Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 27.06.2019


Exklusiv

Winterspiele 2026: Igls im Olympia der weiten Wege

Durchaus möglich, dass Nordtirol im Rahmen der Olympischen Winterspiele 2026 mit Igls doch noch einen Schauplatz beherbergt. Die Frage: Wird der Eiskanal von Cortina gebaut?

Der Tiroler Bobpilot Benjamin Maier 2018 im Zeichen der fünf Ringe: Heim-Olympia 2026 in Igls wäre zumindest nicht ausgeschlossen...

© gepaDer Tiroler Bobpilot Benjamin Maier 2018 im Zeichen der fünf Ringe: Heim-Olympia 2026 in Igls wäre zumindest nicht ausgeschlossen...



Von Florian Madl

Innsbruck – Olympische Spiele finden in sieben Jahren nicht zuletzt in Südtirol statt, doch auch Nordtirol könnte ungeachtet der negativ verlaufenen Volksbefragung 2017 partizipieren. Dass ein neuer Eiskanal in Cortina für rund 50 Millionen Euro gebaut werden müsste, soll das italienische Olympia-Budget (1,4 Mrd.) zwar „nicht belasten“. Aber angesichts der Agenda 2020, dem Reformpapier des Internationalen Olympischen Komitees, wäre auch eine Ausweichvariante denkbar:

Von Mailand nach Igls? 401 Kilometer. Von Cortina? 158 Kilometer? Nicht gerade Katzensprünge, aber was heißt das schon beim Olympia der weiten Wege, den Winterspielen 2026 zwischen Mailand und Cortina d’Ampezzo. 627 Kilometer beträgt die größte Distanz zwischen zwei der sieben Wettkampfstätten, dezentraler könnte eine Veranstaltung kaum sein. Das weiß auch Peter Mennel, Generalsekretär des Österreichischen Olympischen Komitees: „Für uns ist der logistische Aufwand aufgrund der zahlreichen Standorte ein hoher.“ Selbst einen Vergleich mit den Winterspielen 2018 in Südkorea (Pyeongchang) zog er: „Die Flugkosten mit Asien haben sich angesichts dieser Herausforderung bald amortisiert.“ Der Transport zwischen Veranstaltungen in Mailand und den Sportstätten in den Bergen: Die größte Schwachstelle, deshalb scheint auch Igls nicht abwegig. Kritisiert wird auch, dass Ski alpin für Herren und Damen an getrennten Orten stattfinden soll.

Noch befindet sich das Thema „Igls und Olympia 2026“ im Gerüchtestatus, was aber von internationalen Medien aufgegriffen wurde. Tirols Landeshauptmann-Stellvertreter Josef Geisler hält jedenfalls fest: „Sollte man uns fragen, ob wir die Rennen veranstalten wollen, wären wir nicht abgeneigt.“

Aus Sicht von ÖOC-Generalsekretär Peter Mennel schwingt jedenfalls Wehmut mit, wenn er an die Olympia-Entscheidung 2026 und die heimischen Chancen auf einen Zuschlag denkt: „Für Tirol wäre die Vergabe ein Elfmeter ohne Tormann gewesen.“ Die Gegner hätten die Bevölkerung lediglich verunsichert.

Der ehrwürdige Olympia-Eiskanal von 1956 kann nicht mehr revitalisiert werden – Cortina müsste um 50 Millionen Euro einen neuen bauen.
Der ehrwürdige Olympia-Eiskanal von 1956 kann nicht mehr revitalisiert werden – Cortina müsste um 50 Millionen Euro einen neuen bauen.
- imago/WEREK