Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 02.10.2019


Skicross

Last Man Standing: Wahrstötter als letzter Tiroler im Skicross-Weltcup

Allein auf weiter Flur: Nach den Abschieden von Thomas Zangerl und Thomas Harasser wird Christoph Wahrstötter zur Tiroler One-Man-Show.

Christoph Wahrstötter hält im Skicross-Weltcup die Tiroler Fahnen hoch.

© gepaChristoph Wahrstötter hält im Skicross-Weltcup die Tiroler Fahnen hoch.



Von Roman Stelzl

Hopfgarten — Skicross und Tirol, das war vor nicht allzu langer Zeit noch eine goldene Erfolgsgeschichte. Mit dem Olympia-Zweiten Andreas Matt, Weltcupsieger Thomas Zangerl sowie den Podestfahrern Patrick Koller, Christoph Wahrstötter und Thomas Harasser stellte Tirol einst bis zu fünf starke Kaderfahrer — und als Sahnehäubchen gab es noch den Heimweltcup in St. Johann/Oberndorf.

Doch diese goldenen Zeiten sind nun vorbei. Zumindest fast. Der Hopfgartner Wahr­stötter wird kommende Saison zum „Last Man Standing", wenn Tirol nur noch einen Weltcup-Fahrer stellt. Schon länger verabschiedet haben sich der Söller Koller (2014) und der Flirscher Matt (2016) — im November 2018 kam der Walchseer Zangerl dazu.

Nun verlässt auch Thomas Harasser die Skicross-Bühne. Der 29-jährige Kössener stand einmal auf dem Weltcup-Podest (Rang zwei in Val Thorens 2015) und hatte in den letzten Jahren immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen. Nun zog Harasser den Schlussstrich. Auch zum Leidwesen von Wahrstötter.

„Früher hatten wir auf den Reisen einen oder sogar zwei Tiroler Busse. Jetzt bin nur mehr ich alleine am Weg", erklärt der fünfmalige Weltcup-Podestfahrer und ergänzt: „Ich war damals in der Generation mit Matt und Zangerl der Junge, nun bin ich der alte Hase. Aber zum Glück helfen mir meine früheren Kollegen in der Vorbereitung."

Gemeint sind damit Patrick Koller und Thomas Zangerl. Im Sportresort Hohe Salve hilft Koller seinem Ex-Kollegen auf die Sprünge und erspart ihm den Trainings-Reiseweg nach Innsbruck („Zwei Stunden weniger Fahrzeit am Tag merkt man schon").

Zangerl ist indes als ÖSV-Gruppentrainer im Training direkt an der Seite seines guten Freundes. „Er erzählt mir jetzt all die Schmähs, die er mir früher nicht erzählt hat", schmunzelt Wahrstötter, der mit hohen Zielen auf die am 6. Dezember in Val Thorens (FRA) startende Weltcup-Saison blickt: „Ich will in jedem Rennen ein Kandidat für das Podest sein. Mit weniger gebe ich mich nicht zufrieden."

Zangerl traut seinem Neo-Schützling Großes zu — bedauert aber die Tiroler Flaute im Skicross-Weltcup. Den Grund wittert der 36-Jährige in Schladming. In der dortigen Ski-Akademie gibt es den Skicross-Zweig, dazu wartet die Reiteralm mit einer Start-Vorrichtung auf. „Daher konzentriert sich alles immer mehr auf den Osten", sagt Zangerl, für den Skicross „an mangelnder Präsenz" leidet. Erfolg wird den Sport aber wieder schnell ins Rampenlicht rücken. Nur können dafür jetzt nicht mehr fünf Tiroler sorgen. Sondern nur noch einer.