltet sein müssen. Schon alleine für den Zuschauer ist das wichtig. Aber auch für uns Athleten. Wir trainieren sehr hart. Der Skifahrer kommt auf schwierigeren Strecken besser zur Geltung. Der Beste ist dann der, der am besten mit den Verhältnissen umgehen kann. Auch für die Sicherheit ist es nicht viel schlechter. Denn dann muss der Athlet stabil über dem Ski stehen und kann nicht mehr so viel riskieren. Damit verhindert man Verschneider, wie sie zuletzt vorgekommen sind. Und es kommt nicht mehr zu solch blöden Situationen bei den Sprüngen, wo man sich überschlagen kann.

Spürt der Fahrer bei unruhigeren Strecken mehr das Tempo?

Paris: Die Anspannung ist dann einfach höher. Der Fahrer muss auf alles gefasst sein. Für mich wäre das sicher nicht schlechter.

Aber es ist ein zweischneidiges Schwert. Gerade in Kitzbühel passierte schon viel …

Paris: Es kommt am Ende immer auf das Wetter und die Sicht an. 2016 (schwere Stürze u. a. von Reichelt und Svindal, Anm.) haben wir die Tore fast nicht mehr gesehen. Die Piste sowieso nicht. Dann wird es logischerweise schwieriger. Aber ich wünsche mir, dass es wieder knackiger ist.

Wünschen Sie sich neben dem Streif-Erfolg auch noch den WM-Titel?

Paris: Mir ist der Weltcup genauso wichtig. Aber wenn die WM ansteht, zählt nur noch das Rennen.

Ebenso wie die kleine Kugel im Abfahrts-Weltcup?

Paris: Auch wichtig. Aber da rechnen wir am Ende ab.

Das Gespräch führte Roman Stelzl