Letztes Update am Fr, 25.10.2019 12:19

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Ski Alpin

ÖSV-Damen-Chef Mitter: „Ich muss mich für nichts schämen“

Kritik an seiner Person gab Norwegens Erfolgs-Coach Christian Mitter den letzten Schupfer zur Rückkehr. Nun setzt der Steirer als ÖSV-Damen-Chef hohe Ziele.

Christian Mitter soll die ÖSV-Damen zu neuen Erfolgen führen.

© gepaChristian Mitter soll die ÖSV-Damen zu neuen Erfolgen führen.



Mit Ihnen, Patrick Riml und Toni Giger holte sich Österreichs Skiverband quasi ein „Trainer-Dreamteam“. Steigert das den Erfolgsdruck?

Mitter: Die Erwartungshaltung wird immer groß sein. Und ich erwarte mir einen unbedingten Wettkampf-Willen. Es braucht Disziplin, konzentriertes Arbeiten. Wir müssen Stärken stärken anstatt immer nur Schwächen suchen. Man muss diszipliniert und positiv an die Sache herangehen. Jetzt lassen wir es aber erst mal krachen und dann schauen wir, wo wir stehen.

Sie waren zwölf Jahre im norwegischen Skiverband tätig – wie fällt Ihr Vergleich zwischen Österreichs und Norwegens Ski-Welt aus?

Mitter: Das politische System ist komplett anders. In Norwegen ist alles in Oslo zentriert, im ÖSV wird dagegen alles über Landesverbände aufgestellt. Hier bist du erstmal Salzburger und Tiroler, danach wirst du ÖSV-Athlet. Norwegen lässt sich da mit dem Salzburger Verband vergleichen – auch was die Zahl der Siege und Athleten betrifft.

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Kann sich der ÖSV etwas von den Kollegen im hohen Norden abschauen?

Mitter: Auf jeden Fall! Und das ist auch unser Ziel. Wir müssen das Positive übertragen und schauen, was wir besser machen können. Vor allem möchte ich hier weiter mit kleineren Gruppen arbeiten.

Wie hat sich Ihr Leben als Familienvater nach der Rückkehr verändert?

Mitter: Die Familie ist noch in Schweden, die Kinder sind im Kindergarten. Aber sie werden bald nachkommen. Meine Frau wollte ohnedies nach Österreich, da hat sich das ÖSV-Angebot gut ergeben.

Hat Sie das letztlich zum Wechsel bewegt?

Mitter: Aber ganz am Schluss bin ich doch Österreicher. Norwegen habe ich viel zu verdanken – ebenso wie der Verband mir viel zu verdanken hat. Der Zeitpunkt war gut.

Ein Mitgrund war auch der offene Brief, den Norwegens medizinisches Team im April veröffentlichte. Darin wurde Ihr „rauer“ Umgang mit Ärzten und Physiotherapeuten kritisiert. Liegt Ihnen diese Geschichte noch schwer im Magen?

Mitter: Je mehr ich darüber nachdenke, desto ungerechter kommt es mir vor. Wenn Leute im Spitzensport nix verloren haben, sollten sie sich dort auch nicht bewegen. Es war eine Ärztin, die alles ins Rollen gebracht hat – die war in der Saison zwölf Tage dabei. Ich hatte alleine 283 Reisetage letztes Jahr. Und das zwölf Jahre lang. Da ist es sehr unfair, wenn jemand auf dem letzten Zentimeter des Weges daherkommt und sich querlegt. Die Dinge müssen bei mir nun einmal gleich passieren. Das haben Athleten sehr an mir geschätzt, andere nicht. Und im Skisport herrscht ab und an ein rauer Ton. Wenn du da einen Arzt reinstellst, der nur zwölf Tage dabei ist, kann es sein, dass der lieber die Polizei ruft, wenn er zuhört (lacht).

Sauer aufgestoßen ist Ihnen vor allem der offene Brief ...

Mitter: Genau, das war ärgerlich. Wir hatten jeden Tag die Möglichkeit zum Gespräch – das wurde nie genutzt. Sie sind an die Medien gegangen. Das war überreagiert.

Wie hat Norwegens Verband reagiert?

Mitter: Die Sache wurde untersucht, es kam raus, dass nichts war. Das war eine Genugtuung, aber da war ich schon beim ÖSV. Egal – ich muss mich für nichts schämen. Ich teile keine Geschenke aus, will nicht lustig, cool oder beliebt sein. Ich will effizient und erfolgreich sein.

Das Gespräch führte Roman Stelzl