Letztes Update am Mo, 27.05.2019 15:55

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Ski Alpin

Doping-Vorwürfe gegen ÖSV-Abfahrer Reichelt: „Jedes Hustenzuckerl überprüft“

Im Rahmen der Ermittlungen in der Operation Aderlass tauchte nun auch der Name Hannes Reichelt auf. Der ÖSV-Star ist sich keiner Schuld bewusst, sein Anwalt ortet einen Racheakt. Der ÖSV gab an, von der NADA nie über Auffälligkeiten beim 38-Jährigen informiert worden zu sein.

ÖSV-Star Hannes Reichelt sieht sich mit Doping-Vorwürfen konfrontiert.

© gepaÖSV-Star Hannes Reichelt sieht sich mit Doping-Vorwürfen konfrontiert.



Innsbruck – Nächstes Kapitel in der Akte „Operation Aderlass“: Wie die Krone berichtet, geriet ÖSV-Abfahrer Hannes Reichelt ins Visier der Ermittler. Der 38-Jährige bestätigte, er sei am Freitag von Mitarbeitern des Bundeskriminalamts stundenlang verhört worden. Der Vorwurf: Reichelt habe verbotene Medikamente eingenommen.

„Ich weiß nicht, wo das alles herkommt. Ich weiß nur, dass ich nichts getan habe. Nie, nie nahm ich irgendwelche verbotenen Substanzen ein. Ganz im Gegenteil: Ich habe sogar immer jedes Hustenzuckerl überprüft, damit ja nichts passiert!“, sagte der ÖSV-Routinier. Am gleichen Tag wurden auch der frühere Langlauf-Trainer Gerald H. und der Niederösterreicher Emanuel M., Servicemann des Schweizer Langlauf-Olympiasiegers Dario Cologna, festgenommen. Ersterer sei mit Reichelt zur Schule gegangen und habe ihm seit 2005 seine Trainingspläne geschrieben. Illegale Praktiken seien aber nie Thema gewesen.

Anwalt: „Ganz klar ein Racheakt“

Reichelt-Anwalt Hans-Moritz Pott wittert eine Verschwörung gegen seinen Mandanten. „Für mich ganz klar ein Racheakt. Es gibt keinerlei Beweise, nur irgendwelche Aussagen. Aber man braucht den Hannes ja nur anzusehen. Er ist mit Abstand der schmalste und dünnste unter den Weltklasse-Abfahrern. Ich bin zu hunderttausend Prozent sicher, dass er nie etwas Verbotenes eingenommen hat“, sagte der Rechtsbeistand der Krone.

Reichelt selbst zeigte sich jedenfalls entsetzt über die Vorwürfe: „Ich glaube, dass ich das Bauernopfer bin. Wenn du von einer Sekunde auf die andere mit solchen Anschuldigungen konfrontiert wirst, zieht es dir die Socken aus!“ Jahrelang setzte sich der Salzburger als Athleten-Vertreter bei der FIS für sauberen, sicheren und fairen Skisport ein.

ÖSV-Cheftrainer Andreas Puelacher ist unterdessen „felsenfest“ von Reichelts Unschuld überzeugt. Der Tiroler hofft auf Aufklärung durch das Bundeskriminalamt und die nationale Anti-Doping-Agentur (NADA).

ÖSV: Keine Auffälligkeiten gemeldet

Der ÖSV teilte am Montag in einer Aussendung mit, von der NADA nie über etwaige Auffälligkeiten informiert worden zu sein. Reichelt sei - wie viele andere Athleten auch - mehrmals im Jahr getestet worden. Für den Skiverband gelte die Unschuldsvermutung gegenüber Reichelt, solange kein Beweis erbracht wird, dass die Andeutungen über ihn Relevanz haben.

Die Prämisse „Null Toleranz bei Dopingvorfällen und harte Konsequenzen für wen auch immer“ sei freilich weiterhin aufrecht. (TT.com)

Liste bisher bekannter Sportler im Blutdoping-Skandal

Skilanglauf: Max Hauke, Dominik Baldauf, Johannes Dürr (alle AUT), Karel Tammjärv, Andreas Veerpalu, Algo Kärp (alle EST), Alexei Poltoranin (KAZ)

Radsport: Georg Preidler, Stefan Denifl (beide AUT), Danilo Hondo (GER), Alessandro Petacchi (ITA), Borut Bozic, Kristijan Koren (beide SLO), Kristijan Durasek (CRO)

Eisschnelllauf: Robert Lehmann-Dolle (GER)

Laut der im diesem Fall federführenden Anti-Doping-Staatsanwaltschaft München I sind nach derzeitigem Stand 21 Sportler (in der Mehrzahl Männer) aus acht Ländern und fünf Sportarten in den Fall verwickelt. Nach der Nennung von vier weiteren Namen von möglicherweise betroffenen Radprofis durch den Radsport-Weltverband (UCI) am Mittwoch sind nun 15 Aktive aus sieben Ländern bekannt.