Letztes Update am Fr, 25.10.2019 08:42

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Ski Alpin

ÖSV-Cheftrainer Puelacher: „Diese Rennflut ist unverantwortlich“

ÖSV-Herren-Chef Andreas Puelacher blickt erstmals einer Saison ohne Marcel Hirscher entgegen. Er tut dies optimistisch, einzig der Weltcupkalender stößt auf.

Andreas Puelacher blickt seiner sechsten Saison als Herren-Rennsportleiter beim ÖSV entgegen.

© gepaAndreas Puelacher blickt seiner sechsten Saison als Herren-Rennsportleiter beim ÖSV entgegen.



Sie blicken Ihrer sechsten Saison als Herren-Rennsportleiter entgegen. In den gut 200 Rennen, die Sie bislang zu verantworten hatten, war die Ausgangsposition nie schlechter als vor dem Riesentorlauf am Sonntag.

Andreas Puelacher: Auf dem Papier ist es so. Nichtsdestotrotz haben wir mit Manuel Feller und Stefan Brennsteiner zwei unter den 30, die schon etwas erreichen können. Das Training stimmt mich jedenfalls zuversichtlich. Generell wäre es schön, wenn wir vier Athleten in den Entscheidungsdurchgang bringen. Das ist im Riesentorlauf auch die Messlatte für den Winter.

Ohne Marcel Hirscher ist gerade im Riesentorlauf die Fallhöhe beträchtlich. Erhöht das den Druck?

Puelacher: Nein, man muss auch Vertrauen in die anderen haben. Natürlich wird es Rennen geben, die nicht so laufen werden. Aber klar ist, dass wir die Nummer eins im Herren-Rennsport bleiben wollen. Und davon bin ich auch überzeugt.

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Ohne die Hirscher-Punkte wäre vergangenen Winter die Schweiz knapp vorangelegen?

Puelacher: Diese Rederei geht mir auf den Geist. Auch von unserer Seite. Genauso könnte ich sagen: Wo wäre die Schweiz gewesen ohne den Feuz? Ich entschuldige mich nicht dafür, dass Marcel für uns gefahren ist.

Peter Schröcksnadel hat dieser Tage gemeint, dass mit dem Hirscher-Rücktritt auch eine für die Teamkollegen unerreichbare Barriere gefallen ist ...

Puelacher: Da ist sicher was dran. Jeder hat jetzt die Möglichkeit, aus Marcels großem Schatten zu treten. Das muss Ansporn sein. Wer ist der nächste Leader im technischen Bereich? Wer ist der Nächste, der um den Gesamtweltcup mitkämpfen wird? Marco Schwarz hat diesbezüglich vergangenen Winter schon kräftig angeklopft. Er steckt aber ebenso noch mitten in der Entwicklung wie ein Feller oder Matt.

Der Gesamtweltcup scheint diesen Winter aber nicht realistisch.

Puelacher: Alexis Pinturault und Henrik Kristoffersen sind die klaren Favoriten. Aber erst einmal müssen sie zeigen, ob sie dieser Erwartungshaltung standhalten. Ich will den Gesamtweltcup nicht von Haus aus abschreiben, wir können locker drauflosfahren, vielleicht kann einer lange mitkämpfen.

44 Rennen in 22 Ortschaften – der Weltcupkalender ist trotz massiver Kritik aufgebläht wie eh und je. Dazu ein Abendevent am 23. Dezember. Fühlt man sich da verschaukelt?

Puelacher: Das ist ein Affront all jenen gegenüber, die Weihnachten nicht zu Hause feiern können. Ganz generell: Man wird nicht gehört. Die Fahrer nicht, die Trainer nicht. Wir waren geschlossen für eine Reduktion der Rennen. Es ist ja auch gefährlich. Das Flutlicht-Parallelrennen in Alta Badia treibt es auf die Spitze. Du kommst am 23. abends oder am 24. Dezember nach Hause und sollst schon am 25. nach Bormio reisen. Das ist unverantwortlich.

Anstatt sich zwischen Kombination und Parallel-Rennen zu entscheiden, hat der Weltskiverband FIS beide Disziplinen gelassen. Ein fauler Kompromiss?

Puelacher: Ich bin kein Fan von diesem künstlich geschaffenen Parallelbewerb. Für mich ist das eine Fehlentwicklung und ich verstehe nicht, dass man daran festhält.

Das Gespräch führte Max Ischia