Letztes Update am Mo, 22.07.2019 15:53

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Nordische Kombination

Neo-Coach Denifl: „Der Einzelne wird nur im Team besser“

Der ehemalige Tiroler ÖSV-Kombinierer und Fan-Liebling Willi Denifl sprach mit der TT über seine Rolle als Trainer und erzählte, warum er bereits acht Kilogramm zugenommen hat.

Der Fulpmer Willi Denifl hat seine aktive Karriere als ÖSV-Kombinierer im vergangenen Winter beendet. Beim Team-Camp im Stubai gab der 38-jährige Neo-Coach der Trainingsgruppe II seine Erfahrungen weiter.

© Michael KristenDer Fulpmer Willi Denifl hat seine aktive Karriere als ÖSV-Kombinierer im vergangenen Winter beendet. Beim Team-Camp im Stubai gab der 38-jährige Neo-Coach der Trainingsgruppe II seine Erfahrungen weiter.



Sie haben kürzlich die Trainings­gruppe II der ÖSV-Kombinierer übernommen und setzen auf Team­building im Stubai.

Wilhelm Denifl: Es ist wichtig, dass wir uns in der Mannschaft viel besser kennen lernen. Natürlich sind wir Einzelsportler, aber trotzdem: Ich versuche den Jungs zu vermitteln, dass der Einzelne nur im Team besser wird.

Sie hatten als Athlet den Ruf eines Teamplayers.

Denifl: Es ist kein Geheimnis, dass ich bereits als routinierter Athlet die Mannschaft ein bisschen geführt habe. Das Trainerdasein taugt mir voll. Mir gefällt es, für sieben junge Leute verantwortlich zu sein.

Was ist die größte Umstellung vom Athleten zum Trainer?

Denifl: Schwer fällt mir gar nichts. Ich habe schon als Athlet gerne beobachtet und mir gedacht: Wie würde ich das als Trainer in so einer Situation machen? Das Schwierigste im Team ist es, mein persönliches Engagement umzulegen auf alle anderen. Wir gehen alle in die gleiche Richtung, aber man kann es nicht auf jeden umlegen im Krafttraining oder Springen.

Ist ein neuer Willi Denifl im Team dabei?

Denifl: Es sind mit Florian Dagn, Christian Deuschl und Dominik Terzer gleich drei Tiroler dabei. Jeder für sich hat unglaubliches Potenzial, sonst wären sie nicht dabei.

Sind die Aufgaben eines Trainers heute anders als zu Beginn Ihrer Karriere?

Denifl: Ja, es ist schon anders geworden. Als ich so ein junger Hupfer war und ins Team gekommen bin, ging es nicht so individuell zu. Als Junger hat man mitmüssen, es war sekundär, ob das in der Entwicklung gut war oder nicht.

Sie zählten im Weltcup zu den stärksten Springern. Fällt es Ihnen schwer, Ihr Knowhow und Erfolgsgeheimnis nun als Trainer weiterzugeben?

Denifl: Ich helfe gerne, das hätte ich mir auch als junger Athlet gewünscht. Ob jemand auf der Schanze zu früh oder zu spät wegspringt, das sieht man gleich einmal. Aber warum das passiert und wie man das ändern kann, das sind die Feinheiten. So lange ist es ja noch nicht her, dass ich das letzte Mal von einer Schanze gesprungen bin.

Würde Sie es noch immer reizen, mitzuspringen?

Denifl: So wie mir geht es vielen Pensionisten. Man meint, dass man viel Zeit hat, und dann hat man doch wieder keine. Ich habe noch nie einen Pensionsschock gehabt. Mit Skispringen habe ich abgeschlossen. Eigentlich habe ich gesagt, ich werde nie mehr Skirollern gehen. Da bin ich umgefallen und eine Runde im Stubai mitgefahren.

Nicht böse gemeint, aber Sie haben ein paar Kilos zugenommen ...

Denifl: Wenn es nur ein paar wären (lacht). Es sind acht Kil­o. Ich habe als Athlet sehr auf die Ernährung geachtet und habe das durchgezogen, weil ich ein Ziel hatte. Aber jetzt ist das schon eine neue Lebensqualität, wenn ich mit Freunden am Abend das ein oder andere Bier trinken kann oder es auch einmal ein­e Pizz­a dazu gibt. Psychisch fällt es mir noch schwer, aber mir geht’s richtig gut und mir taugt mein neues Leben.

Das Gespräch führte Benjamin Kiechl