Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 16.10.2019


Biathlon

Trianing im Herren-Team: Lisa und die starken Männer

Tirols Biathletin Lisa Hauser startet neu durch – und das bei den Herren. Die Kitzbühelerin trainiert seit heuer mit dem ÖSV-Männer-Team und arbeitet nach der großen Umstellung am Traum vom ersten Weltcup-Podest.

Die 25-jährige Tiroler Biathletin Lisa Hauser rückte in die Herren-Trainingsgruppe auf.

© gepaDie 25-jährige Tiroler Biathletin Lisa Hauser rückte in die Herren-Trainingsgruppe auf.



Von Roman Stelzl

Salzburg – Es ist gut. Richtig gut sogar. „Absolut kein Vergleich zu den letzten Jahren“, legt Lisa Hauser nach. Die Tiroler Biathletin würde jetzt am liebsten einen Freudensprung machen, hat sie doch all das, was sie sich vom Training erhofft hatte, endlich gefunden. Sie hat es aber nicht bei den Damen gefunden. Sondern bei den Herren.

„Ich trainiere seit diesem Sommer mit den Burschen mit. Es war eine riesengroße Umstellung, aber es taugt mir in jeder Hinsicht voll“, erzählt die 25-Jährige aus Reith bei Kitzbühel. Auf ihrem Gesicht liegt ein strahlendes Lächeln. Und das aus gutem Grund.

Über Jahre hinweg schwebten über dem Thema Training und Hauser dunkle Wolken, war sich die zweifache Mixed-Weltcupsiegerin doch nie ganz eins mit dem österreichischen Skiverband (ÖSV)und trainierte sie bis vergangene Saison in einer „eigenen Gruppe“ (Biathlonschmiede) mit.

Nun sind diese dunklen Wolken verflogen. „Wir haben jetzt eine Top-Verpflegung und eine Physiotherapeutin, die mit uns am Weg ist. Da hat sich alles sehr verbessert. Und wir müssen so professionell arbeiten, um ganz nach vorne zu kommen“, erklärt Hauser, die im März zum Saisonabschluss in Oslo (NOR) als Massenstart-Fünfte ein Ausrufezeichen setzte.

Danach folgte für Österreichs beste Athletin etwas Neues, sie wechselte kurzerhand gemeinsam mit der Salzburgerin Julia Schwaiger zur Herren-Truppe mit Simon Eder, Dominik Landertinger, Julian und Tobias Eberhard sowie Felix Leitner und Harald Lemmerer. Und da weht nun ein ganz anderer Wind.

„Läuferisch können wir da nicht mithalten, höchstens bei langsamen Runden. Das ist ein enormes Tempo, das die Burschen da hinlegen. Da kann ich mir technisch enorm viel abschauen“, blickt Hauser auf intensive Trainingsmonate zurück. Und sie schmunzelt: „Am Schießstand sind wir aber fast gleichauf, da profitieren die Burschen vielleicht sogar ein wenig von uns.“

Der Wechsel zu den Herren war in gewisser Weise ein logischer, mehr noch notwendiger Schritt. Zuletzt fehlte der Antrieb – und der Abrieb an der internen Konkurrenz. Hauser: „Als beste Athletin im Team tut man sich schwer, besser zu werden, wenn man keine Bessere mehr vor sich hat. Mir fehlte der Anhaltspunkt, ich wusste nicht mehr, wo ich hinwill. Daher ist es gut, dass die Burschen richtig Gas geben. Jetzt kann ich mich an Besseren messen.“

Unter dem deutschen Cheftrainer Ricco Groß und ÖSV-Coach Walter Gapp steckt sich die zweifache Olympia-Teilnehmerin trotz einer zuletzt hartnäckigen Verkühlung hohe Ziele für die am 30. November in Östersund (SWE) beginnende Weltcup-Saison. „Ich möchte heuer mein erstes Einzel-Weltcup-Stockerl schaffen. Das ist das große Ziel“, erklärt die Gesamtweltcup-17. der Vorsaison. Der große Joker soll das Training mit den Herren sein.

Das kennt Hauser übrigens schon aus der Schulzeit. Und auch damals war das „richtig gut“. Der Erfolg gibt Recht. Und zumindest das soll diesen Winter gleichbleiben.