Letztes Update am Sa, 26.10.2019 15:32

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Ski Alpin

Gritsch raste daheim in die Top Ten: „Es ist einfach der Wahnsinn!“

Die Ötztalerin Franziska Gritsch (22) feierte mit Rang sieben beim Weltcup-Auftakt ausgerechnet bei ihrem Heimrennen den bislang größten Erfolg ihrer Ski-Karriere.

Franziska Gritsch rettete mit Rang sieben die ÖSV-Ehre in Sölden.

© gepaFranziska Gritsch rettete mit Rang sieben die ÖSV-Ehre in Sölden.



Haben Sie sich heute selbst überrascht?

Franziska Gritsch: Vielleicht in dem Sinn, dass ich es jetzt endlich einmal zeigen habe können, was ich kann. Im Training klappte es bei unterschiedlichen Bedingungen schon ganz gut. Dass ich das jetzt im Rennen ummünzen konnte und mir das auch noch daheim gelang, freut mich wahnsinnig. Daheim ist einfach daheim.

War der Heimvorteil ausschlaggebend?

Gritsch: Bei so einem schwierigen Hang ist der Vorteil nicht unbedingt groß, aber vielleicht hilft es mir schon, dass ich als Kind bereits oft hier gefahren bin. Ich kenne den Hang, aber wenn man dann da im Weltcup mit roten und blauen Toren runterfährt, ist das was anderes.

Wie hätten Sie reagiert, wenn man Ihnen gestern gesagt hätte, dass Sie heute beste Österreicherin sind?

Gritsch: Dann wäre ich, glaube ich, ausgeflippt und hätte es niemandem geglaubt. Es ist unglaublich. Im Ziel war es wie eine Befreiung für mich. Es waren ein paar richtig lässige Schwünge dabei und alles hat sich einfach nur toll angefühlt. Im ersten Durchgang war ich vielleicht noch ein bisschen mit der Handbremse unterwegs, die habe ich im zweiten dann gelöst. Da sieht man dann, was möglich ist.

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Gab es zwischen den Läufen eine Kabinenpredigt der Trainer?

Gritsch: Nein. Wir wissen alle, dass wir was können und unsere Trainer nehmen das auch sehr mit der Ruhe. Auszuzucken hilft ja auch keinem. Wir halten als Team zusammen, und dann werden wir uns Schritt für Schritt vorarbeiten.

Wie sehr dämpft die Verletzung von Bernadette Schild jetzt die Stimmung?

Gritsch: Das ist natürlich die Schattenseiten unseres Sports. Die haben wir heute wieder eins zu eins präsentiert bekommen. Mir tut es wahnsinnig leid. Ich kann da leider auch ziemlich gut mitfühlen. Ich hatte auch schon schwere Verletzungen (Anm. 2014 Bruch des Wadenbeins, 2015 vorderes und hinteres Kreuzband, Schienbeinkopf …). Ich hoffe, dass es nicht zu ernst ist für Bernie. Für mich scheint heute zwar die Sonne, aber es tut mir brutal leid, dass so was jetzt passiert ist.

Könnten Sie Ursachen für den Sturz beobachten?

Gritsch: Der Schnee ist schon ein bisschen schnittig. Da muss man schauen, dass man gut über dem Ski steht. Wie man gesehen hat, hat der Ski dann noch einmal gegriffen und das sind ja immer die schlechtesten Szenen.

Sie haben sich erfolgreich zurückgekämpft …

Gritsch: Ja und jetzt stehe ich Gott sei Dank da und – das ist das allerwichtigste – bin gesund und fit. Da bin ich sehr, sehr dankbar. Es lohnt sich also zu kämpfen. Auch im normalen Leben abseits der Piste, da ist auch nicht immer alles happy-peppi. Aufstehen, Krone richten und weitergehen.

Das Interview führte Sabine Hochschwarzer