Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 11.02.2019


European Youth Olympic Festival

1000 Nachwuchssportler atmen olympisches Flair

Olympia 1984 und der blutige Krieg in den 1990er-Jahren sind Vergangenheit. Die Zukunft von Sarajevo sind die Jugend-Winterspiele.

Die EYOF 2019 wurden gestern eröffnet. Die Tirolerin Anna Gandler war Österreichs Fahnenträgerin.

© GEPA picturesDie EYOF 2019 wurden gestern eröffnet. Die Tirolerin Anna Gandler war Österreichs Fahnenträgerin.



Aus Sarajevo: Alois Moser

Sarajevo – Mit der Tiroler Biathletin Anna Gandler als Fahnenträgerin wurde gestern in Sarajevo (BIH) das 14. European Youth Olympic Festival (EYOF) feierlich eröffnet. „Es war ein ganz spezieller Moment, an den ich mich für immer erinnern werde“, erzählte die 18-jährige Tirolerin, die erst kurz vor dem Abflug nach Bosnien erfahren hatte, dass sie die rot-weiß-rote Fahne tragen darf. „Es ist eine tolle Überraschung und eine Riesenehre“, sagte die Athletin des Kitzbüheler Ski-Clubs. Sie hat sich für ihre EYOF-Premiere auch sportlich einiges vorgenommen. Von heute bis Freitag geht es um die begehrten Medaillen.

34 Athleten und Athletinnen aus Österreich schickt Delegationsleiter Christoph Sieber in sechs Sportarten (Biathlon, Curling, Eiskunstlauf, Langlauf, Ski alpin, Snowboard) ins Rennen. Insgesamt sind 1000 Nachwuchssportler aus 46 Nationen bei den „Europäischen Olympischen Jugend-Winterspielen“ dabei. Heute darf Österreich im ersten Damen-Bewerb (RTL oder Slalom, je nach Wetter) gleich auf die erste Medaille hoffen. Für Tirol gehen Karolina Auer und Tina Schädle ins Rennen.

„Die jungen Athleten sollen olympische Luft schnuppern, die Atmosphäre aufsaugen und Erfahrungen sammeln“, erklärte ÖOC-Generalsekretär Peter Mennel, der sich besonders darüber freut, dass Österreich erstmals ein Curling-Team stellen kann.

Das rund 300.000 Einwohner zählende Sarajevo will mit der Ausrichtung der Spiele nach schwierigen Jahren Aufbruchstimmung vermitteln. 1984 wurden in der Partnerstadt von Innsbruck bereits Olympische Winterspiele veranstaltet. Das österreichische Team gewann eine einzige Bronzemedaille durch Anton Steiner in der Abfahrt und belegte damit im Medaillenspiegel nur den 17. Platz.

Nicht einmal zehn Jahre später wurde Sarajevo von den blutigen Wirren des jugoslawischen Bürgerkriegs erfasst. Bobbahn und Skisprungschanze waren Ziele von Kriegshandlungen und stehen bis heute als Mahnmale in der Landschaft. Die Wunden des Bosnienkriegs sind inzwischen zunehmend verheilt. Als „Symbol des Friedens“ wurde im April 2018 die zerstörte Seilbahn auf den Trebevic, den Hausberg der Hauptstadt, wiederaufgebaut. Die Kabinenbahn bringt Touristen und Bewohner aus dem Zentrum auf den 1160 Meter hohen Gipfel. Österreichs Athleten indes hoffen auf sportliche Höhepunkte.

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