Letztes Update am Mi, 17.07.2019 14:09

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Skispringen

ÖSV-Adler Kraft: „Ich werde mit breiter Brust antreten“

Skisprung-Star Stefan Kraft erzählt im TT-Interview über Ausflüge auf die Alm, seine sportliche Krise und wie er beim Sommer-Grand-Prix durchstarten will.

Stefan Kraft wartet nur noch auf das Freizeichen für die neue Saison.

© gepaStefan Kraft wartet nur noch auf das Freizeichen für die neue Saison.



Was macht Stefan Kraft im Sommer, wenn er nicht gerade an Skispringen denkt?

Stefan Kraft: Endlich jene Dinge nachholen, die schon länger zu kurz gekommen sind. Ich habe die Lederhose ausgepackt und bin zuhause in Salzburg auf die Alm. Mit Freunden zusammensitzen, grillen und baden gehen gehört auch dazu. Und ich war beim Electric Love Festival am Salzburgring, das taugt mir zum Abschalten. Ich habe mir auch vorgenommen, dabei zu sein, wenn Dominic Thiem beim Tennis-Turnier in Kitzbühel aufschlägt.

Die Vorbereitungen für die neue Saison laufen. Es wird ein Winter ohne Highlight wie Olympia oder WM. Wie hält man dennoch die Spannung hoch?

Kraft: Ich bereite mich genau gleich vor und will zurück in die Weltspitze. Ein großes Ziel ist, dass ich bei der Vierschanzentournee um den goldenen Adler kämpfe. Auch der Gesamtweltcupsieg ist ein großes Thema.

Am Wochenende beginnt der Sommer-Grand-Prix in Wisla. Was ist Ihr Ziel?

Kraft: Ich werde mit breiter Brust antreten und will ganz vorne mitmischen. Daran ändert sich nichts, ob Sommer oder Winter ist. Wichtig ist, dass ich in Wisla gleich eine gute Leistung zeige, damit ich keinen holprigen Start habe so wie letztes Jahr.

Der vergangene Winter war trotz drei Medaillen bei der Heim-WM für Sie eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Hat die Saison bei Ihnen Spuren hinterlassen?

Kraft: Auf jeden Fall, vor allem der Start in die Saison war alles andere als leicht und hat mich zum Nachdenken gebracht. Ich bin bei der Staatsmeisterschaft 23. und Fünfter geworden, da hat es weit gefehlt. Da war ich ganz weit weg von der Musik. Wenn das Selbstvertrauen fehlt, dann macht das Skispringen keinen Spaß mehr.

Gab es ein Schlüsselerlebnis, wo Sie wussten, dass es so nicht weitergehen kann?

Kraft: Das war auf jeden Fall bei der Vierschanzentournee in Garmisch, als ich den zweiten Durchgang verpasst hatte. Danach habe ich mich hingesetzt und mit den Trainern einen Plan ausgearbeitet. Ich habe stundenlang Videos geschaut und beschlossen, mich auf meine Stärken zu fokussieren. Seitdem ist es wieder richtig bergauf gegangen.

Sommer-Grand-Prix 2019

ÖSV-Aufgebot in Wisla: Gregor Schlierenzauer, Clemens Aigner (beide Tirol), Stefan Kraft, Daniel Huber, Stefan Huber (alle Sbg.), Markus Schiffner (OÖ).

Stationen: 20./21.7.: Wisla (POL), 27.7.: Hinterzarten (GER), 10.8.: Courchevel (FRA), 17./18.8.: Zakopane (POL), 23./24.8.: Hakuba (JPN), 7./8.9.: Tschaikowski (RUS), 14./15.9.: Almaty (KAZ), 21./22.9.: Rasnov (ROM), 29.9.: Hinzenbach (AUT), 3.10.: Klingenthal (GER).

Heuer möchten Sie vieles besser machen und Überflieger Ryoyu Kobayashi herausfordern.

Kraft: Ich bin bereits seit Ende Mai zurück auf der Schanze, das ist sehr früh. Ich wollte mir die Zeit nehmen und in Ruhe Material testen. Ich freue mich auf die ersten Wettkämpfe beim Sommer-Grand-Prix. Es ist eine gute Formüberprüfung.

Sie haben auch an der Skibindung herumgetüftelt.

Kraft: Man muss sich weiterentwickeln. Ich habe gesehen, dass ich im ersten Flugdrittel bei der Skiführung auf jeden Fall noch Potenzial habe. Ich brauche da irgendetwas, das es mir leichter macht. Mein Fokus liegt auf der Bindung, da hatten wir bisher ein eigenes System. Jetzt teste ich die Stabbindung, die auch Ryoyu Kobayashi oder Kamil Stoch verwenden.

Cheftrainer Andreas Felder hat mit Harald Diess und Robert Treitinger zwei neue Co-Trainer an seiner Seite. Auch in organisatorischer Hinsicht hat sich einiges verändert. Warum ist ein geregelter Trainingsablauf für Sie so wichtig?

Kraft: Damit man weiß, wie man sich sein Training einteilen soll, da braucht es einen detaillierten Plan. Neben Cheftrainer Andreas Felder übernimmt hier unser Pressebetreuer Daniel Fettner neue Aufgaben. Damit sind wir organisatorisch bestens aufgestellt. Es wird auch mehr gesprochen zwischen den Springern und den Trainern.

War das in der Vergangenheit anders?

Kraft: Letztes Jahr gab es viele neue Gesichter und da spricht man nicht alles offen an. Jetzt kennen wir uns besser und ich verstehe mich mit Andi (Felder, Anm.) sehr gut. Wenn mir etwas am Herzen liegt, kann ich zu ihm kommen.

Das Gespräch führte Benjamin Kiechl