Letztes Update am Do, 12.09.2019 16:07

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


TT-Interview

Brunner nach drittem Kreuzbandriss „Mein Arzt war enttäuschter als ich“

Ihren dritten Kreuzbandriss binnen 17 Monaten steckt Tirols Ski-Ass Stephanie Brunner (25) mit Ehrgeiz weg. Die Saison ist definitiv gelaufen.

Will sich wieder zurückkämpfen: Stephanie Brunner.

© gepa/goetzhaberWill sich wieder zurückkämpfen: Stephanie Brunner.



Frau Brunner, Sie haben sich Mitte August beim Training im argentinischen Ushuaia das Kreuzband gerissen – zum dritten Mal binnen 17 Monaten. Wie stecken Sie den Rückschlag vor allem mental weg?

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Stephanie Brunner: Ich sage immer: Aufgeben tut man einen Brief (lacht). Natürlich war das im ersten Moment ein Schock. Aber ich bekomme dadurch eine große Chance, mich persönlich weiterzuentwickeln. Ich sehe das positiv. Und wer weiß, wofür es am Ende gut ist. Nur die letzten Wochen bin ich ein wenig in der Luft gehängt, weil ich nicht wusste, wie es genau weitergeht. Jetzt folgt im Dezember die Operation, danach warten gut sechs Monate ohne Skifahren. Dann sehen wir, wie es weitergeht.

Das heißt, die Saison ist definitiv gelaufen.

Brunner: Das war aber auch kein Thema mehr. Ich muss versuchen, dass ich wieder so stark zurückkomme wie ich aufgehört habe.

Es ist der erste komplette Ski-Winter, den Sie verpassen werden. Wie blicken Sie dem entgegen?

Brunner: Ich empfinde das als nicht allzu tragisch. Man kann es so oder so sehen: Jetzt habe ich Zeit, um andere Sachen zu versuchen. Bis Dezember werde ich möglichst gut körperlich trainieren. Danach würden mich einige Dinge interessieren, für die ich sonst nie Zeit hatte.

Themen abseits des Sports?

Brunner: Ja, es geht dabei um das Leben nach der Karriere. Ich möchte gerne im Sportbereich bleiben, nun habe ich Zeit, mich ein wenig mehr damit zu beschäftigen. Aber noch ist das in weiter Ferne.

Zurück zum Sport: Drei Kreuzbandrisse im linken Knie in einer so kurzen Zeit – inwiefern haben Sie begonnen, an der Fitness und vielleicht an der Technik zu zweifeln?

Brunner: Die Fitness war nie ein Problem, ich bin topfit nach Argentinien gereist. Und technisch kann man immer etwas verbessern, aber dafür muss ich jetzt erst mal wieder auf dem Ski stehen, um vielleicht was umzustellen. Ich habe mit den Ärzten und dem Team geredet, wir haben gemeinsam erst eine Woche vorher entschieden, dass ich nach Argentinien fliege. Und diese Entscheidung war richtig. Nur leider kam es anders.

Was ist denn beim Trainingssturz passiert?

Brunner: Es war ein blöder Fehler. Ich habe mich ein wenig zu weit reingelegt und dann war es passiert. Danach bin ich noch ins Ziel gefahren, habe mir nichts dabei gedacht. Ich habe ja gar nicht gemerkt, was da los war, bis die Diagnose eintraf. Und selbst als ich in die Heimat geflogen bin, dachte ich mir bei der Zwischenlandung in Madrid noch: Was mache ich da eigentlich? Ich wollte schon wieder zurückfliegen, so gut ging es mir.

Sie haben schon früher angesprochen, dass sich alle Athleten am Limit bewegen. War das Problem, dass Sie selbst im Training zu sehr am Limit waren?

Brunner: Ja, schon. In der kurzen Zeit, in der ich wieder am Ski stand, habe ich mich richtig gut gefühlt. Aber es war wohl ein Prozent zu viel, das kann alles verändern.

Der Ehrgeiz dürfte bei Ihnen dennoch größer gewesen sein als die Enttäuschung.

Brunner: Als ich mit dem Arzt geredet habe, war er enttäuschter als ich (lacht). Ich habe gleich gefragt, wie es weitergeht, wie ich wieder zurückkomme. Für mich geht bis auf das Skifahren alles ganz normal weiter. Es ist eine neue Chance für mich – und eine neue Herausforderung.

Bei Ihrem ersten Kreuzbandriss im Vorjahr kamen Sie fast ohne Skitraining zurück und wurden Fünfte in Sölden, holten danach in Killington (USA) als Dritte den ersten Podestplatz im Weltcup. Wie gut tut es zu wissen, dass die Rückkehr so gut klappt?

Brunner: Das entspannt mich sehr. Ich weiß, dass ich nach einer langen Verletzung schnell sein kann. Und ich weiß, was auf mich zukommt. Das macht alles viel leichter. Die Motivation ist größer als jemals zuvor.

Das Gespräch führte Roman Stelzl