Letztes Update am Do, 09.05.2019 14:28

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Eishockey

Tiroler Ex-Teamgoalie Dalpiaz: „Die Mannschaft muss funktionieren“

Am Papier stellt Österreichs Eishockey-Team vor der nahenden A-WM eine hoffnungsvolle Truppe. Vor dem Auftakt gegen Lettland (Samstag, 16.15 Uhr) streut Tirols Team-Rekordgoalie Claus Dalpiaz seine Erfahrungen ein.

Der Kufsteiner Claus Dalpiaz war bei elf A-Weltmeisterschaften dabei.

© gepaDer Kufsteiner Claus Dalpiaz war bei elf A-Weltmeisterschaften dabei.



Innsbruck – Wer, wenn nicht Claus Dalpiaz, weiß, welcher Wind bei einem Eishockey-Großereignis weht. Der 47-jährige Kufsteiner, gleichermaßen Rekordgoalie beim ÖEHV-Team wie Legende bei den Innsbrucker Haien, stand im Lauf seiner Karriere dreimal bei Olympischen Spielen und bei elf A-Weltmeisterschaften am Eis. Den Wert der heimischen Erste Bank Eishockeyliga kann er nach neun Jahren als Servus-TV-Experte ebenfalls bestens einschätzen. Der ehemalige Hexer vom Inn traut der Truppe von Roger Bader in der Slowakei den neuerlichen Klassenerhalt, wie erstmals im Vorjahr nach 14 Jahren als „Fahrstuhlmannschaft“, ein weiteres Mal zu.

Beginnen wir ganz hinten – dort, wo Sie immer zwischen den Pfosten gestanden sind. Österreich muss bei der WM mit Bernhard Starkbaum und David Kickert auf zwei Goalies setzen, die bei ihren Klubs in dieser Saison oft nicht erste Wahl gewesen sind.

Claus Dalpiaz: Natürlich ist es schwierig, wenn man nicht permanent spielt. Deswegen bleibt dem Teamchef beim WM-Rhythmus wohl nichts anderes übrig, als auf dieser Position abzuwechseln. Und dann muss man schauen, wer letztlich besser in Form ist.

Um die Qualität machen Sie sich aber keine Sorgen?

Dalpiaz: Kickert hat in Linz untermauert, dass er brutal gut sein kann. Das hat er im Play-off-Viertelfinale gegen Graz gezeigt. Auch Starkbaum bringt das Potenzial mit sich. Wir werden auch einen Goalie brauchen, der einmal einen Traumtag hat.

Thomas Vanek (Rücktritt) war kein Thema mehr, mit Michael Grabner hat ein weiterer NHL-Crack verletzungsbedingt abgesagt, andere wie beispielsweise Rafael Rotter sind zurückgetreten. Hat diese Auswahl noch genügend Qualität?

Dalpiaz: Davon bin ich überzeugt, weil andere wie z. B. ein Peter Schneider bei den Vienna Capitals bei ihren Klubs eine sehr gute Rolle spielen. Und das Niveau in der Erste Bank Eishockeyliga ist absolut gut, wie die Auftritte von Salzburg (Halbfinal-Einzug) oder Wien in der Champions Hockey League untermauert haben. Da fehlt gegen Teams aus Schweden und der Schweiz nicht mehr so viel.

Und dennoch steckt auch ein Schuss Unerfahrenheit in den vier rotweißroten Linien.

Dalpiaz: Das Niveau der jungen Österreicher ist in den letzten Jahren stetig gestiegen. Sie spielen ein schnelles Eishockey. Die Frage wird sein, ob sie es auf diesem

Topniveau abrufen können? Es wird vielleicht auch die eine oder andere Klatsche in diesem Turnier geben, aber man darf sich davon nicht beunruhigen und vom Weg abbringen lassen.

Wer muss den Laden am meisten führen?

Dalpiaz: Wir haben erfahrene Leute und einen NHL-Crack (Michael Raffl, Philadelphia Flyers, Anm.). Aber im Prinzip ist es egal. Ohne die Superstars anderer Nationen geht es bei uns darum, dass die Mannschaft funktioniert. Der Trainer muss im Laufe des Turniers die richtige Stimmung hineinbringen, dann kann diese Mannschaft den Klassenerhalt in der Slowakei schaffen.

17 Cracks aus dem aktuellen Kader verdienen in der EBEL ihr Geld. Mit der kommenden Legionärsbeschränkung von 13 auf 11 sollten in der nächsten Saison noch mehr heimische Spieler zum Zug kommen. Wie beurteilen Sie das?

Dalpiaz: Ich kann das nur begrüßen, weil ich in der Erste Bank Eishockeyliga viel lieber einen Wachter (Haie-Angreifer Daniel, Anm.) oder Richter (KAC-Stürmer Marco, Anm.) sehe als irgendeinen mittelmäßigen Legionär. Und von denen gibt es nicht wenige. Toplegionäre wie beispielsweise ein Petersen (KAC-Topscorer, Anm.) oder DeSousa (Vienna-Star, Anm.) sind das Salz in der Suppe, aber dahinter sollen Heimische zum Einsatz kommen. Und die neue Regelung wird dafür sorgen, dass man wieder den einen oder anderen mehr spielen lassen muss. Nur so können sie lernen.

Das Gespräch führte Alex Gruber