Letztes Update am Sa, 23.02.2019 18:44

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Ski Alpin

Goggia im Zeitnehmungs-Chaos unangetastet, Schmiedhofer Vierte

Die Zeitmessung war mehrmals ausgefallen, kurioserweise nach vier Schweizer Läuferinnen. Der ÖSV legte Protest gegen die Wertung ein. Schmidhofert baute die Führung im Abfahrtsweltcup aus. Weltmeisterin Stuhec zog sich einen Kreuzbandriss zu.

Musste lange Zeit um ihren Sieg bangen: Sofia Goggia.

© KEYSTONEMusste lange Zeit um ihren Sieg bangen: Sofia Goggia.



Crans-Montana - Topfavoritin Sofia Goggia hat in der durch zahlreiche Unterbrechungen geprägten Damen-Abfahrt in Crans-Montana die Nerven behalten und ihren ersten Weltcupsieg nach Knöchelbruch geholt. Die Italienerin setzte sich vor den Schweizerinnen Joana Hählen (+0,36 Sek.) und Lara Gut-Behrami (0,45) durch. Nicole Schmidhofer (0,52) verlor Stunden nach dem Rennen nach erneuter Zeitenüberprüfung Rang drei.

Die Zeitmessung war gleich mehrmals ausgefallen. Kurioserweise nach den vier Schweizer Läuferinnen Jasmine Flury, Hählen, Gut-Behrami und Priska Nufer, die alle mit einem "did not finish" ins Ziel kamen, später aber eine Zeit erhielten. Am Ende des Rennens teilte der Ski-Weltverband mit, dass das Ergebnis vorerst inoffiziell sei und alle Zeiten nochmals überprüft werden.

Gleich zweimal musste die Jury rechnen, da es Unklarheiten mit der Regelauslegung bei Handstoppung gab. Im Laufe des Nachmittags ergab das nach Errechnung eines Koeffizienten für drei der vier Schweizerinnen eine Verbesserung. Schmidhofer wurde von Gut-Behrami überholt und rutschte als nun Vierte noch vom Podest, baute die Führung im Abfahrtsweltcup aber aus. Der Österreichische Skiverband (ÖSV) hat anschließend gegen das offizielle Resultat der Damen-Abfahrt Protest eingelegt. Der Protest wird nicht mehr an diesem Wochenende behandelt.

Zuerst durfte Nici Schmidhofer über Platz drei jubeln, musste sich später mit Rang vier begnügen.
Zuerst durfte Nici Schmidhofer über Platz drei jubeln, musste sich später mit Rang vier begnügen.
- KEYSTONE

Für Goggia war es der insgesamt sechste Weltcupsieg ihrer Karriere, der erste seit elf Monaten und nach ihrer Fußverletzung im vergangenen Oktober. Schmidhofer hat im Disziplinweltcup 414 Zähler auf dem Konto, gefolgt von Ramona Siebenhofer (354), der Slowenin Ilka Stuhec (343) und Stephanie Venier (335). Im Gesamtweltcup führt souverän die derzeit pausierende US-Amerikanerin Mikaela Shiffrin mit 1.794 vor der Slowakin Petra Vlhova (1.075) und der Schweizerin Wendy Holdener (783) sowie Schmidhofer (667).

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Das wegen der warmen Temperaturen und hoher Sonneneinstrahlung auf die Piste so früh angesetzte Rennen zog sich zäh wie ein Brei und dauerte 2:15 Stunden. Gleich nach Startnummer eins war das erste Mal unterbrochen worden. Mitfavoritin Stuhec stürzte nach einem weiten Sprung und krachte voll auf den Rücken, fuhr selbstständig ins Ziel ab, wurde wegen Knieschmerzen aber zur Untersuchung ins Krankenhaus von Sion gebracht. Dort wurde erneut ein Kreuzbandriss festgestellt. Eine solche Verletzung hatte sie bereits im Oktober 2017 als Abfahrts-Weltmeisterin von St. Moritz zu einer Pause von einer Saison gezwungen. In diesem Winter war Stuhec zurückgekehrt und hatte in Aare erneut Gold in der Abfahrt gewonnen.

Infolge gab es mehrere Start-Stopps, als auch Lokalmatadorin Gut-Behrami ohne Zeit ins Ziel kam, buhte das Publikum bereits. In der Zwischenzeit wurde die Piste gesalzen, um die Bedingungen halbwegs fair zu halten. Topfavoritin Goggia ließ sich von den Unterbrechungen und ihrem viel späteren Rennstart nicht drausbringen und raste zum Sieg. "Ich bin nicht so gut wie im ersten Training gefahren, bin nicht so gut aus dem Starthaus gekommen", gestand Goggia, die erleichtert war "wieder auf dem ersten Platz" zurück zu sein.

Die Oberperferin Stephanie Venier war mit Rangs sechs nicht restlos zufrieden.
Die Oberperferin Stephanie Venier war mit Rangs sechs nicht restlos zufrieden.
- KEYSTONE

Auch die zweifache Saison-Abfahrtssiegerin Schmidhofer durfte letztlich zufrieden sein und freute sich nach der schiefgegangenen WM und "den zähen Trainings" über das Ergebnis. Sie habe einiges umgekrempelt. Zur Situation im Disziplinweltcup meinte sie: "Dass Ilka nicht ins Ziel gekommen ist, hat mir etwas den Druck genommen, denn der Abfahrtsweltcup ist das Ziel. Ich muss weiter konzentriert arbeiten." Geholfen habe ihr, dass man trotz des WM-Abschneides von den Medien nicht zerrissen worden und auch der Zuspruch im privaten Umfeld groß gewesen sei.

"Nicht restlos zufrieden, aber okay", befand die sechstplatzierte Venier (0,68). Ratlos zeigte sich indes Siebenhofer. "Man kann ja das Skifahren nicht in ein paar Tagen verlernt haben." Das in Aare beleidigte Band und der Knöchel bereiteten keine Probleme mehr und waren nicht Grund für Rang 23. Auch Tamara Tippler gab sich selbst die Schuld. "Ich bin schlecht gefahren. Ich habe die Strecke viel zu viel zerlegt, mir zu viele Gedanken gemacht, normalerweise drücke ich es einfach runter. Heute habe ich es runtergeleert", sagte die 17. Mirjam Puchner wurde 18., Ricarda Haaser 21., Ariane Rädler 22. und Christina Ager 24. Michaela Heider landete als 36. außerhalb der Punkteränge, Elisabeth Reisinger und Nina Ortlieb schieden aus.

Ausgeschieden ist auch die Französin Tiffany Gauthier, ob sie sich verletzt hat, ist noch nicht bekannt. (APA)

Ticker zur Abfahrt der Damen in Crans-Montana: