Letztes Update am Do, 14.02.2019 10:20

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Seefeld 2019

Der Countdown läuft: Seefeld schließt den Tiroler WM-Reigen

Kletter- und Rad-Weltmeisterschaft übertrafen im Herbst bisher alle Erwar­tungen. Nächste Woche soll „Dorit“ mit strahlendem Sonnenschein dem „Winter Wonderland Seefeld“ bei der Nordischen Ski-WM ebenfalls ein Hoch bescheren.

Nicht nur die Zuschauer wollen im Zielgelände hautnah mit dabei sein, auch die ORF-Moderatoren wollen nichts verpassen. Der beste Blickwinkel wird deshalb anvisiert.

© TT/Rudy De MoorNicht nur die Zuschauer wollen im Zielgelände hautnah mit dabei sein, auch die ORF-Moderatoren wollen nichts verpassen. Der beste Blickwinkel wird deshalb anvisiert.



Von Peter Nindler und Marco Witting

Seefeld — Drei Weltmeisterschaften innerhalb weniger Monate sorgten doch für ein gewisses Stirnrunzeln bei den politisch Verantwortlichen im Land. Doch nach der Rad-Weltmeisterschaft Ende September mit der unerwarteten Begeisterung und dem positiven Zuschauer­echo — vor allem in der Tiroler Bevölkerung — hellte sich die Stimmung merklich auf. Wohl auch deshalb, weil bei den Vorbereitungen in Seefeld so ziemlich alles wie am Schnürchen lief. Darüber hinaus kam noch rechtzeitig der Schnee.

Zu viel, aber er verwandelte die Olympiaregion in ein, wie es der Generalsekretär des Österreichischen Skiverbands Klaus Leistner ausdrückt, „Winter Wonderland". Und das pünktlich eingetroffene Hoch „Dorit" soll jetzt für perfekte Winterbilder aus Seefeld sorgen.

Am Dienstag startet die Nordische Skiweltmeisterschaft, Mittwochabend folgt die offizielle Eröffnung. Der Tiroler Sportreferent LHStv. Josef Geisler weist zum einen auf die lange Tradition von Seefeld im nordischen Sport hin, andererseits auf die Nachhaltigkeit. „Nur so machen Bewerbungen für sportliche Großereignisse in Tirol überhaupt Sinn."

Schanzen und Loipen sind für die 717 Sportler bereits in bestem Zustand.
Schanzen und Loipen sind für die 717 Sportler bereits in bestem Zustand.
- TT/Rudy De Moor

Für ihn wurde der Grundstein für den Erfolg und den internationalen Ruf Seefelds im nordischen Skisport mit den Olympischen Spielen 1964 gelegt. Weitere Großveranstaltungen hätten dieses Image gefestigt. „Die Nordische Ski-WM 2019 ist der vorläufige Höhepunkt einer erfolgreichen und qualitätsvollen sportlichen und touristischen Entwicklung der Region."

"Ein Mehrwert auf Jahre"

Geisler will den Blick aber nicht nur auf die kommende Weltmeisterschaft richten. Denn im Rahmen der Vorbereitungen auf die Titelkämpf­e sei das Sportangebot für die Bevölkerung, die Gäste und die vielen in der Region trainierenden Vereine sowie Mannschaften weiter ausgebaut worden. „Am Seefelder Plateau stehen nunmehr 246 perfekt präparierte Loipenkilometer zur Verfügung. Vier Kilometer Loipe wurden neu gebaut, weitere zwei Kilometer ausgebaut, ein Teil der Loipen kann vollautomatisch beschneit werden."

Tägliches Bild: die Loipenraupe inmitten eines "Winter Wonderland".
Tägliches Bild: die Loipenraupe inmitten eines "Winter Wonderland".
- TT/ Rudy De Moor

Wo früher Straßen und Wanderwege die Loipen querten, würden jetzt Unterführungen und Brücken ein ungehindertes Langlaufvergnügen ermöglichen. „Das ist ein Mehrwert auf Jahre", betont der Sportreferent. Seit dem Zuschlag für die Weltmeisterschaft vor fünf Jahren habe man in Summe mehr als 50 Millionen Euro in Seefeld investiert. Ein Teil davon entfällt auf die Modernisierung des Bahnhofs.

Tirol will sich damit natürlich im nordischen Sport positionieren. Geisler: „Mit der Infrastruktur kommen die Sportlerinnen und Sportler. Die Olympiaregion ist nicht nur ein Anziehungspunkt für Gäste, sondern auch für viele Tiroler." Als Kompetenzzentrum für den nordischen Skisport nehme Seefeld zudem eine wichtige Rolle im Leistungs- und Nachwuchssport ein. Neben internationalen Mannschaften absolvierten unzählige heimische Vereine in Seefeld ihr Training und würden dort ebenfalls ihre Nachwuchsbewerbe abhalten. „Allein 38.000 Sprünge wurden im vergangenen Jahr auf den beiden Schanzen in Seefeld gezählt", bilanziert Geisler.

Zahlreiche Ehrengäste

Nicht nur sportlich ist die WM ein Highlight für Tirol, abseits der Loipen und Schanzen dürfte für viel Gesprächsstoff gesorgt sein. Namhafte Vertreter aus Politik und Wirtschaft haben sich angesagt. Auch gekrönte Häupter. Eine ständig länger werdende Liste an Ehrengästen registriert man im Büro des Organisationskomitees.

Christian Scherer sieht darin eine „groß­e Freude, dass wir nicht nur die besten Sportler der Welt zu Gast haben, sondern auch viele Persönlichkeiten". Auch wenn diesbezüglich wohl noch vieles geheim bzw. noch gar nicht fix ist, kein Geheimnis ist die Anwesenheit von Mitgliedern der Königshäuser aus Schweden und Norwegen. „Das läuft alles meist über die Botschaft. Aus Norwegen war man schon vor einiger Zeit hier und hat sich die Wettkampfstätten und Unterbringungsmöglichkeiten angesehen", sagt Scherer. Danach geht es in die Detailplanung, um etwa die Anreisen abzustimmen.

Die Abholung am Rollfeld des Innsbrucker Flughafens übernimmt die Repräsentationsabteilung des Landes, den Personenschutz das Bundesamt für Verfassungsschutz — und leitet entsprechende Anfragen an die Tiroler Polizei weiter. „Wir haben ja auch sonst Königshäuser und internationale Politiker bei uns auf Skiurlaub zu Gast. Darum ist das eigentlich nichts Besonderes", sagt Erich Lettenbichler vom Landespolizeikommando. Die einzige Herausforderung sei, dass die Gäste eben noch eine Sportveranstaltung besuchen.

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- TT/ Rudy De Moor

Von Kanzler Kurz bis Söder

In Vertretung von Sportminister und Vizekanzler Heinz-Christian Strache wird Verteidigungsminister Mario Kunasek für die Bundesregierung an der Eröffnung teilnehmen. Strache hat sich derweil das Springen auf der Großschanze am Bergisel rot im Terminkalender eingerahmt, Kunasek ein Treffen mit seiner deutschen Amtskollegin Ursula von der Leyen.

Bundeskanzler Sebastian Kurz will ebenfalls einen Abstecher nach Seefeld machen, bei der WM dürfte es darüber hinaus zu einem nachbarschaftlichen Treffen zwischen Landeshauptmann Günther Platter und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder kommen. Der chinesische Sportminister Gou Zhongwen mit Peking 2022 im Hinterkopf und Polens oberster Sportchef Witold Banka reisen ebenfalls zur WM an.

Ski-WM im TV: 60 Stunden live mit 100 Kameras
  • Noch genießt Werner Mitterer den Blick von der Sprungschanze in Seefeld aus: mit ORF-Kollegen und Journalisten. Ob die Bergkulisse bei strahlendem Wetter, das fertig aufgebaute Stadion oder präpariert­e Rennstrecken — von dort oben hat der ORF-Regisseur alles im Blick. Bald muss er seine Kameras bestens im Griff haben. Dann, wenn er neben Michael Kögler, ebenso Regisseur beim ORF, die rund 100 Aufnahmegeräte dirigiert und dafür verantwortlich sein wird, dass die Bilder der Nordischen Ski-WM in Seefeld auf den Bildschirmen in der ganzen Welt gestochen scharf zu sehen sind.
  • 24 TV-Stationen versorgt der öffentlich-rechtliche Rundfunk mit Bildern, von Kanada und den USA über Europa und den Mittleren Osten bis nach China und Japan. Ob sämtliche Rennen, Eröffnungszeremonie, Analysen und Siegerehrungen, der ORF ist 60 Stunden live dabei. Bereits vor zwei Jahren hat der öffentlich-rechtliche Sender mit der Planung begonnen. „Zuerst haben wir das Nordische-WM-Gebiet Seefeld in organisatorischen Anliegen beraten, dann wurde der ORF von der chinesischen Firma Infront mit der Bildübertragung betraut", erklärt ORF-Sportchef Hans­peter Trost und fügt hinzu: „Sie ist Rechteinhaberin."
  • Lang wie die Organisations­phase wurde der Plan für die ORF-Crew von selbst: 100 Mitarbeiter werden in insgesamt 80 Containern ihren Job machen, ein detailreiches Konzept bestimmt die Standorte der 100 Kameras. Davon werden alle erdenklichen technischen Feinheiten eingesetzt, um Stimmung, Emotion, Landschaft und Sport festzuhalten, wie zum Beispiel Funk- und Schienenkameras oder eine 870 m hohe Seilkamera und Drohnen.
  • Der ORF produziert an zwei Standorten: in Seefeld und in Innsbruck, wo vom großen Bergisel-Bakken gesprungen wird. Dabei stehen fünf Übertragungswagen an verschiedenen Standplätzen, unter anderem am „Medal Plaza Seefeld" — dem ORF-Pressezentrum. Damit geht der ORF wohl gut „trainiert" auf die große Medaillen-Jagd. (lih)
Viele Einsatzkräfte, wenig Verkehr

Die Veranstalter gehen von einem Sportfest in Seefeld während der WM aus. Bedrohungsszenarien gibt es keine, trotzdem sei man natürlich wachsam. Insgesamt 400 Polizisten sind im Einsatz. Ein Teil ihrer Aufgabe wird auch die Verkehrsüberwachung sein. Denn eines ist klar: Während der WM soll Seefeld möglichst autofrei sein.

Ein breites Öffi-Angebot, Shuttle-Dienste und rund 4000 Parkplätze sollen trotz der zu erwartenden 200.000 Besucher einen reibungslosen Ablauf garantieren.

Mit einem gültigen WM-Ticket können tirolweit sämtliche VVT-, IVB- und ÖBB-Verbindungen an dem auf der Eintrittskarte angegebenen Tag kostenfrei genutzt werden. Ausgenommen sind die Fernverkehrszüge (Railjet usw.) der ÖBB. Seit einigen Wochen bekommen Besitzer eines VVT-Jahres-Tickets zudem eine 10-%-Ermäßigung auf die WM-Tickets (Aus­nahme VIP-Tickets), und sollten Einzelne schon ein WM-Ticket gekauft haben, gibt es vor Ort einen gleichwertigen Gutschein für ihre Konsumation.

In Bayern können ab 20. Februar alle Züge der Werdenfelsbahn (ab München) an dem auf der Eintritts­karte angegebenen Tag kostenfrei zur Fahrt genutzt werden. Informationen zu allen Verbindungen in Tirol finden Fans und Akkreditierte unter fahrplan.vvt.at und auf der SmartRide-App. Für Fahrten nach und aus Bayern dient die Auskunft der DB als Informationsquelle.

Einige Straßensperren gibt es rund um Seefeld während der WM-Tage. Das betrifft die L36 Möserer Straße zwischen Seewaldalm und WM-Halle und die L14 Leutascher Straße zwischen Zufahrt Gschwandtkopf und WM-Halle an allen Veranstaltungstagen von 8 bis 18 Uhr. Die Z