Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 14.02.2019


EYOF

„Wir machen den Sportlern bewusst Druck“

Lokalaugenschein bei den jugendlichen rot-weiß-roten Athleten und Athletinnen im Olympischen Dorf des EYOF in Sarajevo.

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© ÖOC/gepa



Aus Sarajevo: Alois Moser

Sarajevo – Der Begriff „Olympisches Dorf“ führt zumindest beim EYOF, den Europäischen Olympischen Jugend-Winterspielen in Sarajevo, in die Irr­e: Kein ganzes Dorf ist es, das die jungen Sportler zwischen 14 und 18 Jahren bewohnen, sondern zwei große benachbarte Hotels, die auf und auf mit Flaggen behangen sind. Aber erst im Gebäudeinneren zeigt sich das wahre Leben im „Olympischen Dorf“.

Schon im Foyer des großen Hotelkomplexes herrscht ein reges Gewusel: Jede Nation hat ihr eigenes buntes Olympia-Outfit, und hier laufen sie alle durcheinander. Nicht nur die jungen Sportler, um die sich alles dreht – auch Betreue­r und EYOF-Helfer schwirren hilfsbereit umher.

Den „Österreicher-Stock“ kann man nicht verfehlen: Direkt am Lift hängt ein „Austria“-Banner, und auch die Athleten haben ihre Türen mit Rot-Weiß-Rot geschmückt. „Unser Ziel ist es, ein Wir-Gefühl zu erzeugen“, unterstützt Christoph Sieber seine Schützlinge. Beim Olympiasieger im Windsurfen 2000 und nunmehrigen ÖOC-Sportdirektor laufen vor Ort alle Fäden zusammen. „Ich bin quasi das Mädchen für alles“, erzählt der mittlerweile 48-Jährige: „Meine Tür steht den Athleten den ganzen Tag offen.“ Schon kommt eine junge Sportlerin herein: Ein­e neue Hose vom offiziellen Ausstatter muss her. Nur eine von vielen Herausforderungen für Sieber und sein Team: „Während der Spiele sind wir die ganze Zeit mit Troubleshooting beschäftigt.“

Die eigentliche Vorlaufzeit olympischer Turniere beträgt mehrere Jahre – doch auch eine Veranstaltung wie das EYOF dient der Vorbereitung: Junge Athleten sollen für ein Dasein als Leistungssportler und im Idealfall auch für eine Teilnahme an den „großen“ Olympischen Spielen gerüstet sein. „Wir wollen die jungen Sportler bestmöglich auf zukünftige Herausforderungen vorbereiten. Dazu setzen wir sie bewusst unter Druck. Und wir machen sie mit den Nebengeräuschen eines großen Turniers bekannt.“ Dazu gehören auch Dopingtests, das Einhalten der Dresscodes und Interviews.

Letztere können zumindest Philip Wieser nicht schrecken: Der österreichische Langläufer bewohnt mit seinen drei Mitstreitern gemeinsam ein Zimmer. „Wir verstehen uns gut“, so der 17-Jährige. Zumindest, solange die Musik passt: „Wir haben eine Box mitgebracht und wechseln uns als DJ ab.“ Bei den EYOF kommt man natürlich mit anderen Sportarten in Kontakt. „Am Abend läuft immer g’scheit der Schmäh“, schmunzelt der Niederösterreicher. Auch international: Neben den Österreichern wohnen zudem Deutsche und Franzosen am gleichen Gang. Der olympische Geist wird also auch in der Unterkunft gelebt – manchmal muss dann aber der Delegations­chef seines Amtes walten. „Ab und zu braucht es meine Autorität, um sie ins Bett zu schicken“, lächelt Sieber.

Denn trotz aller Professionalität sind es Jugendliche, die sich hier messen: „Wir freuen uns über Erfolge, aber Medaillen sind nicht das oberste Ziel.“ Das Wetteifern fängt noch früh genug an ...




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