Letztes Update am Mo, 11.03.2019 08:46

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Blutdoping-Skandal

Hauke und Baldauf in ORF-Debatte: „Nur noch einen Ausweg gesehen“

In der Sendung „Im Zentrum“ sprachen die des Blutdopings überführten ÖSV-Langläufer über die Motive für ihre illegalen Praktiken. Scharf kritisiert wurde in der Debatte Ex-Funktionär Markus Gandler.

Max Hauke und Dominik Baldauf in der ORF-Sendung "Im Zentrum" zum Thema Doping.

© ORFMax Hauke und Dominik Baldauf in der ORF-Sendung "Im Zentrum" zum Thema Doping.



Seefeld, Wien — Am Sonntagabend waren die des Blutdopings überführten ÖSV-Langläufer Max Hauke und Dominik Baldauf zu Gast in der ORF-Sendung „Im Zentrum" zum Thema „Sp(r)itzensport — Geht's nicht ohne Doping?". Beide bezeichneten ihre Praktiken im Vorfeld und während der Heim-WM in Seefeld als „Riesenfehler".

Sein ganzes Leben sei auf diese Heim-WM ausgerichtet gewesen, sagte Hauke. „Ich war als Juniorenläufer talentiert, aber irgendwann war eine Lücke da. Im Endeffekt habe ich nur noch einen Ausweg gesehen — und dass das in Richtung Doping geht." Erst im Nachhinein sehe er nun, welche Konsequenzen auf ihn zukämen. Er würde „am liebsten zurückfahren zu dem Max damals und ihm sagen: "Hey, was machst du da?'"

Baldauf: „Leider die falsche Entscheidung"

Dominik Baldauf sagte, er und Hauke hätten irgendwann die Entscheidung zum Doping getroffen und es sei „leider die falsche Entscheidung" gewesen. „Wir waren der Meinung, wir erreichen so den Kindheitstraum. Wir glaubten, wir schaffen es alleine nicht." Noch 2014 sei für ihn eine Welt zusammengebrochen, als er vom Doping des Langläufers Johannes Dürr erfahren habe. „Ich habe mir selbst die Frage gestellt, ob das im Spitzensport notwendig ist? Und ein paar Jahre später habe ich trotzdem die Entscheidung dafür getroffen", so Baldauf.

Dass die geheimen und illegalen Praktiken nun ein Ende hätten, sei für die beiden auch eine Erleichterung. Zur Höhe der Kosten für das Doping und wie oft sie gedopt haben, wollten sie nichts sagen. Auch ob Langlauf-Kollege Dürr Kontakte genannt habe, ließen Hauke und Baldauf in der ORF-Sendung offen.

Die gesamte "Im Zentrum"-Sendung im Video

Sportjournalist sieht „Heuchelei" bei Funktionären

Einen heftigen Schlagabtausch gab es in der Sendung zwischen dem auf Doping spezialisierten Sportjournalisten Hajo Seppelt und dem früheren sportlichen Leiter für Langlauf und Biathlon im ÖSV, Markus Gandler. Als „Heuchelei" bezeichnete Seppelt, dass Funktionäre erzählten, sie würden nicht mitbekommen, was an Dopingpraktiken ablaufe. Baldauf und Hauke sieht er als Täter und Opfer zugleich.

In den aktuellen Blutdopingskandal sind bisher erwiesenermaßen sieben Langläufer und zwei Radfahrer verwickelt. Fünf davon sind Österreicher: Die Radprofis Georg Preidler und Stefan Denifl sowie die Langläufer Hauke, Baldauf und Dürr. (TT.com, ORF)