Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 24.10.2019


Ski Alpin

Weltcup-Auftakt in Sölden: Sechs Tiroler für ein Halleluja

Eva-Maria Brem steht vor ihrem elften Sölden-Start. Ricarda Haaser und Rosina Schneeberger konnten am Rettenbachferner schon punkten – im Gegensatz zu Franziska Gritsch, Manuel Feller und Dominik Raschner.

Eva-Maria Brem hatte im vergangenen Jahr in Sölden zu kämpfen, am Ende reichte es nur zu Rang 24.

© gepaEva-Maria Brem hatte im vergangenen Jahr in Sölden zu kämpfen, am Ende reichte es nur zu Rang 24.



Eva-Maria Brem: Das Fragezeichen, das so lange hinter ihrem Namen stand, soll die 31-jährige Münsterin jetzt in ein Ausrufezeichen verwandeln. „Ich habe schon gewonnen und arbeite daran, das wieder zu schaffen", setzt sich Brem Weltcup-Siege als großes Ziel. Drei schwierige Saisonen liegen nach dem Schien- und Wadenbeinbruch Ende 2016 hinter der dreifachen Weltcupsiegerin, die sich 2016 die kleine Kristallkugel als beste Riesentorläuferin abgeholt hatte. Mit zwei Top-acht-Ergebnissen im Frühjahr 2019 schnupperte die Teamweltmeisterin langsam wieder an die Weltspitze heran — mit neuem Material unter den Füßen (Atomic) will es Brem nun noch einmal wissen. Der Knackpunkt dürfte im mentalen Bereich liegen. „Als ich gewonnen habe, bin ich viel bedingungsloser gefahren", erklärt Tirols dreimalige Sportlerin des Jahres. Genau das wird es aber am Samstag in Sölden brauchen.

Franziska Gritsch steht vor ihrem zweiten Sölden-Start.
Franziska Gritsch steht vor ihrem zweiten Sölden-Start.
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Franziska Gritsch: Stichwort Sölden: Da ist Tirols Aufsteigerin des Jahres 2019 zuhause. Also ist das erste Rennen einer Saison ohne Großereignis auch bereits das größte für die 22-jährige Ötztalerin. Und nach den guten Ergebnissen in der abgelaufenen Saison soll die Trendkurve weiter nach oben zeigen. „Der Sommer war ganz gut. Jetzt freue ich mich, dass es losgeht", sagt Gritsch. Auch bei der Vize-Teamweltmeisterin von Aare (SWE) gab es im Sommer eine Umstellung: Gritsch wechselte von der Kombi- zur Technik-Gruppe. Denn heuer soll der Fokus mehr dem Riesentorlauf und Slalom gelten. „Ich bin eine Allrounderin, doch mit den Europacup-Rennen war das letztes Jahr ein wenig zu viel. Jetzt möchte ich mich in erster Linie im Technikbereich etablieren", so Gritsch. Die Top Ten im Weltcup seien kein konkretes Ziel — vielmehr gehe es um eine Sache: „Mit viel Leidenschaft Ski fahren."

Ricarda Haaser war 2017 bereits Elfte in Sölden.
Ricarda Haaser war 2017 bereits Elfte in Sölden.
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Ricarda Haaser: Nachdem die Tuxerin Stephanie Brunner mit einem Kreuzbandriss die Saison verpasst, startet die Mauracherin als nominell stärkste Riesentorläuferin in die Saison. Eine Rolle, die Haaser gerne annimmt. Das Ziel: konstant unter die besten fünf. Oder sogar auf das Podest. Dafür fokussiert sich die 26-Jährige — so wie viele ihrer Kolleginnen — fast ganz auf eine Disziplin. „Du musst ständig dranbleiben, um im Riesentorlauf ganz weit vor zu kommen. Der Slalom ist deshalb bei mir komplett weg. Der Super-G liegt mir sehr am Herzen, aber er darf dem Riesentorlauf nicht in die Quere kommen", meinte Haaser, die auf einen „richtig guten" Sommer zurückblickt. Im Vorjahr stand die Allrounderin gleich dreimal unter den Top Ten, nun soll der nächste Schritt gelingen. „Aber dafür muss ich gute Läufe ins Ziel bringen. Es war öfters okay, dann wieder weit weg. Langsam passt die Konstanz."

Rosina Schneeberger zeigte 2016 als Zwölfte auf.
Rosina Schneeberger zeigte 2016 als Zwölfte auf.
- gepa

Rosina Schneeberger: Mit großem Kämpferherz schaffte die 25-jährige Hippacherin wieder den Anschluss — und meisterte auch die interne Qualifikationshürde. Nach zwei Kreuzbandrissen 2014 und 2017 sowie einem Außenknöchelbruch im Jänner dieses Jahres meistert Schneeberger einmal mehr den steinigen Comeback-Weg. Und der soll für die dreifache Junioren-WM-Dritte in Sölden Erfolgsmeldungen bringen. „Im Sommer konnte ich mich im Olympiazentrum Innsbruck gut vorbereiten. Ich bin richtig fit, habe jetzt drei Tage auf dem Weltcuphang in Sölden. Und vom Körper her passt alles", meinte Schneeberger nach den ersten Testläufen für das Rennen auf dem Rettenbachferner. Die Trauben hängen freilich hoch, zumal eine Startnummer jenseits der 50 winkt. „Die Top 30 sind das Ziel, damit es mit der Nummer nach vorne geht", stapelt Schneeberger die Erwartungen tief.

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Manuel Feller: Gut, dass sich der Fieberbrunner nicht zwingend um Statistiken schert. Viermal war Feller in Sölden am Start, viermal reichte es nicht für den zweiten Durchgang. Selbstredend, dass nach den beiden wetterbedingten Absagen 2017 und 2018 der Umkehrschub hermuss. „Ich bin in Form und weiß, dass ich an einem guten Tag bei jedem Rennen ganz vorne mitmischen kann", sagt einer, der nach dem Rücktritt von Erfolgsgarant Marcel Hirscher vermehrt ins Rampenlicht geschoben wird. Gebetsmühlenartig stellt der 27-Jährige klar, dass man einen wie Hirscher niemals ersetzen können werde, und legt Vielversprechendes nach: „Wir werden uns für die Fans den Hintern aufreißen." Ende dieses Monats erwarten Feller und seine Freundin erstmals Nachwuchs. Terminkollision? „Das Baby kommt, wann es kommt. Und ich will unbedingt bei der Geburt dabei sein."

Dominik Raschner: Gerade als er vergangenen Winter so richtig Fahrt aufgenommen hatte, war die Saison für den Milser gelaufen: Riss des Kreuzbandes und des Meniskus beim Europacup-Riesentorlauf in Andalo (ITA). Das war am 19. Dezember 2018. Ziemlich genau sieben Monate später stand Raschner am Hintertuxer Gletscher wieder auf Schnee, um relativ rasch wieder Tritt zu fassen. „Geholfen hat mir dabei auch das Training auf dem Skiteppich in Wiesing", sagt der 25-Jährige, der nach bislang sechs Weltcupeinsätzen noch ohne Punkte dasteht. Die Zielsetzung für den kommenden Sonntag ist demnach klar: Qualifikation für den zweiten Durchgang. Dass Raschner gemeinsam mit den 500-Punkte-Fahrern gleich hinter den Top 30 starten kann, ist ein großer Vorteil. „Den gilt es zu nützen. Auch im Hinblick auf die nächsten Rennen." Die Form? „Die passt." (rost, m. i.)

Dominik Raschner wartet noch auf den ersten Punkt.
Dominik Raschner wartet noch auf den ersten Punkt.
- gepa