Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 09.02.2019


Aare 2019

Herren-Abfahrt: Ein Kampf auf Biegen und Brechen

Auch wenn die WM-Abfahrt der Herren heute (12.30 Uhr, TT.com-Live-Ticker) unter keinem guten Stern steht, sagen vier Österreicher den Favoriten um Dominik Paris und Beat Feuz den Kampf an. Plan B ist ein Super-Sonntag.

Als dritter Athlet der WM-Geschichte könnte der Südtiroler Dominik Paris nach dem Super-G auch die Abfahrt gewinnen.

© Als dritter Athlet der WM-Geschichte könnte der Südtiroler Dominik Paris nach dem Super-G auch die Abfahrt gewinnen.



Aus Aare: Roman Stelzl

Aare – Tief getrübt war gestern der Blick zum Start­bereich der WM-Rennen. Die feuchte Luft hatte milde Temperaturen und dicke Wolken ins schwedische Aare gebracht. Der starke Wind sollte dabei erst ein Vorgeschmack auf das sein, was bei der heutige Herren-Abfahrt (12.30 Uhr, ORF eins) mit 70 km/h über die Piste fegt. „Wenn der Wetterbericht stimmt, werden wir nicht fahren“, blickte FIS-Renndirektor Markus Waldner voraus. Die spätestmögliche Startzeit ist bereits um 14 Uhr – so wie im gestrigen Abschluss-Training wird vermutlich ein Sprint-Rennen von gut 52 Sekunden Länge stattfinden.

Für die Favoriten ändert sich damit in der Vorbereitung nichts. Nach seinem Goldauftritt am Mittwoch im Super-G und seinen Saisonsiegen in Kitzbühel und Bormio rangiert der Südtiroler Dominik Paris erneut an der Spitze der Sieganwärter. Der 29-Jährig­e, der im gestrigen Training Bestzeit fuhr, könnte nach der Salzburger Legende Hermann Maier (1999) und US-Star Bod­e Miller (2005) erst der dritte WM-Athlet sein, dem das Speed-Double gelingt.

Doch die Liste an Herausforderern ist lang – und sie führt neben dem Namen des Schweizer Titelverteidigers Beat Feuz auch drei Österreicher. Matthias Mayer ist nach seiner Super-G-Pleite und Bestzeit im ersten Trainingslauf heiß auf sein erstes WM-Gold nach zwei Olympiasiegen (2014 Abfahrt, 2018 Super-G). „Ich glaube, dass es eine sehr knappe Entscheidung werden wird. Die Strecke ist sehr schnell und verzeiht keine Fehler“, blickte der 28-Jährige voraus.

Wollen um die Medaillen mitreden: Mayer, Kriechmayr, Striedinger und Reichelt.
Wollen um die Medaillen mitreden: Mayer, Kriechmayr, Striedinger und Reichelt.
- APA/TT Montage

Sein vierter und bis dato letzter Weltcupsieg datiert am 14. März 2018. In der Abfahrt von Aare. Zeitgleich mit dem Oberösterreicher Vincen­t Kriechmayr, der nach Silber im WM-Super-G und seinem Sieg beim Klassiker von Wenge­n zu den heißesten Favoriten zählt.

Der 27-jährige Linzer stellt sich „befreit vom Druck einer Medaille“ auf eine harte Herausforderung ein. „Es geht sehr schnell dahin. Ich glaub­e, hier gewinnt der, der das meiste Risiko nimmt“, erklärte Kriechmayr. Den Favoriten­kreis schätzt auch er aufgrund der drohenden geringen Streckenlänge als sehr groß ein.

Da könnte auch der erfahrene Salzburger Hannes Reichelt ein Wörtchen mitreden. Der Super-G-Weltmeister von 2015 fand sich auf der Strecke am 1420 Meter hohen Åreskutan noch nicht ganz zurecht. „Es geht richtig ans Limit hier. Zum Zuschauen ist das sicher spannend“, meinte Reichelt. Der Kärntner Otmar Striedinger, Dritter der Abfahrt von Kitzbühel, ist Außenseiter.

Dagegen könnte der letzte Auftritt des Norwegers Aksel Lund Svindal im „Heimrennen“ noch einmal ein ganz großer werden: „Ich will in diesem Rennen ein letztes Mal alles geben.“

Was nun aber die Renndaue­r betrifft, könnte die wider Erwarten noch ansteigen: Für heute morgen ist laut Markus Waldner ein etwa 20 Sekunden langes Training vom Abfahrts- zum Super-G-Start angedacht, damit gemäß dem Regelement auf ganzer Strecke gefahren werden kann, „Plan B ist ein Super-Sonntag mit Damen- und Herren-Abfahrt“, schloss Waldner. Und das gab es ja schon bei der WM 2017 in St. Moritz.