Letztes Update am Mo, 24.06.2019 11:01

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Ski Alpin

Venier nimmt mit neuer Gondel auch neue Ziele ins Visier

Oberperfuss ehrte Skirennläuferin Stephanie Venier. Bei der Weltcupparty am Rangger Köpfl plauderte die 25-Jährige gestern über Bewährtes und Neues, Hundertstel, die sie hinter sich lässt, und Zukünftiges.

Ein Selfie mit der Gondel durfte bei Stephanie Venier nicht fehlen.

© Michael KristenEin Selfie mit der Gondel durfte bei Stephanie Venier nicht fehlen.



Von Sabine Hochschwarzer

Oberperfuss – Eine Gondel des Peter-Anich-Lifts in Oberperfuss trägt bereits ihren Namen, am gestrigen Sonntag kam eine zweite in der nun oberen Sektion II dazu. Die Kabine mit der Nummer eins Richtung Rangger Köpfl ziert jetzt ebenfalls das Konterfei von Stephanie Venier. Ein Selfie musste sein. „Wow, volle cool“, staunte sie.

Bürgermeisterin Johanna Obojes-Rubatscher ergänzte augenzwinkernd, dass es durchaus noch weitere Gondeln gebe, um Erfolge zu verewigen. Sonst müsste man eben noch einen dritten Lift bauen: „Wir würden dir das jedenfalls wünschen.“ Und Skiclub-Obmann Manuel Hujara hoffte lächelnd, das sich das „G’riss“ um die Steffi-Gondel beim Kinder-Training im Winter nun möglicherweise etwas entschärft.

Junge Blasmusiker spielten der Weltcup-Läuferin ein Ständchen.
Junge Blasmusiker spielten der Weltcup-Läuferin ein Ständchen.
- Michael Kristen

Die erste von mehreren Überraschungen schien gelungen, wie ohnehin der Tag, an dem die Oberperfer ihre „Steffi“ ausgiebig feierten. Nach Veniers Silbermedaille bei der WM 2017 hatte alles schnell gehen müssen. Für den gestrigen Sonntag – nach dem ersten Weltcupsieg im Jänner und Platz zwei im Abfahrtsweltcup – war für die „Venier-Weltcupparty“ beim Restaurant Sulzstich mehr Zeit geblieben. Familie und Freunde waren da, die Kinder des Volksschulprojekts „Oberperfuss fährt Ski“, dessen Patin Venier ist, stellten Fragen, die Bläser-Klasse trat erstmals auf, dazu begleiteten die Melachtaler Selchbuam.

Stephanie Venier lächelte gerührt, die Aufmerksamkeit auf ihrem Berg – das Elternhaus steht in Sichtweite der Talstation – ist ungewohnt. Sonst strampelt sie dort allein mit dem Mountainbike hinauf, rast wieder hinunter oder läuft Intervalle. „Es ist perfekt. Alles direkt vor der Haustüre“, schwärmt die 25-Jährige.

So geht sie auch die neue Saison an. „,Never change a winning system‘, sagt man doch, oder?“, erklärt Venier, an der gewohnten Vorbereitung festhalten zu wollen, inklusive Übersee-Wochen in Chile und Training im Innsbrucker Olympiazentrum. Mit den Kollegen dort beschritt sie aber doch auch neue Wege – mit dem Rennrad – und nahm am „Dolomitenrennen“ teil. 112 km, 2000 Höhenmeter, rund vier Stunden brauchte sie: „Das war eine tolle Erfahrung. In dem Pulk zu fahren, war voll motivierend.“ Zunächst hatte sie ihren Start dort verheimlichen wollen, als die Veranstalter es doch rausbekamen, hätte sie in der ersten Reihe losfahren dürfen, erzählt Venier.

Manuel Hujara (Obmann Skiclub Oberperfuss) und Johanna Obojes-Rubatscher (Bürgermeisterin Oberperfuss) zählten zu den Gratulanten.
Manuel Hujara (Obmann Skiclub Oberperfuss) und Johanna Obojes-Rubatscher (Bürgermeisterin Oberperfuss) zählten zu den Gratulanten.
- Michael Kristen

Geheim blieb hingegen ihre Knorpelverletzung im linken Knie während der vergangenen Saison, die sie aber mit einer Spritze in den Griff bekommen hatte. Im anderen Knie folgte dann eine weitere nach dem Winter: „Ich hätte es auch operieren lassen können, wäre dann aber sechs Monate ausgefallen. Solange es so gut läuft wie jetzt, werde ich nichts machen lassen.“ Apropos gut laufen: Für Zukünftiges hat sich Venier die Latte selbst hoch gelegt, bestätigt sie: „Die letzte Saison zu toppen wird wirklich schwer.“ Einzig die vier Hundertstelsekunden, um die sie WM-Bronze in Aare verpasst hatte, würden sie noch wurmen: „Es bleibt bitter, aber nur, wenn ich daran denke, deshalb denke ich eben nicht mehr daran.“

Venier blickt lieber nach vorn, auch wenn sie sich mit Zielsetzungen schwertun würde, weil die Gefahr von Enttäuschungen groß sei, „aber es ist klar, dass mich ein 13. Platz nicht mehr so zufriedenstellt“. Die Super-G-Ergebnisse seien jedenfalls ausbaufähig und „ja, eine große Kugel wäre auch mal schön“.

So eine Weltcup-Kugel ziert übrigens bereits ein gemaltes Porträt, das sie gestern von ihrem Skiclub erhielt. Von der Gemeinde bekam sie indes eine schicke Designer-Gürteltasche. Oberperfuss scheint „seine Steffi“ also längst bestens zu kennen.

Auch Familie und Freunde durften bei der Feier nicht fehlen.
Auch Familie und Freunde durften bei der Feier nicht fehlen.
- Michael Kristen